Historische Blaetter 1. (1921)

Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage

Die von E. K. H. ausgesprochene Idee, zu dieser Sendung den Fürsten Fried: Schwarzenberg auszuwählen, war auch schon früher — wenn gleich nur vorübergehend — jene des Fürsten Metternich gewesen *• — die Zusammenstimmung mit E. K. H. entschied ihn sofort. Er hat daher, unter allerhöchster Genehmigung den Fürsten hieher gerufen; — und gedenkt ihn — wenn er, wie zu hoffen, die Mission annimmt — nach Luzern zu schicken. Dort soll er zuerst nur als Explorateur und als Mann unseres Vertrauens auftreten und sich die Dinge in der Nähe ansehen. Sein Bericht wird dann zum Weiteren die Anleitung geben. Uiberhaupt war aber der Fürst E. K. H. für die erleuchteten Ansichten, die Höchstdieselben ihm durch meine Vermittlung über die Schweitzer Zustände geben zu lassen geruhten, in hohem Grade dankbar. Es scheint übrigens fast, als ob das revoluzionäre Fieber in der Schweitz etwas an Intensität — oder wenigstens an Keckheit nachgelassen hätte, und als ob die gegenwärtige Tagsatzung abermals einen wortreichen aber thatenlosen Verfolg haben würde. [Folgt eine Nachricht über den Besuch des preußischen Königs in Königswart.] In tiefster Ehrfurcht p. p. 6. Erzherzog Johann an Hofrat Frhn. v. Werner*. Je mehr ich über die gestellte Frage nachdenke desto mehr wird in mir der Wunsch rege, daß es möglich sey, die treuen Bergkantone zu unterstützen. Ich habe den Militair Schematismus durchgegangen und wahrlich ich finde wenige dem Zwecke entsprechende, der 30jährige Friede eine Wohlthat des Himmels hat jede Gelegenheit zur Entwicke­lung der Fähigkeiten, des Carakters benommen. Es mögen wie ich ihnen schon Schrieb manche in der Armee stecken, allein wer kennet diese. Rußland hat im Caucasus, Frankreich in Algier eine treffliche Schule, die Resultate dieser Bildung wird der erste Krieg wo diese Mächte auf- tretten müssen zeigen. Uns mangelt diese Moralisch, Wissenschaftliche Schule, die bestehende, die alten ausgenommen, sind weich, voll Fode- rurigen, und in Folge unserer Organisation ohne jener Praxis die für einen Krieg unerläßig ist. Führer eines Gebürgskrieges mit den Landes­79 1 Fürst F. Schwarzenberg hatte unterm 8. Juni 1846 die Vermittlung Metternichs zu seiner Wiederanstellung als k. k. Oberstleutnant und Beförderung zum Obersten erbeten. 2 W. St.-A., a. a. O., Original.

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