Historische Blaetter 2. (1921)
Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst
Schriften eines Alberti gegenüber fortwirkte1. Erst mit der Hochrenaissance, mit der Blüte der Höfe, setzt in Italien eine großzügige Ausgestaltung des Gartenwesens ein, das aber auch sowohl in wesentlichen Zügen wie auch in besonderen Elementen mit der literarisch überlieferten antiken Gartenkunst eines Plinius nur wenig zu tun hat. Waren bisher, was Italien anlangt, die Wasserspiele in den Gärten zurückgetreten2, so bekamen sie nun wieder besonderen Wert. Lorenzo Medici soll den Plan zu der mit Wasserkünsten reich ausgestatteten Villa Poggio Reale des Kronprinzen Alfonso von Neapel entworfen haben. Wenn Gothein glaubt, daß diese Verwertung des Wassers von dem Spanier Alfonso aus seiner Heimat eingeführt sein könnte, so ist dies sicherlich sehr naheliegend. Doch muß gerade hier auch noch auf die andere Möglichkeit verwiesen werden, daß die Anregung von ,Konstantinopel ausgegangen sein könnte. Gerade Lorenzo, dem die Planung zugeschrieben wird, wurde von dem damaligen Sultan (Murad III.) besonders hoch geschätzt und unterhielt mit ihm rege Beziehungen. Die türkische Gartenkunst stand gerade damals in höchster Blüte und die Beschreibungen3, wie auch die Massenbestellungen von Zierpflanzen ,für die kaiserlichen Gärten* lassen erkennen, daß besonders der Ziergarten, der in Italien damals erst am Beginne seiner Entfaltung stand, dort bereits alle Eigenschaften der großen Parks der europäischen Fürsten des 16. und der folgenden Jahrhunderte aufwies. Im besonderen sind es eben die Springbrunnen, Bassins und Wasserspiele, sowie die monumentalen Alleen und die Blumenparterre, die dort aus alter persischer Tradition5 fortgeführt erscheinen. Aber auch einzelne Momente lassen das erneuerte Übergreifen des Ostens nach der Renaissance vermuten. Der in den Parks auf großen alten Bäumen angebrachte Baumsitz läßt sich zwar in Europa — zurückgehend auf alte orientalische Bräuche — bereits durch das ganze Mittelalter verfolgen6, scheint aber von nun an mit besonderer Vorliebe verwendet worden zu sein. Ist mir auch dafür 1 Vgl. Gothein, Geschichte der Gartenkunst, 1914, Bd. I, S. 219 ff. 2 Gothein a. a. O., I, S. 222, 230. 8 Jacob, Quellenbeiträge z. Gesch. islam. Bauwerke. Ewlijas Beschreibung des Krankenhauses Bajezids II. (Der Islam, III, 1912, S. 365 f.) 1 Deutsche Übersetzungen türkischer Urkunden hrsg. durch d. orient. Seminar zu Kiel, Heft 4, Nr. 47, Heft 5, Nr. 80. 3 S. Gothein a. a. 0., I, S. 168 ff., mit Abbildungen nach Chardin und Sarre. 6 Ebendort S. 150 f., 263 f.