Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)
86 Witze, Calemb ourgs und Räthsel. Vor welchen Leuten muß man sich in Acht nehmen? An tw. Vor den Mintaturmahlcrn und Silhoeutteurs; denn die Einen verkleinern, die Andern verschwärzen. Welche Aehnlichkcit findet sich zwischen Jägern und gesitteten Mädchen? Antw. Beide lieben den Anstand. Was hat jeder Mensch zweimal, der Kön ig von Böhmen aber dreimal? Antw. Ellbogen. (Auch eine Stadt in Böhmen.) Welche Fabriken sind die besten? Antw. Die Spiegelfabriken; denn da schaut immer was heraus. In welchem Falle macht 2 mal 4 Neune? Antw. In keinem Falle. Welches Wort drückt zugleich eine Tugend und ein Dcrbreci-en ouá? Antw. Vergeben. Welcher Unterschied ist zwischen einem Arrestanten und einer altgcbückcnen Semmel? Antw. Der Arrestant ist eingesperrt, die altgebackene Semmel ist ausgespcrrt. Welches Regiment hat lauter Krumme? Antw. Das Geadiskancr. (Gerade ist Keiner.) Welches Regiment zählt nur Beltler? Antw. Das Szekler. (Säck' leer.) Wie hat die Gemahlin des Hercules geheißen? Antw. Frau Culcs Und die Kinder des Esau? Antw. E serkel. Einige Anekdoten. Ein Herr kaufte in Wien ein Zündfläschchen und ein Packet Züudhölzchen dazu. Als er nun Abends nach Hause kam, unv selbst Licht machen wollte, brannte kein einziges von den Hölzchen. „Josi!“ rief er zu seinem Husaren, , die Zündhölzchen brennen ja nicht" — , „Sie san gut," antwortete der Husar. „ ,J hob mi selbst überzeugt; denn hob t sie alle probirt und haben alle prächti brennt."" Professor H. zu L- war feiner Strenge wegen bei den Studenten nicht beliebt. Als er einst in den Lehrsaal treten wollte, las er an dessen Thüre folgende Worte: „Professor H . ist ein Esel." Ganz gelassen nahm er ein Stück Kreide aus der Tasche und fügte dem Satze blos daö Wort hinzu: „-Treiber." E in Wadi (Richter) sagte einst zu einem Collégén: Ich finde es äußerst schwierig, Recht zu sprechen, wenn die eine Partei reich, die andere arm ist. — Das ist eine Kleinigkeit, versetzte der Kollege. Wenn aber beide Partheien reich sind und Eine immer die Andere überbietet, dann wird es Einem wirklich schwer, zur Entscheidung zu kommen. Ein junger Edelmann la< die Jahresrechnunqev der Einkünfte von den Bauern durch, und da er am Sch luß jtltr Seite das Wort Latus fand, glaubte er, das sei auch der Name eines Bauers. Cr sagte daher: „Der Bauer Latus gefällt mir cm besten, der bezahlt auf allen Seilen und so viel, als alle zusammen." Ein Fürst zog durch eine Stadt, von welcher er gehört hatte, daß in derselben große Armuth herrsche. Gleichwohl machten ihm mehrere Edclleute ihre Aufwartung in prächtigen Gatlakleidern. Da er seine Verwunderung darüber zu erkennen gab, sagte Einer von ihnen: „Sire, wir haben Alles gethan, was wir schuldig sind, sind aber auch Alles schuldig, was wir gethan haben." Ein berühmter Komiker in Leipzig neckte einmal einen Dauer lange Zeit, um zu sehen, wie er sich dabei benehmen würde. Dieser blieb aber in guter Ruhe, weil er seinen Mann kannte. Er «rank seinen King aus, geht dann zu dem Komiker und sagt ihm ganz ruhig: Weiß er was, mein lieber Herr, ich bin sein Narr nicht, aber morgen komme ich nach Leipzig und gebe meinen halben Gulden, und da ist er der meinlge. In Darmstadt wird so großer und dicker Spargel gezogen, daß eine reisende Französin allzunaiv ausrief: „Ah, j'ai presque honte de les prendre en main.“ E in Bediente lud einen Herrn zu einem Gasimahle ein. Da dieser erwiederte: ich werde aufwarten, antwortete der Bediente: „Sie scheinen mich nicht recht verstanden zu haben: ich werde aufwarten und sie werden essen." Ein Gaskonier duellirte sich in Gegenwart Ludwig XIV. mit einem andern Offizier. Dieser stach ihm ein Loch in den Hut. „Ich wollte," versetzte der Gaskonicr, ,,du hättest mir lieber den Leib, als meinen Hut durchstochen." Warum das? fragte Ludwig. „Bei dem Chirurgen habe ich Kredit," antwortete der Gaskonicr, , aber bei dem Hutmacher nicht." „Es giebt nur zwei gute Tage in der Ehe," sagte ein witzig sein wollender Mensch in einer Gesellschaft. „Da irren sie sich," erwiederte eine geistvolle Dame.,.es gibt auch einen Dritten, wenn eine tugendhafte, verständige Frau von einem albernen Manne geschieden wird." E in Student übergab einem Professor sein Stammbuch mit der Bitte, sich kn dasselbe zu schreiben. Da dieser viele zweideutige und unanständige Dinge darinnen fand, schrieb er auf das letzte Blatt: „Herr, erlaube mir in die Heerde Säue zu fahren." Ein pommerischer Junker sollte Friedrich II. vvrgestcllt werden. Bei der Audienz trat vor dem Könige der Stallmeister, mit einem Orden, herein, welchen der Junker für den König hielt und ihm darum die Hand küßte. Als endlich der König selbst hereintrat, sah er beschämt seinen Mißgriff ein. Da man ihn deßwegen lächerlich zu machen suchte, sagte er: „Nun, was habe ich denn gethan? Ich habe mich geirrt, daß ick einen Pferdeapfel für den Reichsapfel gehalten habe."