Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib

29 Lag, Rudolph.* — ^,Gott grüße Dich, Carl, jetzt Hab'ich mich wieder einmal geärgert, das ist gesund, das bringt doch ein bischen das Blut In Galopp." — Ich mußte lachen. *- „Du und ärgern, das ist kaum zu glauben." — „So? nun, den möchl Ich sehen, der bet so etwas ruhig bliebe. Du kennst das alte Lied wegen der Leichenbegängnisse weiche Fatalitäten es schon damit gegeben hat. Trotz der Ordnung, die ich eingeführt habe, sobald ein Kranker stirbt, in der­selben Stunde seine Angehörigen fragen zu lassen, obste ein L e i ch e n b e gä n q n i ß wünschen; im Gegentheile wird der Todte mit den fiebrigen, morc solito, begraben. Doch das ist bei dem Volk vergebens, oft kommen sie den zwei­ten. auch den d r i t t c n Tag erst, und wollen ihren Mann, Detter, Muhme, Schwester oder Godel begra­ben lassen. Wo sind die aber schon? So kam heute früh «ln altes Weib, die für ihren Schwiegersohn ein Leichen- begängniß zahlte. Eine Stunde später, und es war zu spät- Ich stellte den Schein aus heute Nachmittag um 4 aus, schickte die Nummer in die Tvdtenkammer und komme ge­rade von dem Leichenbegängniß, wie Du stehst, ganz or­dentlich durch geärgert. Jetzt muß ich freilich lachen," fuhr mein Freund nach einer Pause fort. „Ich gehe, wie ge- wöhnlich bei allen Leichenbegängnissen, hinab, um nachzu­sehen, ob Alles in der Ordnung ist, da stürzt das alte Weib über mich und sagt: „„Jpctr Verwalter, das ist nicht mein Schwiegersohn, mein Schwiegersohn hat keine so g r o ß e Nase gehabt."" Ich besah die Leiche, suchte in der Auf­nahme die Rubrik: Besondere Kennzeichen, und fand: am linken Fuße fehlt die kleine Zehe. Ich überzeugte mich davon und schalt die Frau tüchtig aus. Das Geläute der Glocken und der Priester machten dem Streit ein Ende. „„Ja, die Füß' gehören meinem Schwie­gersohn, aber die Nase, die Nase,"" heulte das Weib. Nun yi das nicht zum ärgern mit dem dummen Volk?""— „Ge­strenger Herr Verwalter," brummte es hinter uns.— „Was glbt's?" — „Der Pedell von der Universität hat heute ei- ven Kopf fürs anatomische Theater geholt, hier ist der Zet­tel vom Herrn Protectvr." — „Schon gut, welche Num­mer gabt ihr?" — „Nummer 17." —Was, Nummer 17 ist ja so eben begraben worden." — „Ja eben mit dem Gelbgießer seinen Kopf, den gestern beim Stig- li tz der Schlag getroffen hat. Ich hab's aber auch gleich Vem Seppel gesagt. Seppel, Hab' ich gesagt, nimm den Kopf nicht, die Nase ist zu auffallend, da wäre der präch­tige Schneider von No 11, der hat accurat so eine Stumpf­vase gehabt, wie der No 17, aber unser Einer darf ja nichts sagen. So war die Schmiere fertig, die alte Frau hat die Nase gleich gemerkt, ich hab's prophezeiet! „Schon gut, schon gut, geh' er nur." — Wir gingen auch ins Bureau VeS Verwalters und das Andere mag der Leser ergänzen. Narren hat's geregnet. In einer Stadt an de, Donau wurde das fifchliebende Publikum klagbar gegen die Fischmelfter, die ihre Waarcn zu übertrieben hohen Preisen verkauften. Der Untersuchungseommissär ließ die Vorsteher rufen, und redete sie ungefähr so an: „Wie kommt es denn, daß Sie die Fische so theuer verkaufen, es hát doch Heuer genug geregnet?„ — „Narren hat's geregnet, aber keine Fische," war die Antwort des Zechmeisters. Ein österreichischer Offizier avancirte zum Haupt» mann und kam auf tiefe Weise zu dem Grenadierbatatllo« seines Regiments^. Als er seine Aufwartung beim Regi- memsinhaber machte, war dieser frappirt über die kleine Person des neuen Grenadier,Hauptmanns und äußerte: sind doch ein Buchen gar zu klein, Herr Hauprmann, für «inen Grenadier-Offizier." — „Das Ossi zier-Maß geht vom Kops bis zum Herzen, Ew. Excellcnz, mit d i e- fern Maß messe ich mich mit allen Offizieren der Ar­mee,"' war die Antwort des kleinen Hauptmanns. Mahnbrief eines Berliner Schneiders. Hochgcöhlter Herr! Erlvvben sie mich — warum bezahlen Sie mir nich? Bin ich der Mann, der drei Lcibrvcke ma­chen kann, ohne eenen Jroschen dafür zu jäben? Wenn Sie meine Umstände kennten, wie ich mir jrämen muß um die Kinder, un um de übrije Zlrbeet, so würde in Ihrem Herzen een Busen zu schlagen haben, der für Barmherzig­keit Sinn hätte; un übrijens will ich Sie man zu verste­hen jäben, daß'n Jott im Himmel läbt, der der Böse be­straft un det Jute belohnt; denn es steht schon in de Bi­bel: man soll seine Feinde Jutes thiui. Ich habe sieben Kinder, mein Herr und drei davon sind dot, aber det scha­det nischt — die Biere wollen ovch laben und im Uebrigen iß een Schneider ovch een Mensch und vielleich Meer Mensch, als irgend een Andrer. Dvrjestern habe ich mei­nen Burschen zu Sie jeschickt, da Keßei, Sie mich sagen, daß Sie nischt zu Hause sein! jestern hat der Bengel rote» der hingemußt, da sagten Sie. Sie hätten nischt; und da­bei bestellen Se noch een Kvmplmenk; und wie ich endlich heute hinschicke, so schmeißen Sie den Jungen die Treppe runter. Mit Achtung ergebenster. Stephan Tobias Pipen- deckel Tele uf London. Englischer Spleen. Ein englischer, in Aachen eingetroffener Baronet glaubt standesgemäß in keinem ge­ringeren Gasthvf absteigeu zu können, als im Grand Mo- narque. Als ihm vor seiner Abreise nach drei Tagen die Rechnung zugestellt wird, entrüstet er sich über die unmä- ßige Forderung. Er tobt, er werde nur was billig und dann gar nichts bezahlen. Der Wirth will keinen Heller ablassen. Was? 10 Fr. für ein junges Huhn! — Der fetzte Preis, Herr. — Aber so viel wird in Rio für einen Neger von Pondlchery bezahlt. So wahr ich ein Brittc bin, werde ich nicht bezahlen!— So wahr Ich ein Preuße bin, werden Sie bezahlen. — God dam, ich zahle nichtI — Ich werde Sie verhaften lassen. — In der That wurde der Engländer in Gewahrsam gebracht, aber er ist gefaßt und schwört, daß er bereit sei, nach Vorschrift des Gese­tzes 5 Jahre im Gefängniß auszuhalten, ehe er sich um 10 Fr. für ein Hühnchen prellen lasse. Man weiß nicht, welcher von Beiden den härteren Kops behaupten wird, der Baronet oder der Wirth. In einem Familienzirkel wurden Schatzgräbergeschlch- ten erzählt. Die Mutter fragte ihr kleines Mädchen: Weißt

Next

/
Oldalképek
Tartalom