Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
41 Der gerechte Monarch. Dem Kaiser Leopold, als er noch Großherzog von Toskana war, wurde eines Abends, da er eben im Begriffe war, sich zur Ruhe zu begeben, angezeigt, es habe sich erwiesen, daß ein vor einigen Tagen Verhafteter ganz unschuldig sey. ».So muß er morgen früh auf freien Fuß gestellt werden!" sagte Leo- pold zu demjenigen, der ihm diese Meldung gemacht hatte, tzr ging darauf zu Bette; aber der Gedanke, daß ein Nn- schuldiger noch eine Nacht über sein Schicksal in unruhvol- ler Ungewißheit schweben sollte, hinderte ihn am Schlaf. Mitten in der Nacht stand er auf, und fertigte den Befehl aus, den Gefangenen sofort seiner Haft zu entlassen. Mißverständnis. In einem bayerischen Städtchen cm Inn unterhielten sich Gaste in einem Wirthshause von den Eigenschaften der Thiere, wobei das Wort „Instinkt- öfters vorkam. Ein ehrlicher Bürger an einem andern Tische Hörle zu, und rief voll Unwillen den Gästen zu: „Ei was, der Inn stinkt nicht, aber die Misthaufen dort stinken, die der Magistrat schon längst hätte sollen wegschaffen.Der amerikanische Schullehrer. In Nordamerika sind alle Schläge, nicht nur kn der Armee, auf der Flotte und Ut den Gefängnissen, sondern auch in allen Schulen streng untersagt. Ein Schulmeister vergaß sich in der Aufwallung des Zorns, und gab einem kleinen Knaben einige Schläge. „Was? Schlagen?" rief der Kleine. „Sie sind mein Lehrer, aber nicht mein Tyrann.- Die ganze Schule stand auf; alle Schüler gingen fort. Die Sache ward untersucht, der Lehrer seiner Stelle entsetzt; erhalte das Schulreglement überschritten. Man erklärte ihm, ein Mann, der feine eigenen Leidenschaften nicht zu zügeln wisse, wenn er die Leidenschaften Anderer bändigen solle, könne der Jugend nicht nützlich werden, denn er würde sich nur t&rtn Spott und ihre Verachtung zuziehen. Die ausgetretenen Stiefel. Vor das Corree* UonS-Tribunal zu Paris wurde ein Stiefelputzer gebracht, den eine Frau eines Diebstahls beschuldigte. Er versicherte sie nicht zu kennen, das gab sie zu, doch meinte sie, er werde desto besser die Stiefeln ihres Mannes kennen die man khch zum Putzen gegeben. Auf die Frage des Präsidenten entgegnete der Angeklagte: »Ach, das ist die Sache? — Nun, der Bürger klagte mir, seine Stiefeln seven ihm zu eng, und ich, aus Herzensgüte, nahm sie mit, um sie ein wenig auszutretcn, und ich Hab« sie uoch nicht einmal drei Wochen getragen, so arretirt man mich schon. Das kommt daher, wenn man solchem Gesindel einen Liebesdienst erweist, das Hühneraugen hat.« DasBulletin. Die Franzosen ließen im Jahre 1809 nach der Schlacht von A s p e r n, in Wien ein Bulletin davon in der bekannten Manier drucken; in solchen hieß es: Österreichischer Sekts wären 30,000 Mann geblieben, von Seiten der Franzosen beliefe sich der Verlust auf 5000 Mann. Ein Landpfarrer las dieß Bülletkn den Bauern feiner Gemeinde vor, und sagte dann: «Sv lasset uns nun für die dreißig tausend gefallene Österreicher fünf andächtige Vaterunser beten, für die fünf tausend Franzosen aber eineu Glauben.Die Versöhnung. Ein Rauchfangkehrer und Fleischhacker Beschimpften sich am Platze wacker; Der Letzte war vom Blut ganz roth, Der Eine schwarz vom Ruß und Koth. Da sie begannen anzugreifen, Bekam der Mezger schwarze Streife«, Der Rauchfangkehrer rothe Flecken, So glichen sie zwei hübschen Schckeu. Ein Jude kam daher gegangen, Den Beide baß zum Lachen zwangen, Er fragte sie: „Wie geiht man"s ahn, Daß man so Schekla wera kahn?Da waren Beide schnell verglichen; Der Jud ward roth und schwarz bestrichen, Drauf sprachen sie: „Sv geiht man's ahn. Daß ma so Schekla wer'a kahn.Willst du zwei Brauscköpf vereinen, Darf nur ein dritter Mensch erscheinen, Gen welchen sie Verachtung fühlen) Bald wird sich dann ihr Zweikampf stillen. Der entlarfte Schneider. Jemand wurde von seinem Schneider in Ansehung des Tuchbedarfs zu seinen Kleidern auffallend übcrvvrthcilt. Alle dießsallige Bemerkungen des Erstern bei solchen übertriebenen Forderungen wicderlegte der Kleidermacher mit der Versicherung, daß es unmöglich sey, mit weniger Ellen auszureichcn. Einst kaufte der ilberfvrderte bei einem Tuchhändler das Tuch zu einem neuen Kleide nach der Zahl der Ellen, die der Schneider begehrt hatte. Er ließ aber das Tuch bei einem Krämer zuvor wiegen, und das Gewicht in des Krämers Buch ein* tragen, und schickte es dann zu dem Schneider. Als er nach Verlauf von 8 Tagen das Kleid erhielt, ließ er solches ebenfalls bei dem nämlichen Krämer wiegen, und es ergab sich, daß trotz Futter, Nähseide, steifer Leinwand, den Taschen und den Knöpfen, noch 4 Pfund an Gewicht fehlten. Der Betrogene belangte nun den Schneider, und dieser wurde auf den Grund des Buches des Krämers zur Erstattung des Fehlenden, zu einer Geldbuße und in die Prozeßkosten verurtheilt. Zeitverlust durch dasTabakschn up fen. Der Engländer Stanhope, hat durch eine Berechnung gefunden, daß jeder entschiedene Schnupfer, zur Bedienung seiner Nase, jährlich nicht weniger als dreißig und einen halben Tag nv- thig hat. Stanhope setzt nemlich voraus, daß jeder Schnupfer alle zehn Minuten eine Prise nimmt. Hiezu sind anderthalb Minuten erforderlich, indem nicht nur das Nehmen, sondern das Hinaufschieben, Spielen und Wischen au der Nase in Anschlag gebracht.werden muß. Acht Stunden Schlaf abgerechnet, kommen also täglich, in den übrigen zwei Dritiheilen, 2 Stunden 24 Minuten auf die Schnupferei. Wenn also Jemand vom 20. bis zum OO.JahreTobak schnupft, so verschnupft er aus seinem Leben gerade 5 Jahre 1 Xa$*