Historische Blaetter 1. (1921)

Alfred Stern (Zürich): Wit von Dörring in österreichischem Dienst

Gnade auch für die Zukunft nicht entziehen zu wollen. — In bekannter Ehrerbietung Wien—Stadt Frankfurt, am 8. Dezember 1859. * Wit von Dörring. Fürst Windischgrätz an Wit von Dörring Schloß Tachau den 13. Dezb. 1859. Euer Hochwohlgeboren gefällige Anzeige ist mir zugekommen. Eine schwierige Aufgabe wird Ihnen zu Theil. — Zu wünschen bleibt es, daß man Ihnen deren Lösung erleichtert. Die Preße, wie sie nun in Oestreich ist, ist nur geeignet alle Klassen der Gesellschaft confus zu machen. Oestreich steht auf dem Punkte, seine innere Verwaltung zu reorganisiren. Mächtige Gründe sind dafür vorhanden. Die Finanzen fordern es gebieterisch. Nebstdem muß ich sagen nach meiner Überzeugung, daß die jetzt noch bestehen­den Formen dem monarchischen Prinzip entgegen sind. Die Tendenz der Revolution, die war stets und bleibt auch, jede Achtung für die Hierarchie der Klassen in der Welt verschwinden zu machen. Leider haben die Organe der Regierung hier bisher dieser verderblichen Tendenz entgegen zu wirken nicht verstanden. Man fängt an einzusehen, daß auch, selbst auch nur praktisch ange­nommen, eine solche Tendenz nur sehr störende Folgen haben kann. Ich meines Erachtens glaube, daß man ohne Achtung für die Hierarchie der Klassen ä la longue unter keiner Form zu regieren vermag. Freiheit und Gleichheit sind das Aushängeschild der Menschen, die alle Formen umschaffen wollen. Was ist Freiheit? Ich kenne für den Staatsbürger im Allgemeinen nur eine wünschenswerth, nemlich: Sicherheit der Person — Sicherheit des Eigenthums. Gegen Letztere hat man sich schwer versündiget. Was Gleichheit betrifft, hat der Allmächtige schon gezeigt, daß diese bei keinem Geschöpfe der Natur zu finden und zu schaffen möglich ist. Will man eine Achtung für die Hierarchie der Klassen wieder herstellen, so muß sie auf Etwas gegründet werden. Daß es dabei unerläßlich ist, 58

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