Historische Blaetter 1. (1921)

Alfred Stern (Zürich): Wit von Dörring in österreichischem Dienst

Wit von Dörring in österreichischem Dienst von Alfred Stern (Zürich) Ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Presse­wesens Der berüchtigte politische und literarische Abenteurer Ferdinand Johannes Wit, genannt von Dörring (diese Schreibung des Namens wird hier beibehalten), der unter anderem in der Geschichte der deutschen Demagogenverfolgung eine traurige Rolle spielte, hat gegen Ende seines Lebens kurze Zeit der österreichischen Regierung Dienste geleistet1. In Kürze deutet dies Robert F. Arnold in dem Artikel, den er ihm in der »Allgemeinen Deutschen Biographie«, Bd. 43, S. 550—552 gewidmet hat, mit den Worten an: »Anfang der sechziger Jahre verwendete ihn Graf Rechberg in seinem Preßbureau, ohne daß es wenigstens diesmal Wit gelungen wäre, sich Achtung und Sympathien zu erwerben.« Aus­führlicher läßt sich darüber Alfred von Arneth in seinem schönen Werk »Aus meinem Leben«, Bd. 2, S. 138ff. vernehmen. Er erzählt, daß nach dem italienischen Krieg von 1859 die Errichtung »eines förmlichen Preßbureaus« beschlossen wurde, das in gleicher Weise von dem Grafen Rechberg, dem Minister des Äußern, und von dem neu ernannten Polizei­minister Freiherrn von Thierry abhängen und von ihnen, »seine Direk­tiven« erhalten sollte. Er berichtet weiter, daß man sich nach Ablehnung seines Freundes Grüner, damaligen Generalkonsuls in Leipzig, »nach einem anderen Vertrauensmann« als Leiter des »Preßkomitees« umsehen mußte und daß die »recht eigentümliche Wahl« auf Herrn Wit von Dörring fiel, »der als Renegat von den Männern der Revolution bitter gehaßt, von den übrigen politischen Parteien aber mit tiefem Mißtrauen betrachtet wurde«. »Da er aber«, fügt er hinzu, »mit den hiesigen Verhältnissen ganz unbekannt war, wurden ihm zwei Männer beigegeben, welche das er­setzen sollten, was ihm fehlte. Die Wahl fiel auf Herrn Eberhard Jonák aus Prag, der an der dortigen Universität als Professor der National­55 1 Früherer Beziehungen zu den Machthabern in Wien rühmt sich Wit in einem Brief an Radowitz vom Herbst 1849, siehe H. von Poschinger: Unter Friedrich Wilhelm IV. Denkwürdigkeiten des Ministers Otto von Manteuffel, 1901, Bd. 1, S. 270. Die Arbeit von Josephine ßlesch: Studien über Johannes Wit, genannt von Dörring und seine Denkwürdigkeiten nebst einem Exkurs über die liberalen Strömungen von 1815—1819 (Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, herausgegeben von G. von Below, H. Fincke, F. Meinecke, Heft 63, 1917) kommt hier nicht in Betracht.

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