Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

das Problem löst, das eben erst gestellt ist. Wenn in diesem Zusammen­hänge in T 64/2 (gleich D 218, 1—8 und 1111 f.) zum ersten Male der Hinweis auf private Aufzeichnungen Karls1 auftaucht, wird deutlich, daß dies lediglich ein Mittel darstellt, den Text interessanter zu gestal­ten 2. Und wenn es weiter heißt, Karl sei fest entschlossen gewesen, diese neue Kampfart einzuführen, seine anderweitigen Beschäftigungen hätten ihn aber stets daran gehindert, erinnern wir uns sogleich einer ähnlichen Wendung in T 19/1 (gleich D 192, 29—198, 8 und I 27 f), die von der geplanten Einführung der päpstlichen monti a vita ein gleiches besagt und können darin wohl die Vorlage solcher Ausschmückungen er­kennen 3. Die Erklärung der neuen Kampfart im Dreieck greift wiederholt auf die römische Aufstellung der hastati, principes und triarii und Beispiele der römischen Kriegsgeschichte sowie auf die griechische Phalanx zurück. Am Schlüsse wendet der Autor den vorerwähnten Kunstgriff — kaum weniger ungeschickt als früher — ein zweitesmal an: Karl könne, da sich über die — zuletzt behandelte — geringe artilleristische Wirkung gegen­über der dreieckigen Aufstellung unter seinen Papieren lange Memoiren befänden, nunmehr weitergehen, jedoch nicht ohne Philipp nochmals anzuweisen, eine bessere Kampfart zu finden4. Mit T 70/1 (gleich D 222, 28—223, 30 und I 122 f.) setzt sich nach dieser Unterbrechung der frühere (dritte) Abschnitt (vgl. S. 227) fort, und zwar mit Punkt zwei, den Ratschlägen bezüglich der Seestreit­kräfte5, denen sich von T 70/2—72/1 (gleich D 223, 11—225, 2 und I 123—126) der dritte Punkt über die Festungen anreichte. Zunächst wird deren Visitierung, Versorgung mit Munition und Vorräten, Be­setzung mit guten Kommandanten und Truppen — letzteres nach dem Beispiele der Römer — erörtert, wobei sich in D allerlei Irrtümer, Miß­verständnisse und Wiederholungen bemerkbar machen. Die Grenzfestun­1 Die Texte variieren stark: T spricht von mémoires parmi mes papiers, D von vielen delineationes und Abrissen unter meinen Briefen, I von diverse idee fra le mié memorie. s Ähnlich urteilt auch E. W. Mayer 1. c. 120, 488. 3 Auch in D 216, 16—217, 24 ist ähnliches wahrzunehmen: was da vom guten Feldobereten gesagt ist, klingt stark an frühere Wendungen über die Eigen­schaften guter Fürstendiener an (vgl. 197, 20; 198, 15—21, 26—28; 199, 2f.). 4 T 69/3. — D (222, 13—27) und I (120 f.) benützen die Gelegenheit — ein Zeichen, welchem Interesse der Gegenstand, begegnete — viel umfassender, wobei auch der Inhalt starke Veränderungen erfährt; D knüpft noch gleich T an die artilleristi­schen Betrachtungen des Textes an, wovon Philipp viel finden werde, das er (Karl) aufgeschrieben habe, stopft aber zugleich in diese Memoiren Karls noch möglichst viel weiteren, zusammenhanglosen Inhalt. In I ist dieser Zusammenhang bereits gänzlich fallengelassen. 5 Vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 469, Anm. 1. 3 Vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 469, Anm. 2.

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