Historische Blaetter 1. (1921)

Otto Cartellieri: Der Pas de la Dame Sauvaige am Hofe Herzog Karls des Kühnen von Burgund

Anton von Luxemburg verabschiedete sich von dem herzoglichen Paar und verließ darauf den Kampfplatz. Vaudrey wurde von den Wilden Jungfrauen und seinen Leuten eingeholt. Als sie vor der Tribüne der Richter angelangt waren, warfen die Wilden Männer die kostbaren Samtdecken der Pferde auf den Sand, damit sich jeder ein Stück holen könne. Die Frauen nahmen jetzt mit den Trompetern auf der für sie bestimmten Tribüne über der hohen Türe Platz, Banner und Wimpel wurden an ihr befestigt. Als Vaudrey mit seinem zweiten Gegner, Pierre de Salins, focht, hatte er das Mißgeschick, daß bei dem fünften Schwerthieb sein Pferd scheute, infolgedessen führte er den Hieb in die Luft, und es entglitt ihm dabei das Schwert. Der Kampf wurde daraufhin abgebrochen und später der Siegespreis des Schwerterkampfes Pierre de Salins zugesprochen, den doch eigentlich nur ein Zufall begünstigt hatte. Noch ein dritter Waffengang fand statt dann verließen das Herzogs­paar, alle Ritter und Herren den Freitagsmarkt. Montag und Dienstag wurden die Kämpfe fortgesetzt, dann wieder am Donnerstag und schließ­lich am Sonntag (21. Januar 1470), wo sogar vier Gegner auftraten — wahrlich für den Veranstalter keine geringe Anstrengung. Aber bis zuletzt stand er seinen Mann. Am Donnerstag fand man ihn stärker und frischer denn am Anfang. Er teilte so gewaltige Hiebe aus, daß die Gegner es zuweilen zu bedauern hatten, keine kräftigeren Pferde genommen zu haben. So ging es dem deutschen Knappen Frédéricq de Framessan, wie die Burgundischen diesen Mundschenk des Herzogs »aus dem Lande des Pfalzgrafen« nannten1. Vaudrey riß ihm mit seiner Lanze das Oberarm­zeug fort. Noch bevor man die beiden trennen konnte, waren sie mitten im wütendsten Schwerterkampf. Nachdem Halt geboten und der Schaden ausgebessert war, ging es weiter. Framessan schlug so darauf los, daß sein Schwert ganz verbogen wurde; aber sein Pferd wich unter den 1 Traicté 79: . . . ung escuyer allemant du pays du conte palatin, eschanson de monseigneur le dúc, nőmmé Fredéricque de Flamessan et portoit en son mot: Sans repos. Traicté 80: l’escuyer allemant nőmmé Frédéricq de Framessan (sic) . . . avoit son cheval harnasché d’un veloux vert, brodé de lettres grégoises, ä maniére de AA et rr; et estoient icelles lettres enchainnées d’une chaine tenant ä une serure eslevée. — Bei dem Pas de I’Arbre d’Or im Jahre 1468 wird gleichfalls dieser Frederik le Palatin genannt; vgl. Cartellieri, Ritterspiele S. 28 Anm. 2. — ln der lateinischen Übersetzung der pfälzischen Regentengeschichte des Heidelberger Professors Hermann Witekind, die Prinz Friedrich Heinrich seinem Vater, dem Kurfürsten Friedrich V. (dem Winter­könig) vorlegte, findet sich die hübsche Anekdote, daß Kurfürst Friedrich I., dem die burgundische Tracht (chlamys.. adeo curta, pro more Burgundorum, ut nec femora nec pudenda contegeret) mißfiel, sie von seinem Narren tragen ließ, um sie seinen Höflingen zu verleiden; H. C. van Byler, Libellorum rariorum... fasciculus..; (Gro- ningae 1733) 188; vgl. auch F. Schmidt, Gesch. der Erziehung der pfälzischen Wittels­bacher, Monumenta Germaniae Paedagogica XIX (1899) S. LVI.

Next

/
Oldalképek
Tartalom