Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

Aufgeben ihrer Souveränität zwingen können, ohne sie für die Folge zu heimlichen Anhängern Frankreichs zu machen, das ihnen zu unbe­schränkten Herrscherrechten im Innern verholten hatte1. Auch Preußen wäre bereit gewesen, Österreich die Kaiserwürde, aber nur unter der Bedingung einzuräumen, daß es sich mit ihm in die Vor­herrschaft in Deutschland teilte. Auch das wurde in Wien abgelehnt, und schon im April hatte Franz I. dem König von Sachsen versichern müssen, daß er niemals ein preußisches Protektorat über das nördliche Deutschland dulden würde und die Pläne einer Teilung Deutschlands in Nord und Süd für unzulässig halte2. Metternich hatte jetzt nur die Idee eines auf Bündnissen der einzelnen Staaten untereinander beruhenden Systems — eines Staatenbundes — das sie verpflichten sollte, mit fremden Mächten keine gegen Deutschland gerichtete Verbindung ein­zugehen, sich wechselseitig Integrität und Souveränität zu verbürgen und gegen jeden auswärtigen Angriff ebenso zusammenzustehen wie gegen ausgreifende Unternehmungen eines deutschen Fürsten im Innern*. Er hatte dafür auch in Preußen Anhänger. So schrieb General Schoeler, Preußens Anwalt am russischen Hof, im September 1813 in einer Denk­schrift für Alexander: Es gebe kein Deutschland. Man müsse es offen sagen, daß man von den deutschen Souveränen nichts haben wolle und Frieden schließe bloß unter der Bedingung, »allen deutschen Nationen« ihre Unabhängigkeit zu verschaffen*. Im übrigen hielt er es für voreilig, sich schon jetzt mit der künftigen deutschen Konstitution zu beschäftigen, woraus leicht Mißhelligkeiten entstehen könnten6. In diesem unvollkommenen Stadium unsicherer Anschauungen über Deutsch­lands zukünftige Verfassung konnte aber die Frage nicht gelassen werden, und so hatte es noch in Teplitz Wilh. v. Humboldt über­nommen, darüber eine Denkschrift auszuarbeiten, die er jedoch erst im Dezember fertig brachte, »damit etwas vorhanden wäre, woran 1 »Sie hätten zu deren Zurückgabe an das Oberhaupt des Reichs gezwungen werden müssen, und die moralischen Folgen dieses Zwanges wären zu dem Grundübel des früneren Reichswesens, zu den unvermeidlichen Reibungen zwischen dem souveränen Oberhaupte und der Landeshoheit der Einzelstaaten, noch hinzugefügt worden.« Metternich, Hinterlassene Papiere, I. 133. a Luckwaldt, a. a. O. S. 113; Oncken, II. 268. * Für diese Anschauungen Metternichs in der deutschen Frage unmittelbar vor der Entscheidungsschlacht bei Leipzig ist der Brief des Grafen Hardenberg an Graf Münster vom 12. Oktober 1813 in Castlereaghs Correspondence, IX. 60ff. (in deutscher Übertragung bei Reim an n, Metternichs Ansichten über die deutsche Einheit im Oktober 1813 [Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, 1862]) von Wert. * Martens, a. a. O. S. 103. * Ompteda, Politischer Nachlaß, III. 213f.

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