Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

37 Das Stammbuch. Ein Student hatte seine Studien beendigt, und wollte Wien verlassen, um in seine Heimath zu reisen. Der Wirth bei dem er zu speisen pflegte, über­reichte ihm ein Stammbuch damit er sich einschreiben sollte. Der Student reist schnell ab, und schickt ihm das Stamin- buch mit der Zuschrift: Ich darf in dieses Stammbuch mtch ßunt Angedenken nicht erst schreiben; Du denkest mein doch sicherlich Denn, ach! ich muß dir schuldig bleiben! — Die gute Frau. Ein Hausherr siel betrunken Kr die Flamme. D i e Magd rief Hilfe! — «daß dich Gott verdamme!" schrie die Frau erzürnt, du Schwätzerin sey still; mein Mann, als Herr vom Hause, kann liegen wo er will! — Zurechtweisung. Der Kaufmann B. verlangte Von einer Dame die Bezahlung für abgekaufte Schminke. Als ihn aber die Gnädige grob abweiscn wollte, rief er: Madame, Sie behandeln mich wie ihren Livree Bedienten, lch bitte aber nicht zu vergessen, daß ich nicht ihre, sondern sie meine Farbe tragen. f D i e gute Antwort. Jemand wurde gefragt: an was er denke, wenn er nichts denke? Ei, gab er zur Antwort, da denke ich wie ich dem antworten soll, der mich um nichts fragt. Die warme Advokaten - Stube. Ha! da ist eine Hitze wie in einem Backofen, rief ein Graf aus, als er in das starkgehitzte Zimmer seines Advokaten hineintrat. Za, ja, erwiederte der Advokat, dahier backe ich mir auch mein tägliches Brvd. — D i e unverhofte Antwort. Einen Bauer, wel­cher zur Stadt hcreinfuhr und sein Weib auf dem Wagen sitzen hatte, fragte ein Spaßvogel: »He, Freund! was kostet die Henne? — Die ist nicht feil, gab er schmun­zelnd zur Antwort, aber die Eier die sie legt, könnt ihr umsonst haben. — Der musikalische S ch u st e r l e h r j u n g. Als ein Bauer in die Stadt kam, seinen Sohn, der Schustcr- lehrjung war, zu besuchen, fragteer ihn, ob er schon etwas gelernt? «O ja," sagte der Junge, «und musikalisch bin tch auch!" — «Ei der Tausend," rief der Vater, «was kannst du denn?" Nun ich halte alleweil die Noten, wenn die Regimentsbande vor der Hauptwache spielt. — Nutzen des Billiner Wasser. »Warum trin­ken Sie das Billiner Wasser?" fragte Herr v. I. seine Freundin... «Aus bloßem Muthwillen" gab sie zur Ant­wort. «So, versetzte er, hat's schon geholfen?" — Die Magd. In ein Seidengewölbe kam in aller Eile ein Dienstmädchen mit einem Stückchen rothen Atlas in der Hand, und fragte ganz.naiv: Vitt ich ihnen, hoben fe nit dieses Couleur, aber poperlgrün. — Der gute Trost. Ein Mädchen beklagte sich, daß man von ihr rede, sie hätte 4 Kinder gehabt. Machen sie sich nichts daraus, tröstete sie ein Freund , ich glaube nie mehr als die Hälfte, was die Leute plaudern. Der rauchende Ofen. Ein Maler verlangte, daß der Hausherr ihm einen neuen Ofen setzen lassen soll. «Ei," versetzte der Hausherr, »der Ofen ist ja ganz brauchbar!" — Das bestreit ich nicht, versetzte jener, aber das erste b müssen sie weglassen. Der pfiffige Bauerjungk. Ein Gärtner wollte einen Bauerjungen bestrafen, weil er ihm Blumen abgepflückt. »He Kleiner," rief er ihm, «komm einmal her, ich will dir was sagen." — Der Bursche roch aber den Braten, und sagte davon laufend: »Ei bewahre, so kleine Buben wie ich, müssen nicht alles wissen." Die Bittstellerin. Eine Wittwe klagte ihre Noth dem Fürsten und bat um Pension. Sie sehen so gut ans, erwiederte der Fürst, daß ich ihren Worten nicht glauben kann. Darauf ist nicht zu gehen, antwortete sie. Er. Durchlaucht fehlt gewiß nichts, und Sie sehen mißera- bel aus. — Kurze Recension. Ein Gelehrter bekam ein französisches Mauuscript zur Beurtheiluug. Statt aller Kritik radirte er vom letzten Wörtchen fin das n weg. Klage eines Sollicitators. Ein Sollicita- tor beklagte sich über die schlechte Handschrift seines Herrn. Ich habe schreiben gelernt, rief dieser zornig, lernen Sie auch lesen. Das sechzehnjährige Mädchen. Als die Stadt zehn arme Mädchen ausstatteu wollte, meldete sich auch ein 16jähriges Kind. Um den Bräutigam befragt, gab sie zur Antwort: ich glaubte die Stadt gibt alles Nöthige her. — Der Podagrist und der Dieb. Als ein Poda­grist einen Dieb zum Galgen führen sah, rief er aus: O! hätte ich deine Füße! Und ich deinen Hals, versetzte der arme Sünder. Mißverständnis „SSon dem Soldatenstande sind Allein die einz'gen Söhne frei l" So sprach der Justitiar. Geschwind Führt Liese ihre zwei herbei. Und fragt: „Nicht war, die sind doch frei, Weil's meine beiden Einigen sind?" — Der furchtsame Dorfjuuge. Ein Dorfjunge, welcher schon oft einen Schabernack gespielt, bekam immer Schläge, bis er eingestand. Einmal fragte ihn der Schul- meister: Wer hat die Welt erschaffen? Als er es nicht wußte, wurde ihm mit dem Stabe gedroht. Der Junge erschrocken, rief bittend: Ich hab's gethau, aber cs ge- schieht mein Lebtag nimmer. — Neugierde. Ein reicher Mann ließ seine Frau in Lebensgröße malen. Der Maler vollendete das Bild meisterhaft, und die Dame saß in einer Laube zum Spre­chen ähnlich da. Als der Mann das Bild sah, verlangte er: der Künstler solle nun auch noch ihn selbst auf das Gemählde malen, aber im Gebüsche so versteckt, daß Nie­mand ihn sehen könne, denn er möchte seine Frau gern belauschen-, wenn sie sich einsam glaubt. —

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