Historische Blaetter 1. (1921)
Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage
Einschreiten bitten, sonst wäre alles vergebens. »Es müssen also durchaus die sieben Stände zu den Mächten reden, damit ihnen geantwortet werden könne *.« Das ließ sich auf keinen Fall machen, aber Österreich hatte mindestens seinen Rückzug gedeckt. Darin lag eigentlich das unbeabsichtigte Verdienst des Erzherzogs Johann. Der Luzerner Staatsschreiber und nachmalige österreichische Hofrat Bernhard Meyer hat seinerzeit zur Verfassung seiner Selbstbiographie die im folgenden publizierten Schriftstücke — zum Teil allerdings nur — einsehen dürfen. Auf die durch Flüchtigkeit der Redaktion verursachte starke Herabminderung des Wertes dieser Selbstbiographie hat bereits Alfred Stern (Histor. Zeitschrift, München, XLI1. 1879) aufmerksam gemacht. Eine eingehende Befassung lehrt aber sogar an der allgemeinen Zuverlässigkeit dieses Buches zweifeln. Wie ich selbst gelegentlich an einem Beispiel zeigen konnte2, unterschlug Meyer einfach, was nicht in seine Darstellung paßte, schaltete souverän mit Aktenstücken und Zitaten und liebte, auf Kosten anderer zu glänzen. Gleichmäßig verfuhr er mit den Schreiben des Erzherzogs Johann. Abgesehen von der flüchtigen Zitierung, wählte er nur solche Stellen aus, die nach einer gewissen Hoffnungsfreudigkeit des Erzherzogs klangen, während das Ganze eher den entgegengesetzten Eindruck hinterläßt und mitunter keineswegs schmeichelhaft für die Schweizer Politiker klingt. Zudem stellte Meyer auch die Datierung um und schrieb, die große Denkschrift von 1847 meinend: »Der Erzherzog hatte bereits unterm 10. Juli 1846 über Aufforderung des Fürsten [Metternich] aus Vordernberg ein ausführliches Promemoria über unsere Angelegenheit verfaßt.« Damit reihte er diese Denkschrift vor die Korrespondenz über Schwarzenberg ein, brachte das Wissen des Erzherzogs, der tatsächlich von den umfassenden Berichten Schwarzenbergs aus der Schweiz über den Sonderbund keine Kenntnis erhielt und darum nicht anders schreiben konnte, in ein ganz falsches Licht, brachte endlich eine allfällige Untersuchung der Mission des Fürsten Schwarzenberg in eine irrige Richtung. Über Geschichte und Darstellung der Sonderbundszeit ist eben noch manches Neue zu sagen. Auf keinen Fall ist dabei die richtige Kenntnis der Stellungnahme des Erzherzogs Johann zu unterschätzen gewesen. 70 * Siehe meinen Aufsatz »Österreichs materielle Hilfe usw.« S. 195 f. 1 Siehe a. a. O. S. 200, Anm. 5.