Folia historica 18

II. Forrásközlések - új szerzemények - Kiss Erika-Őze Sándor: A Nemzeti Casino serleglakomái

den Leitfaden zum Kult zu schaffen. Von den etwa achtzig Reden sind ungefähr zwan­zig erhalten geblieben. Die Gestalt von Széchenyi war für die Schaffung eines Kultes nicht so sehr geeignet, wie die Gestalt von Lajos Kossuth oder Ferenc Rákóczi. Sein Aristokratismus, ironi­scher Stil, massenfeindlicher humanistischer Individualismus, sowie seine Neigung zum inneren Kampf, seine vielfältigen Gedanken, und seine politische Haltung - die für die großen Menschenmengen widersprüchlich schien - machten ihn untauglich dafür. Während unserer Geschichte gab es nicht immer genügend Gelegenheit und Zeit zum Kampf der verschiedenen Argumente, bzw. zu ihrem Ausgleich, so konnten die Menschenmengen die artikulierte Form der Argumente kaum erkennen. Deshalb ent­stand ein Mythos, der während der Zeiten durch die Forderungen der jeweiligen Ge­schichtsperiode umgestaltet wird; die Geschichte, die Persönlichkeit des einst Han­delnden wird verzerrt. Die einzelnen Personen erscheinen als Applikationen ihnen zugeschriebener Gedanken, Thesen. In Westeuropa war es üblich, zum Heldenkult die ganze Persönlichkeit in Betracht zu ziehen, alle Details - Gewohnheiten und Lebensereignisse kennenzulernen. Auch die Probleme der Gesamthaltung, die Irrwege des Helden sind dort für die Gesellschaft „annehmbar". Demgegenüber wird die Persönlichkeit der Helden in Mittel- und Ost­europa - infolge der erlittenen Niederlagen - von der Gesellschaft, vom verletzten Na­tionalbewustsein verzerrt: die einzelnen Epochen, bestimmte Gruppen selektieren die Elemente des Lebenswerkes, einige heben sie bewußt hervor, andere lassen sie unab­sichtlich in Vergessenheit. So werden autonome Persönlichkeiten zu Ruinen ideologis­tischer Symbolgestalten. Diese Feststellung gilt auch für den Kult von István Széchenyi. Seine Gestalt wurde mit der von László Tfeleki in Zusammenhang gebracht. Man stellte sie als „zwei Seiten einer Münze" dar, obwohl sie in der Wirklichkeit oft einander gegenüberstanden, 1848 sogar beinahe sich duellierten. Zur Zeit des Absolutismus wurden sie aber durch ihren der öffentlichen Meinung nach ähnlichen, unter verdächtigen Umständen einget­retenen Töd nebeneinandergestellt. Sie wurden zum Symbol der „verlorenen An­gelegenheit" der Nation. Diese Erscheinung war für die Festmahle des National­kasinos genauso typisch, wie für die Artikel der Publizistik, die sich mit Széchenyi beschäftigten, und zwar in viel extremerer Form, oder für die Feierlichkeiten der Széchenyi-Jubiláen. Das Andenken des Grafen Széchenyi wurde nach seinem Tbde zum Symbol der ungarischen Vormärzperiode, der niederschlagenen Revolution und des Freiheits­kampfes von 1848/49, und lebte im Zwiespalt der Mythosschaffung und der Amnesie weiter. 236

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