Folia historica 20

I. Tanulmányok - Sz. Bányai Irén: Üzemi szociálpolitika és életviszonyok az Óbudai Gázgyár kolóniáján a két világháború között

Sz. Bányai, Irén Betriebssozialpolitik und Lebensverhältnisse in der Kolonie der Altofner Gasfabrik zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg Zwischen den Jahren 1907 und 1910 gelangten die Gaserzeugung und Gasversorgung, wel­che bis zu dieser Zeit im aktiengesellschaftlichen Besitz gewesen waren, in den Besitz der Hauptstadt Budapest. 1914 wurden im 3. Bezirk in der „Homokos düllö" /Sandflur/ der nach schweizerischen Plänen aufgebaute moderne Gasfabrikationsbetrieb, sowie in dessen Nach­barschaft eine doppelte Wohnsiedlung - die eine für die Beamten, die andere für die Arbeiter übergeben. In der nach einheitlichem Bauplan aufgebauten Beamtenkolonie waren ur­sprünglich 9 Wohnhäuser mit 17 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen; in der Arbeiterkolonie 3 Dreizimmerwohnungen, 78 Zweizimmerwohnungen, 14 Einzimmerwohnungen, 4 Dachzim­mer, in der Gesellenherberge 32 Schlafnischen. Seit dieser Zeit veränderte sich das Aussehen der doppelten Kolonie kaum: der Wohnungsbestand wurde nur in bescheidenem Maße er­weitert, die größeren Wohnungen wurden aber nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt. In der Arbeiterkolonie wurden die Gemeinschaftsgebäude (Geschäfte,Gaststätte, Kulturhaus, Sprechstundenordination, Kindergarten u.ä.) angelegt, und für die hier ansässigen wurden teils hinter den Etagenhäusern, teils hinter den Parterrehäusem Küchengärten vermessen. Die Verfasserin suchte in diesem Artikel eine Antwort darauf, welche mit der Betriebsor­ganisierung im Zusammenhang stehende, institutionell förderte Beziehung zwischen der Fabrik und den Kolonien bestand. Auf Grund der Untersuchung der offiziellen Berichte der Hauptstädtischen Gaswerke, sowie von "Tiefinterwiews", die die Verfasserin mit Kolonien­bewohnern - die auch zwischen den Weltkriegen dort gewohnt hatten - machte, stellte sie fest, daß die Gaswerke von den Anfängen bis zu den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich dafür gesorgt hatten, daß die wichtigsten Dienstleistungen den dortigen Be­wohnern am Ort zur Verfügung stehen. Auch die Dienstleistungen wurden in der Sozialpoli­tik als Sonderzuwendungen, als Ermäßigungen gedeutet. Eine hervorragende Bedeutung hatte auch die Unterstützung der Bildung von der Seite des Betriebes: es gab einen selbstät­tigen Gesangverein, eine Laienspielgruppe, Musikkapelle, sowie mehrere verschiedene Sportvereine. Um die Umgebung der Wohnhäuser in Ordnung halten zu können, wurden Gärtner angestellt. Zwischen der Arbeiter- und der Beamtenkolonie gab es aber wichtige und symbolische Unterschiede. Diese Unterschiede sollten der Absicht der Betriebsleitung nach manifestieren, daß die bei der Produktion erwünschte Hierarchie auch für das private Milieu (d.h. für die Wohnverhältnisse) gilt: die unterschiedlich qualifizierten Beamten und Arbeiter gehören trotz des "Zusammenwohnens" zu verschiedenen Gesellschafts-, bzw. Vermögensgruppen. Auf Grund der Untersuchung der spontanen und der von der Betriebsleitung organisier­ten Gemeinschaftsäußerungen konnte die Verfasserin feststellen, daß das Gemeinschaftsle­ben auch solche Elemente besaß, die auch für das Leben im Dorf, bzw. in der Kleinstadt typisch sind. Trotzdem hatte die "Kolonie-Tradition" keinen ländlichen, oder kleinstädti­schen Charakter. Die Bevölkerungszahl der Kolonie war der in den Dörfern ähnlich (650-680 Mann), die Bevölkerung selbst war aber so sehr gegliedert, wie sich eine Ortschaft mit ihrer organischen Entwicklung nicht gliedern könnte. Jeder Bewohner wußte, daß er sich der Betriebshierarchie, das hieß für ihn: der Koloniehierarchie anpassen muß, dementspre­chend organisierte er seine gesellschaftlichen Kontakte. In einer jeweiligen organisierten Kleingemeinschaft konnte sich ein Arbeiter erfolgreicher erweisen, als ein Beamter (z.B. besserer Schauspieler, oder Fußballspieler), diese Tatsache änderte aber an seiner Einordnung 66

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