Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

34 eine Liebe zn Amalle von 6*** — war es nicht; sie glühte noch wie vor in seinem Herzen fort und erfüllte dasselbe mit ihren magischen Erinnerungen. Mit fchwermüthigen Gedanken übersah er seine Ver­gangenheit und die nächste Zukunft, als er mit einem Male das Ableben des Herrn von N * * * vernahm. — Wittwe ist sie! rief er aus: Vielleicht hat sie mich noch nicht vergessen! Aber wie darf ich mich ihr vorstetten mir meinem Rufe und all'den Thorheiten, die ich begangen! Allerdings kann sie jetzt über ihre Hand frei verfügen — aber darf ich auch noch Ansprüche darauf machen? Wird sie an meine nie erloschene Liebe glauben, wenn sie sich in Paris nach mir erkundigt? Und ist meine nunmehrige Armuth nicht ein neues Hinderniß, das sich zwischen uns aufthürmt, denn Amalie, d. h. Frau von N**''/ ist jetzt reich und ich — ein Bettler. Diese und ähnliche Reflexionen kühlten den wieder auf- lvdernden Brand ln Alexis Herzen um ein Bedeutendes. Er kehrte also nicht nach Bretagne zurück, sondern faßte den Entschluß sein Vermögen wieder herzustellen, und zwar durch ein sehr verzweifeltes Mittel, durch einen Prozeß mit den Verwandten seines Oheims um das elngebüßte Erbe. Da der Advokat, an den er sich wandte, nicht ehrlich genug war, ihm voraus schon zu gestehen, daß seine For­derung zu den „schlimmen Händeln" gehöre, so wurde die Sache wirklich gerichtlich, und das Kreuzfeuer der gestem­pelten Papiere entbrannte zwischen Paris und der Bretagne ans die hitzigste Weise. Gleichzeitig hielt Alexis noch um eine Stelle an, allein da er ohne Protektion, ohne Vermö­gen und Herkunft war, so mußten seine Bewerbungen na­türlich ganz erfolglos bleiben. Unter diesen Umständen brach das Neujahr 18 . . an. Ringsum trübe, unbestimmte Aussichten; nichts lag klar vor seiner Seele, als ein fälliger Wechsel, den er am 7. Ja­nuar unfehlbar zahlen sollte, ohne zu wissen wo er das Geld dazu nehmen würde. Um sich zu zerstreuen und die Unruhe seines Zustandes nieder zu drücken, besuchte er den ersten Opernbatl. Es war am 5. Januar, also sechsunddreißig Stunden vor dem verhängnißvollen Augenblick, wo die Agen­ten des Handlungsgerichtes bei ihm eintreten und ihn in die Langweile des Schuldenthurmes abführen würden. Noch einmal wollte er sich belustigen oder betäuben wenigstens, wie in seinen glücklichern Tagen, und dann so unbeachtet verschwinden, als er auf der Erde erschienen war. Das Gedränge war diesen Abend sehr groß, wie es gewöhnlich am ersten Maskenball zu sein pflegt. Mit Mühe bloß konnte Alexis in den Foyer gelangen. Kaum hatte er sich durch einige Haufen mit den Ellbogen Luft gemacht, als sich plötzlich ein fremder Arm in den seinlgen schob, und eine weiche Stimme unter der Maske hervor sprach: — Alexis! ich möchte gern mit Dir plaudern. Hast Du ein Viertelstündchen Zeit? Mit einem raschen Blick über die verhüllte Gestalt erblickte Alexis ein zierliches Füßchen, eine weiche Hand und schöne kastanienbraune Locken, welche aus einem schwarzen Domino hervorguckten, dessen Gürtel einen schlank gewach­senen Frauenkörper verrieth. Völlig Herr seiner Zelt, wkl- ligte der Erstaunte gern ein. Der schwarze Domino kannte ihn vollkommen, denn was er von Vergangenheit und Gegenwart sprach, verrieth eine genaue Bekanntschaft mit Alexis Umständen. Nachdem der junge Mann nun eine lange Weile zugehört hatte, sprach er endlich: — Was Du sagst, schöne Maske! ist Alles wahr 6(4 auf Eines. — Was denn? — Du glaubst, eine Liebe meines Herzens sei ausge­storben, aber Du irrst Dich. — Wie? Du wärest fünf Jahre lang Deiner Geliebten treu geblieben? . . . Nicht doch! die Lebensart, welche Du geführt hast, straft Dich dessen Lüge. — Wohl wahr! Sprechen wir von Anderm, das Dich mehr interessiren kann, als mein Leben, das ich sehr bereue. 1 — Wovon denn? — Kennst Du vielleicht Amalien .... das heißt, die Frau von N***? — Nein. — Nicht? Du sagst das so sonderbar .... fast möchte ich glauben .... doch nein, sie hat schwarze Haare. — Nimmst Du einen Rath von mir an? Komm'von Deinen ausschweifenden Thorheiten zurück und — hoffe? — Ach! meine Thorheiten liegen hinter mir, und die fünf fröhlichen Jahre meines vergangenen Lebens werden sich eben in so viele traurige des Gefäng .... Doch, was spreche ich da! Solches Zeug vor Dir .... — Ich weiß, worauf Du anspielst, und würde mich gerne mit Dir darüber einlassen, wenn nicht die Ballstunden für mich schon vorbei wären. — Ich begleite Dich; ich gehe mit Dir. — Unmöglich! Du bleibst hier! — Unter einer Bedingung! — Rede! — Daß ich Dich wieder sehe darf. Versprich mir ein Rendezvous! — Hier, in diesem Umschlag findest Du meine Antwort. Lebe wohl! Die Maske war verschwunden Alexis drängte sich nach; umsonst, sie blieb verschwunden. Als er sich unter einen Leuchter stellte und das Papier entsiegelte, fiel ihm sein Wechsel nach aller Form mit dem gehörigen „pr. acquit66 in die Hand. Dieser Vorfall war zu sonderbar. Mehrere Tage grü­belte er demselben immer noch nach, als er mit einem Male einen Brief von dem Gerichtshöfe in der Bretagne em­pfing, worin ihm gemeldet wurde, daß zur Erledigung seine- Prozesses ein Endtermin von einem Monat angeseht sei, inner welcher Frist er das bewußte, immer noch fehlende Aktenstück bekzubrkngen habe, ansonst er mit seinem ganze« Gesuche aus den Schranken gewiesen werden müßte. Am Schlüße des Briefes stand noch ein Postscriptum, das eine Nachricht über die Frau von N*" enthielt, aus welchem

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