Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib

Allerlei Mii Leitvertreib. Das irdische Paradies. Jemand hatte seinen Freunden und Bekannten oft den Ehestand als ein wah­res irdisches Paradies angepriesen, um sie zum Hcirathcn zu bewegen; als er nnn endlich selbst heirathcte, erhielt er von einem Freunde ein Bittet folgenden Inhalts: »mein Freund! wer Andern eine Grube gräbt, fällt endlich selbst hinein.« Gelegenheit macht Diebe. Man beschwerte fid; einst über einen Gelegenheits Did;ter, daß er meistens Fremde Aufsätze abschreibe, und für die seinigcn ausgebe. Ein Menschenfreund entsd-uldigte ihn damit, indem er sagte: «Gelegenheit mad/t Diebe.« Die alt u. neue Welt. «Was kümmert mid; die ganze Welt,« sagte einst ein zärtlicher Gatte zu seiner Frau, «du allein bist mir eine Welt.« Das Stubenmädd;eu hatte dieses in einem Nebenzimmer angehort, und als ihr der Weltbcsitzer bald darauf galante Anträge mad;te, sagte sie: Ei, gnädiger Her! Sie wollen sobald sd;vn ihre Welt verlassen? — «Sei still!« war die Antwort, »es gicbt ja zwei Welten, eine alte und eine neue. Viel Kopfe viel Sinn, »V iel Kopfe viel Sinne!« rief Herr von Klein, «Gefehlt! — entgegnete Lux geschwind; «Denn daß Sie keiner der Klügsten find «Darinn stimmen Tausende ganz überein. Der neue Unterricht. Ein Sd;uttel;rer hatte zur Erleichterung seines Unterrid;tes in der Zoologie die Säugthiere in Classcn eingethcilt. Als er nun einst, einen seiner Sd;üler eine« «Esel« nannte, lief dieser voll Freude heim zu seinem Vater und rief: -Ad; Vater! denk' doch, ich habe die erste Classe bekommen. B e r i d; t i g-u n g. Merzt doch das alte Sprichwort aus Wer's Glück hat, führt die Braut nad; Haus! E^empel rufen überlaut: Wer's Glück hat, wählt sich keine Braut. Der Schulw elfter und sein Schüler. Ein Schullehrer sprach von der Allmacht Gottes, welche er fei­nen Jungen aus der Schöpfung bewies.-»Nun Peter!« sagte er, «du bist, wie ich sehe, ganz ergriffen, und sichst so gedankenvoll da. Woran denkst du?« «I!« rief der al­berne Junge, »i denk holt, wonn der Herrgott dos Ollas us Nils hot erschoss'n fitia, wos hett er erst gmecht, wonn er wos dazu g'hvbt (jättJ Müller Jacob. Der Müller Jacob schlagt sein braves Weib, Des Morgens, Mittags und zur Jause. We r dachte wohl, das; in dem weißen Leib So eine schwarze Seele Hause. DasTe st áment einesEngländers. Ein Eng­länder hatte in seinem Testamente 1000 Pf. Sterling für das erste unglücktid;e Franenzimmer bestimmt, das sd; w e i g e n d ihr Sd;icksal trögt, — Eine Stumme erhielt den Preis. Mitgefühl. R. Ad; Freund! bestohlen hat man mich — G. Aus Herzensgrund bebaut1’ ich dich. R. All' die Gebid;le, die id; schrieb — G. Wenn das ist, dauert mid; der Dieb. Der Denkspruch auf dem Teller. In ei­nem Wirthshause, wie es deren mehrere gibt, kritzelte ein Gast auf einem zinnernen Teller folgenden Vers: Hier wohnt der Wirth zum Besenstiel, Tischt wenig auf, und rtd;nct viel; Hat |'d;icd;ttn Wein, noch schlechtres Belt, Id; wollt', daß ihn der Teufel hält. Kommt Zeit kommt Rath. Ein Mädchen äußer­te fid; einst etwas unwillig darüber, daß ihr Vater so vie­le Bewerber um ihre Hand aus nid;tigen Gründen, wie sie meinte, zurükgewiescn i;ai>ej den der Gedanke, eine alte Jungfrau zu werden, war ihr uncrträglid;. »Sei ruhig, meine Tochter! sagte der Vater, kommt Zeit kommt Rath.« Ad; rief das Mäbd;en weinerlich, wenn sie so fortfahren, mein Vater! kommt weder Hod;zeit nod; Heirath. Das gleiche Paar. Fünf Sd;üler hat ein Dorfschulmeister, Die nahm er in gemeß'nem Sd;ritt Zu jeglichem Begräbniß mit. Hier rief das Muster großer Geister: „Gehet Schurken Paar und Paar zugleich!" „Herr! sprach der Fünft' — ich geh mit Euch !" Das Fort schreiten. Ein Schneider verfertigte für einen Professor ein Paar Beinkleider. Der Professor fand sie zu enge und wollte sie zurückgeben. „Das ist jetzt so modern," sagte der aufgeklärte Kleidermad;er, und man muß mit dem Zcitgeiste sortschreiten. „Aber mein Gott" versetzte der Professor, „in diesen engen Beinkleidern kann id; ja gär nicht sortschreiten." Der Wegweiser. Ein dummer Landjunker besud;. te einen Bekannten in Wien. Da er nun wieder gehen wollte, sagte er zu diesem: Id; bin hier so unbekannt, daß ich in mehrere Häuser vergebens ging, bis id; endlid; das Deinige fand; sei fcod; sv gut mid; bis aus dem Hause zu begleiten, damit es mir beim Weggehen nid;t eben so gehe. Grabschrift eines Dichters. Ein Dichter, welcher eine Lungenkrankheit hatte, und dem der Arzt des­halb alle starken Bewegungen, den Wein und sogar das Lachen untersagt hatte, verfertigte folgende Grabschrift: Ich sott nicht trinken, sott nicht lieben. Der Arzt verbietet mir zu lad;en: Was ist mir übrig noch geblieben Al s meine Grabschrift mir zu machen?

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