Historische Blaetter 1. (1921)

Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage

von geregelten Truppen fődért, daher Leitung, Beweglichkeit p. p. viel verwickelter, viel schwieriger, und bey so einem Kampfe wo persönliche geschicklichkeit und Muth jedes einzelnen am meisten wirket kann er nur allgemeine Dispositionen entwerfen, die Ausführung muß er der ge- samtheit der Streitenden überlassen, höchstens sich einen Kern besserer bilden als eine Reserve um zu helfen wo es noth thut. An künstlichen Manoeuvres ist gar nicht zu denken — es ist der Krieg leichter Truppen in einem sehr durchschnittenem Terrain — welcher schnell zur Ent­scheidung gebracht werden muß, weil Volksmassen ihren Heerd nur auf kurze Zeit verlassen können, weil diese so bald es länger dauert sich zerstreuen um zu Hause zu gehen, — dieser kleine Krieg muß aber kräftig geführt werden, und das HauptAugenmerk muß seyn dem Gegner •eine HauptNiederlage zu bereiten aus welcher er sich schwer mehr er­heben könne, — das wie — müssen Terrain, und die Kenntniß der zu Gebothe stehenden Streitkräfte zeigen. Wenn einerseits also Militärische Kenntniße aller Art und eine grosse Thätigkeit erfodert werden — so stellen sich die Foderungen anderer unerläßiger Eigenschaften noch weit höher. Bey so einem Volkskrieg mit den Massen kann jene Disciplin, jener Gehorsam, jenes leichte Disponiren wie bey einer geregelten Truppe nicht statt haben — für einen Generalen ist dieß eine der schweresten Aufgaben, während derselbe alles was zu einer disposition gehöret ver­anlassen muß, muß er überall Gegenwärtig im Kampfe der Führer seyn. Er muß seinen Muth und Unerschrockenheit bewähren, das Vertrauen der einzelnen zu Erwerben verstehen, er muß fest, und nachsichtig, in manchen Fällen blind und taub — ohne daß ihm etwas entgehet seyn — und bey einem offenen, geraden redlichen Benehmen, doch jene Schlauheit besitzen die ihm alles sehen, alles hören läßt um ihm in seinem Benehmen gegen einzelne zu leiten, um das Gute zu befördern, das Üble zu beseitigen. Selbstverläugnung im höchsten Grade üben, und alles das Besitzen was in so bewegten Augenblicken ihm zum Abgott des Volkes machet. Wie nothwendig es sey die Geschichte des Landes und selbst jene der Familien inne zu haben bedarf ich nicht zu Er­innern. Weltlich und Geistlich muß er die Liebe abgewinnen und sich allem dem fügen was herkömmlich ist. So ein Mann kann etwas be­wirken, und die gute führung des Schwertes nach den obwaltenden Um­ständen wird ihm geeignet machen auch nach überstandenem glücklichen Kampfe den Öhlzweig zu biethen. Zwey und dreissig Jahre Frieden ihaben die geeigneten Männer wie Schneider, Obst. Leiningen, Pirquet, Victor Rohan zu Grabe gebracht oder zu Invaliden gestempelt — unter den jetzt lebenden kenne ich zu so einem Zweke beynahe keine — sie 76

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