Historische Blaetter 2. (1921)

Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst

and Elfenbein und an die auch sonst im Kunstgewerbe häufige Ver­wertung dieser Materialien denken1. Als Beleg für die Automaten­liebhaberei bei den Osmanen im besonderen sei etwa ein bei der neunfachen Hochzeit unter Ahmed III. vorgeführter Kiosk, in dem Automaten spielten, erwähnt2. Ohne daß hier noch auf weitere derartige kunstgewerbliche Einzel­heiten eingegangen werden kann, für die eine Anregung oder Ver­mittlung von osmanischer Seite in Betracht kommt, sei nur noch auf den bedeutsamen Zweig der Porzellankunst verwiesen, der wie kein anderer seine Verbreitung und damit auch das Streben nach Neu­erfindung der internationalen und damals wirklich weltumspannenden Stellung der Höfe verdankt. Gerade in der Entstehungsgeschichte dieses Kunstzweiges in Europa vermißt man immer wieder die Betonung der aocn so naheliegenden Vermittlung durch den Islam. Schon vor der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien (1498) war der natür­liche Weg, auf dem chinesische Kulturelemente nach dem Westen ge­langten, über Zentralasien und Persien und dieser Weg behielt auch im 16. und 17. Jahrhundert im Sinne einer großen zusammen,- hängenden ostwestlichen Kulturvermittlung eine weit größere Be­deutung als es der schwierigen Schiffahrt zukam, die die Kultur­produkte zunächst eben nur als Kuriosa einführte. In Persien dagegen hatte der Gebrauch des importierten chinesischen Porzellans bereits um die Wende des 16. Jahrhunderts jene Formen einer höfischen Lieb»- haberei angenommen, wie sie in Europa érát im 18. Jahrhundert auf- treten. Der bedeutendste Beleg dafür ist das Porzellanhaus, das Schah Abbas der Große (1587—1629) in Ardebil errichtete, und das nach der Art der späteren europäischen Porzellanzimmer (wie in Schön­brunn) auf Konsolen und in (Nischen das wertvolle Geschirr zu künstle­rischer Wirkung brachte3. Gegenüber Europa war dort die Schätzung des Porzellans freilich zum Teil zwecklich bedingt, indem das Verbot, goldenes und silbernes Eßgeschirr zu verwenden, zu diesem den re­präsentativen Ansprüchen entsprechenden Ausweg führte. Nun scheint es nicht ausgeschlossen, daß das Emporblühen der persischen Fayence­industrie nicht zum wenigsten dem Drange zuzuschreiben ist, dem Import die eigene Produktion entgegenzustellen, wie dies dann auch in Europa geschah. Wurde dort doch tatsächlich eine Art Fritten­porzellan hergestellt, in dessen Malereien chinesischer Einfluß deutlich, 1 Siehe 0. Pelka, Elfenbein (Bibi. f. Kunst- u. Antiquitätensammler, 17), S. 242. * Hammer, Gesch., IV, S. 188. 8 Siehe F. Sarre, Denkmäler persischer Baukunst, S. 41 ff.

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