Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib

9t Spur der zögernden aber nie schlafenden ewigen Ge­rechtigkeit I Welch schreckliches Beispiel für den sichern Sünder! Der braveSvldatTham in Böhmen. Am 18 August 1825 ging ein junges Mädchen, mit einen schwer bepackten Kvrb auf dem Rücken, über die fliegende Brü­cke zu Leut me ritz in Böhmen. Eben rückte eine Com­pagnie des Regiments Herzog Wellington vom Exer­zieren ein; das Mädchen lehnte mit dem Korb am Gelän­der, und mochte auf die Compagnie mehr, als auf sich Acht haben; der Kvrb glitt ab, und zog sie rücklings hin­ab in die Elbe. Die Wellen verschlangen augenblicklich die Versinkende; im nähmkichen 9iu sprang der Gefreite T h a m aus Reih und Glied; Ober- und Untergewehr ab- werfen, und dem Mädchen nachstürzen, war Eins. Alle schrieen laut auf, denn er war, wie diese, verschwunden! Aber aus tiefem Grunde herauf brachte er beides, das Mädchen lebendig, und den Kvrb. Hoffentlich wird es liefen ihm nicht geben, wenn er die Hand über dem Was­ser zu behalten wünscht, die unter demselben, nach dem Leben verlangend, ihm willig gereicht ward. Die gute Part hie. Ein General, der sich auf dem Felde der Ehre viel Ruhm erworben hatte, machte einer galanten Frau die Cour. «Das wäre eine Parthie auf Leben und Tod, sagte Jemand, den er weiß zu ster­ben, und sie zu leben. Ein Oberst als Lieutenant. Dieser Oberst stand als Lieutenant an einem wichtigen Posten mit sehr geringer Mannschaft. Der feindliche General schickte an ihn einen Trompeter mit der Aufforderung zur Uebergabe. Er empfing diesen sehr ruhig, und als ihn jener die For­derung des Generals vvnrug, sich zu übergeben, sagte er: „Sehr gern; übergeben Hab ich mich schon oft, und will es noch öfter thun, besonders wenn es der General wünscht, aber nur nicht ergeben.« Der S t a d t k äm m e r e r als Astronom. In ei­ner Stadt wurde beim Magistrat die Stadtkämm ere r- Srelle erledigt. Als Hauptbedingung zur Erhaltung der­selben war bestimmt, das; der Supplikant astronomische Kenntnisse besitzen müsse. Niemand, vom Spießbürger an, bis zum Patrizier konnte sich in der kleinen Reichsstadt er­klären, wie der hochweife Rath auf diesen wunderlichen Gedanken gekommen sey. Doch allmählich klärte sich das Räthsel auf. Der Etadtkämmerer hatte auch für die Be­leuchtung der Stadt zu sorgen, die sich nach dem Mond­wechsel richtete, daher denn häufig der Fall eintrat, daß auch bei Vollmond, wenn es regnete oder sehr stürmisch war, die Straßen finster waren. Beschwerden darüber fer­tigte der Stadlkämmerer allezeit kurz damit ab, daß der Mond im Zunehmen sey, folglich es so hell seyn müsse, daß man keine Laternen brauche. Die große Achnlichkelt. Vor etwa 150 Jah­ren lebten ein Paar Zwillingsbrüder, die Graken von Ligneville und d'A n tri c o n r t, aus einer alten Lothringischen Familie. Diese waren einander so voll­kommen ähnlich, daß selbst ihre Bedienten sie verwechsel­ten , wenn beide in gleicher Kleidung erschienen, was sie zum Scherz bisweilen zu rhun pflegten.Auch der Ton ihrer Stimme war vollkommen gleich. Beide waren Rittmeister bei den Dragonern, jedoch bei verschiedenen Regimentern; aber sie wechselten biswei­len ihre Uniformen. Jeder stellte sich an die Spitze von der Schwadron des andern, und Niemand wurde es gewahr. D'Antricourt schwebte einst in Gefahr, wegen eines bö­sen Handels arrrtirt zu werden; von der Stund an kleidete sich L i g n e v i l t e vom Kopf bis zum Fuß wie sein Bruder, und ging ihm nicht mehr von der Seite. Um nun nicht den Unschul­digen für den Schuldigen zu ergreifen, zögerte man so lange mit dem Arretiren, bis die Sache gütlich beigelegt war. Beide Brüder reiscten einst mir einander. In einer fremden Stadt ließen sie einen Barbier holen. Lignevil e fegte sich zuerst, um sich den Bart abnehmen zu lassen; t>" Autricourt hielt sich im Nebenzimmer verborgen. A.ö nun der Barbier die Hälfte seiner Arbeit vollbracht hatt r, schüzte Ligneville ein Bedürfniß vor, stand auf und ging in das Nebenzimmer. Gleich darauf t-at sein Bruder in demsclbenSchlafrvcke heraus und setzte sich. Der Barbier will fortfahrcn, sieht die abgenvmmene Hälfte des Barts wieder gewachsen, glaubt, er habe den lebhaften Satan vor sich und wird ohnmächtig. Diesen Augenblick benuzte Ligneville, um sich wieder hinzusetzen. Der Barbier kommt wieder zu sich und meint, er habe geträumt, bis ihm das Räthsel gelöst wird. Ei n andermal, als beide eben recht hungrig und dur­stig waren, gingen sie zu einem Spcisewirth; doch nur ei­ner ließ sich sehen, der andere versteckte sich hinter den Vorhängen des Alkoven. Der sichtbare forderte Essen und Wein. Der Wirth trug eine Schüssel nach der andern auf, und eine Boutcille Wein nach der andern. Ligneville aß und trank zuerst sich' satt; und da er viel zu sich neh­men konnte, so machte der Wirth schon im Stillen die Bemerkung, daß der fremde Herr ein gewaltiger Essee sey. Doch wie erstaunte er, als er nun die legte leere Schüssel wegtragen wollte, undd' Autricvurt, der un­terdessen mit nicht geringerem Appetite seines Bruders Platz genommen hatte, noch mehr und immer mehr for­derte. Während er sich gütlich that, verdaute Ligneville auf dem Ruhebette, und war nach einer Stunde wieder im Stande, seines Bruders Platz mit Ehren einzunehmen. Der Himmel weiß, wie viele Schüsseln sie noch gefordert haben würden, wenn des Wirthes Speisevorrath nicht er­schöpft worden wäre. Der arme Schelm, der gleichfalls den Teufel in diesem Vielfraße vermuthete, erklärte mit , Angstschweiß auf der Stirne, er habe nichts mehr vorzu- setzcn, und nun erst kam der andere Bruder laut lachend zum Vorschein. Der T a u se n d k ü n st l e r. So mancher hatte es ver« sucht, Madame N. in ihrer ehelichen Treue wankend zu machen, vergebens! Herr A...kam, und bot zehn Duka­ten, vergebens! er bot Hundert, vergebens! er bot Tau­send — sie wankte. Nun sagt mau »Herr A. ist ein Tau­sendkünstler. i

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