Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

Revue von Pest-Ofen. 55 ' dich dem Herrn Baumeister M. Zitterbarth übertragen worden. Die Kosten des gefammten Baus inbegriffen die Anschaffung der Krahnen Gang­spiele , Winden, Anker, Ketten, Seile u. s. w. haben laut der zuletzt veröffentlichten Geschäftsbilanz bis Ende Nov. die Summe von 406,960 fl. 43 kr. ttt Anspruch genommen. Da der Bau in Großen und ganzen zu jener Zeit schon beendet war, sind die nachträglich eingetretenen Ausgaben von nur gerin­gem Belang. Der städtische Donauquai wird sich in einer Länge von 200° an den von der Donaudampf­schiffahrt gebauten oberen Quai anschließen und bis zum Titelschen Hause an der Mündung der Atilla- gasse ausdehnen; er wird gleichfalls aus Beton und Sösküter Quadersteinen auf Kosten der Com­mune in einer Breite von 14° ausgeführt, auf demselben wird eine 8° breite Straße angelegt, und da er sich über das Niveau des Straßenpflasters er­hebt , werden von seiner Höhe 3 Abgangstreppen gegen die Häuserfronte und 4 Treppen gegen die Stromseite führen. Die äußere Ausstattung wird im Style der Donaudampfschiffahrtsquais gehalten sein, und es werden auch die zierliche Gitterumfriedung, Eingangsthore und Kandelaber nicht fehlen, nur die beiden Eckthürme sind auf eine geringere nicht über die Quaimauern hinausragende Höhe berechnet. Im Zusammenhänge mit dem städtische Quai wird auch ein Kanalrezipient gebaut, der paralell mit der innern Futtermauer hinlaufen, und die Kloaken- flüße ausnehmen wird. Während des Eisganges, wo die in den Strom mündenden Schleusten gegen die Donau abgeschloßen werden, wird der in konischer Form gebaute Hauptkanal für Pest eine wahre Wohl- that werden. Zur Bestreitung der Baukosten hat die Kommune 254/)00 fl. den Erlös aus den an die Donaudampf- schiffahrtsgesellschast verkauften 3 Baustellen ange­wiesen , doch dürfte die gänzliche Vollendung nahe an 300,000 fl. in Anspruch nehmen. Die Bauten haben im Laufe dieses Jahres einen Fortgang genommen der den gänzlichen Ausbau mit Bestimmtheit im Jahre 1860 erwarten läßt. Bereits ist man mit der Pilo- tage, der Fundirung, der Futtermauer dem Kanäle und den Schleußen fertig geworden. Der Bau wird von dem Herrn Oberingenieur Rentier und Bau­meister Wagner geleitet. Zur weiteren Regelung des Donauufers ist auch von der Gemeinde ein Quai unterhalb der Kettenbrücke projektirt, der sich vom unteren Dampsschiffahrtsquai bis zum Hotel zur Kö­nigin von England ausdehnen soll. Nach Vollendung des städtischen Quais und der an der oberen Donau­zeile projektirten Neubauten, wird der Franz-Jo- sefsplatz unbedingt zu den großartigsten Plätzen der Welt zählen. Seiner Form nach ein längliches Viereck wird er auf den beiden Breitseiten von den neuen Quais und der herrlichen Palastreihe der Donauzeile begrenzt, und auf den schmalen Seiten von dem Handelstandsgebäude, so wie von dem zu erbauen­den mit der Hauptfronte nach dem Franz-Josefsplatz blickenden Palais der Donaudampfschiffahrt abge­schlossen. Die Kettenbrücke und das Tunnelportale, der majestätische Strom und die mahlerischen Höhen­züge von Ofen werden nicht wenig zur Hebung des Gesammteffektes beitragen. Das Palais der Donau­dampfschiffahrt wird vor dem „Erzherzog Stephan" zu stehen kommen, doch wird nur eine Hälfte dieses schöngebauten Hotels verdeckt werden, und die andere Hälfte noch immer frei gegen die Donau blicken. An das Dampfschiffahrtsgebäude werden sich mit der Zeit die anderen Häuser auf den von der Kommune ver­kauften Hausstellen anschließen. Der Oftter Tunel, schon seit geraumer Zeit dem Verkehre übergeben, ward im Laufe d. I. auch in dem der Kettenbrücke zugewendeten großartigen Portale beendet. Der Gedanke des Graf Ste­phan Széchényi im Vereine mit der Thatkraft des k. k. Kämerers Jos. v. Ürmsnyi haben die­sen unterirdischen Weg geschaffen, der den langaus- gedehnten Festungsberg in seiner Mitte durchbrechend die Vorstädte und die anmuthige Umgebung Ofens den Bewohnern von Pest näher rückt. Die Arbeiten haben am 10 Febr. 1853 von 3 Seiten ihren Anfang genommen und zwar von den beiden gegen Pest und Ofen gewendeten Abhängen des Festungsberges und von einem 27° langen vom Georgsplatze der Festung gegen die Mitte des Tunels geführten Schacht. Der zumeist aus Kalkmergel bestehende Felsen mußte durch Pulver gesprengt werden. Das angewendete System concentrischer Sprengung bewährte sich in einer Weise, das die Arbeiten nicht mehr als 80 Ctr. Pulver con- summirten und die Durchbrechung des Stollens in 7% Monaten beendet war. Die erforderliche Pul­vermenge hat das Ärar geliefert, wogegen von Sei­ten der Aktiengesellschaft dem k. k. Militär die freie Passage bewilligt wurde. Während der Sprengungs­arbeiten wurden interessante Versteinerungen aufge­funden und der zum Bau verwendete vortreffliche Ce­ment ward aus dem Gesteine des Berges gewonnen. Das ursprüngliche Aktienkapital beträgt 300,000 fl. (3000 Aktien á 100 fl.) da jedoch der elegante Styl der beiden Portale und namentlich die grandiose An­lage des gegen Pest blickenden Portals, so wie die im Interesse der Fortifikation nothwendig gewordenen Anlagen eine Mehrausgabe erforderlich machten, ward in der jüngsten Generalversammlung eine Neuemission von 1200 Aktien á 100 beschlossen. Die Länge des Tunnels beträgt 180°, die Breite 5° und die größte Höhe 5° 3' 7". Die Wölbung des Tunnels ist eine elyptische und mit Ziegeln bester Qualität ausge­mauert. Das Eingangsportale von der Pester Seite war Anfangs im aegyptischen Style projektirt und Ú

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