Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
T o fit entfernt hatten, so rief Herr Dümvnt seinem Hunde zu. daß er etwas verloren hätte, und daß er suchen sollte. Caniche kehrte sofort um, und die beyden Freunde gingen ihres Weges nach der Straße St. Denis zu. Mittlerweile bemerkte ein fremder Kaufmann, der eben in einem kleinen Wagen vom Vinccnnes zurück kam, den durch den Tritt seiner Pferde aufgewühlten Thaler; er stieg aus, hob ihn auf. und fuhr nach seinem Gasthof in der Strasse Pont» crur-choux. Caniche war eben angekommen, als der Kauf» mann den Thaler aufhob; er hatte ihn aufgespürt und suchte denselben dem erster» zu entreißen. Er folgte nun dem Wagen, ging in den Gasthof hinein und verließ den Kaufmann nun nicht mehr. Da er das Sechslivresstück, das man ihm zurück zu bringen befohlen hatte, in Jenes Tasche witterte, so sprang er unablässig um ihn herum. Der Fremde glaubte, es sey ein verlorner oder zurückgelassener Hund, der seinen Herrn suche. Er hielt seine verschiedenen Bewegungen für Liebkosungen, und da der Hund schön war, so beschloß er, ihn zu b. halten. Er ließ ihm ein gutes Abendessen vorletzt», und nahm ihn beym Schlafenge» hen mit in sein Gemach. Kaum hatte er stch seiner Beinkleider entledigt, als der £unt> sich ihrer bemächtigte. Man glaubte, daß er damit spielen wolle, und nahm sie ihm wieder ab. Der Hund fing hierauf an, gegen die Thüre zu bellen, die der Kaufmann in der Meinung, daß ihn ein Bedürfniß dränge, ihm öffnete. Rasch ergriff nun Caniche die Beinkleider und flog damit davon. Der Kaufmann eilte ihm mit der Schlafmühe auf dem Kopfe und in den Unterhosen nach. Eine tvdtliche Unruhe beflügelte seine Schritte, denn in seiner Tasche befand sich eine mit mehreren Napolevnd'or zu 40 Franken angefüllte Börse. Caniche rannte mit gestrecktem Bauch der Wohnung eines Herrn zu, wo der Kaufmann gleichfalls athemlos und sehr entrüstet ankam, und den Hund als Dieb behandelte. «Mein Herr,« sagte ihm sein Gebiether, »mein Hund ist rin sehr getreues Thier; hat er Ihnen Ihre Beinkleider entweder, so geschah cs, weil sich darin Gelb befindet, das Ihnen nicht zugchört.« Der Kaufmann gerieth immer mehr in Harnisch. »Gelassen, mein Herr,« versetzte Jener lächelnd, »ohne Zweifel steckt in Ihrer Börse ein Sechslivresstück, so und so bezeichnet, das sie auf dem Vollwerk St. Antoine werden aufgehoben haben, und welches ich dort ausgewvrsen habe, in der festen Überzeugung, daß mir's mein Hund zurück bringen werde. Sehen Eie hier die Ursache des Diebstahls, den er an Ihnen verübt har.«— Erstaunen trat jetzt bei dem Fremden an die Stelle des Zornes; er gab das Sechslivresstück heraus, und konnte nicht umhin, den Hund zu liebkosen, der ihm so viele Unruhe verursacht, und ihn so sehr außer Athem gesetzt hatte. Wann ist die Aus zlehze izeit. Ein Hausinhaber hatte einen seiner Inwohner in Kartenspiele so rein ausgezogen, daß dieser den Zins nicht bezahlen konu» te, und dahero aus dem Hause geschafft wurde. Der Haus» Herr hat recht, bemerkte ein kluger Kopf, »denn die Ausziehzeit ist vorbei.« Wer ist der Schuldige? Eine Frau, die sehr freigebig mit ihren Gunstbezeigungen war, starb an der Entbindung. Als ihr Mann sich nun dermaßen darüber ab« härmte, daß er vor Gram starb, rief ein Freund desselben aus: »Ach der Unschuldige muß mit dem Schuldigen leiden.« Der Trost. A. Warum so traurig, mein Freund. B. Meine Frau ist krank, und ich schwebe zwischen Furcht und Hoffnung. A. Welcher Arzt behandelt sie? B. Doktor N. — A. Nun, so hoffen Sie! der hat meine selige Frau auch behandelt. Das Verborgene. Im Jahr 1664 kaufte ein Bürger zu Chelmssvrt in der Grafschaft Esser in England ein Haus, und ließ dasselbe sich zum Wohn» hause einrichten, weil es vorher ein Wirthshaus gewesen war. Zu den vorzunehmenden Reparaturen gehörte auch die, daß er einen alten verwitterten Zaun, der den Garten von der Straße schied, einreißen ließ, um eine starke Mauer von Ziegelsteinen aufführen zu lassen. Als nun die Arbeiter, des Fundaments wegen, in die Erde gruben, fanden sie ctiiKi drei Fuß tief unter der Oberfläche einen männlichen Leichnam, der ziemlich unbeschädigt geblieben war. Da dieser Ort niemals ein Begräbnißplatz gewesen war, so fiel dem Eigenthümcr dieser Umstand auf, und er glaubte sich verpflichtet, seiner Ortsvbrigkeit davonAnzeige zu machen. Diese Meldung führte zu einer näheren Untersuchung, welche jedoch lange nichts Wesentliches ergab. Der Phy- sikus meinte, der Körper könnte leicht 16 bis 20 Jahre in trockenen Boden gelegen haben. Im Uebrigen ward ausgemittelt, daß dieses HauS vormals das Wirthshaus zum Weißen Roß genannt worden , daß der Gastwirth nebst Frau schon seit sieben oder acht Jahren todt sey, und daß man eine Zeitlang vor ih« rem Ableben plötzlich einen gewissen Wohlstand bei ihnen bemerkt habe. Bei der Besichtigung des Körpers fand es sich, daß eine starke Verletzung des Hirnschädels wahrscheinlich der Grund des Todes von diesem Menschen geworden sey, aber ob er wirklich und von wem ermordet worden? darüber ließ sich nichts bestimmen, da der Wirth sammt Frau todt, kein Hausgenossener oder Dienstbvte von ihnen aufzufinde» war, und sie auch keine Kinder hinterlassen hatten. Da jedoch alle Umstände einen Mord wahrscheinlich machten, so ließ der Richter des Orts, Lord Brigd» mann, eine Aufforderung in die öffentlichen Blätter einrücken: daß, avenn noch eine Person am Leben sey, die sich vor 16 bis 20 Jahrcn in dem Wirthshause befunden habe, sie bei dem Friedensrichter ihres Orts sich melden und Alles sagen möge, was ihr in Bezug auf den aeku«-- denen Leichnam bekannt sev. Und siehe, es fand sich bei einem Frledrnsgerichte in der Grafschaft Nordhampton ein Frauenzimmer welches erklärte, sie habe von der Aufforderung gehöre, und fände sich von .ihrem ^Gewissen angetrieben, jetzt ein