Historische Blaetter 2. (1921)

Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst

die europäische Kunst von Bedeutung wurden, in ihr aber als Ab­bild der Sitten jener Zeit ihren Widerhall finden. Dies vor allem im Gebiete der Tracht und Mode. Es ist hier nicht der Ort, auf EinzelL heiten diesbezüglich einzugehen, ich verweise nur ganz allgemein wieder auf Venedig und Ungarn als Einfallstore, wo seit der Wende des 15. Jahrhunderts die Anlehnung an das Osmanische wohl am deut­lichsten zu erkennen ist (Dogenmantel, Kopfbedeckungen, Brokate, Waffen usw.)1. Auch' Polen kommt hier in stärkstem Maße in Be­tracht. Im besonderen sei aber hier auf die im 16. Jahrhundert ganz Westeuropa überschwemmende Pelzmode hingewiesen, insoferne ge­rade darin die Osmanen einen ganz unglaublichen Luxus entfalteten, so daß man mit Gesetzen und Verboten dagegen auftreten mußte1 2. Noch heute ist die Bezeichnung Kuppelpelz oder Staatspelz gebräuch­lich, ohne daß man sich bewußt wird, daß diese Bezeichnungen einem Reglement entsprachen, nach dem am osmanischen Hof das Tragen verschiedener Pelze nach Amt und Würden streng geregelt war (Kuppelpelz Pelz für die Beamten der Kuppel usw.). Wie nun dieser Pelzluxus in Europa seine internationale Verbreitung fand und sich in unzähligen Porträts und Bildern widerspiegelt, ja geradezu einen Hauptanlaß zur Durchführung des in dieser Zeit so charak­teristischen malerischen Raffinements bot, so kann auch noch ein zweites Moment angeführt werden, das — wenn es auch an sich künstlerisch ohne besondere Bedeutung scheint — doch eine ganze Richtung der europäischen Malerei wesentlich bestimmte. Es ist dies der Blumen- und im besonderen der Tulpenkultus, der im 17. Jahr­hundert vor allem in der niederländischen Malerei in dem Kreise der Blumenmaler zum Ausdruck kommt. Von den Zier- und Blumengärten der Osmanen war bereits oben die Rede3. Einen besonderen Reiz boten aber die luxuriösen Tulpenfeste, wie sie in Verbindung mit Illuminationen in jedem Frühjahr gefeiert und unter Ahmed III. be^ sonders großzügig veranstaltet werden4. Busbequius, der Gesandte Kaiser Ferdinands I. am türkischen Hofe, hatte die Tulpe und die Kaiserkrone — auch die Hyazinthe ging diesen Weg — 1554 nach 1 Siehe die entsprechenden Tafeln bei Fr. Hottenroth, Trachten der Völker. Spe­zielles mit Bezug auf Burgund bringt J. v. Karabacek in den Denkschriften d. k. Ak. d. Wiss., 62. Bd., S. 10 f. und 67 ff. 2 Siehe Deutsche Übersetzungen türk. Urkunden, Heft 5, Nr. 84; Hammer, Gesch., II, 350 f.; III, 253, 305 f. IV, 186, 494 f., 630. 3 Vgl auch L. Reinhardt, Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, II, S. 472 f.

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