Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)
32 Lebenslauf, ick erwarte Dir. (steht auf.) Ra, wat iS 'n det? Wat rejen sich denn vor Jefühle an meine Brust uf? (er schlägt sich auf die Seitentasche, fn welcher die SchnapS- flasche steckt) Witlste woll ruh>ig sind, Carline! Mahnste mir denn ewig an Dein Dasein! Na, diesmal will ick Dir «ochmal nachjeben, aber wenn de wieder kommst, denn ooch. (er trinkt und besieht dann die Flasche) Carline, ick kann et Dir länger nicht verhehlen: ick liebe Dir! Als ick Dir sah: -ejann [mein Leben; meine Jurjet gehört Dir uf ewig, nur -er Dot kann mir von Dir trennen. Sei nie leer, un Du kannst uf meine Theilnahme rechen. Jetzt verzieh' Dir. Der» mummle Dir Schamberjaruie bei Zackens, un höre, wat Du mir Allens bist, un wie meine Natur mit Deine ver- knüppert ks. (er singt) Det beste Leben Hab' ick doch, Ick kann mir nich beklagen; Pseist ooch der Wind dnrcht Aermekloch, Det will ick schonst verdragen. Det Morgens, wenn mir hnngern dhut. Eff' ick 'ne Butterstulle, D azu schmeckt mir der Kümmel fut Aus meine volle Pulle. Ick sitz' mit de Kammraten hier. Mit alle, jroß und kleene? Beleidigt ooch mal Eener mir, So stcchj ich ihm jleich eene! Un drag' ick endlich mal wat aus So kann ick Jroschens kneifen. Hol' wieder meine Pulle raus, Un dhue (yenen pfeifen. Da mag et kommen wie et will, I ch lasse mir nich stören. Und stände selbst de Welt mal still. Det soll mir wenig fcbeeren. Den Trost behalt ick jedenfalls, W enn't mir mal eklich schiene: Ick werfe mir an deinen Hals, Un küsse Dir, Carline 1 Uu sagt der Dodt einst: Ranke, Du, Komm' mit die jrvße Strrcke l Da spring' ick blöd, un ruf ihm zu: Ick bin schon um de Ecke: — Doch hört er nich uf diesen Witz, Denn seufz' ick: Line, Kümmel! Denn foof ick mir den letzten Spitz, Un nchm' Dir mit in'n Himmel. (Ein Stutzer gebt vorüber.) Na seh' Eener den breet» spurijen Zwccsp.wner au! Dunderwetter, wenn ick det wäre, wat der sich ínbilDt, benn FoofI* ick mir Deutschland. un setzte mir ufr Ri senjebirje un sagte: blast mir'n Stvob wrch! (ruft ihm nach). Sie da, Herr Baron! Der Stutzer, (sich umdrchend) Was will er von mir? Ran t e. Entschuld'jen Cie: kennen Sie mir? Der Stutzer. Rein Í Rante. Haben Sie jar keene Verbindung zu mir? Der Stutzer (unwillig). Rein! Was soll denn daS? Ranke. Na, wenn Be sich jar nich vor mir interffiren, denn brauchen wir ooch nich zusammen zu sprechen, denn können Se ruhig weiter sehen. Der Stutzer. Dummer Kerl! Wenn Er sich Danach mal untersteht, denn soll er mal sehen! Nante. Ohoch! Ick sehe schon so, da brauch' ich jar keenen Unterstand jejen Ihnen dazu! (Der Stutzer geht). Hujend, verzieh' Dir, oder ick koofe Dir en Pichellappen, un jede Dir nischt zn essen. Wie hat ec mir jeschumpfen? Dummer Kerl hat er mir jeschmeichelt? Un öffentlich uf de Straße? Der will jewiß, det ick hier mein Jlück machen soll. Wat ick aber eejentlich vor 'ne jutmüthige Seele bin, des jeht in's Weite. Ick lasse die Leute hier umsonst in mein Arbeetszimmer rumoofen, un wenn mir en Schafkopp dumm schimpft, denn such ick mir 'ne Schmeichelet rauS. ( Eine Köchin kommt und will in ein Haus gehen.) Sie da! Sie da! Warten Sie mal einen Oojenblick! Die Köchin. Ich habe keene Zeit! Nante. O ja! Au contraire, Im Jejentheil! Sie haben schon viel Zeit jehabt, wie ick sehe. Auch ist dcsZahc» hundert vor Jedermann und vor jeder Frau; da kann sich Jeder so viel Zeit davon nehmen, wie er will. Det Jahrhundert kost nischt, det hat man umsonst. (Er tritt etwa- näher und legt die rechte Hand an seinen Hut.) Ju'n Moor- jen, mein Fräulein, ju'n Moor'jenl Immer noch hübsch uf de Beene, wie ick sehe? Det freut mir, deß Sie auf die Beene jehen, ich habe mir det ooch so einjerichtet. Sie kennen mir doch noch, mein Fräulein? Ich habe Ihnen vor'je Ostern den Koffer hierher jekarrt, und außerdem verneije ich mkr immer, wenn Sie Weiöbier nebenan holen; diese Neije haben Sie immer umsonst dabei. Die Köchin. Na, wat wollen Sie denn nu aber, Nante? „tonte. Entschuld'jen sie eine Frage: lieben Sie mir? Kann ich mir vielleicht schmeicheln. Eindruck auf Ihnen jemacht zu haben? Ich bin tun Mann, und cun Maun macht doch zuweilen bei ein Frauenzimmer Jlück, also wie so? Die Köchin. Ach, schämen Se sich, Nante, Sie sind ja verhcirathet ! Nante. Ach, d ad rum geniren Sie sich nich, dero- wejcn lieben Sie mir janz dreiste! Meine Frau is meine Frau, det is richtig, aber natürlich, des verliert sich mit de Zeit, des is ooch richtig. Denn sehen Sie ein Mann, der hat ein Herz, le coeur, und ein Herz hat Raum, uni ein Raum, der is zuweilen sehr ausjedehnt, und — und (er besinnt sich eine Weile) — Ju'n Morjen! (er dreht sich nm). Die Köchin. Sie sind ein Schasskopp; (sie geht ln< HauS.) Nante. Schasskopp? Wie so Schasskopp? Der von vorher, der meenr, ick wäre en dummer Kerrel, un die hält mir vor einen Schasskopp? Ra, da bin ich doch neujierig, wer Recht hat.