Folia archeologica 51.
István Fodor: Szent István kardja
170 IS IVÁN FODOR der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sehr wohl, und zwar gerade gewiss auf Einfluss der Schriftgelehrten westlicher Bildung. Man sollte nicht vergessen, dass Anonymus in seiner um 1200 verfassten Chronik die Herrscher des Ai padenhauses schon von Attila herleitet. 3 2 In der tschechischen Forschung gibt es seit 1916 auch eine zäh weiterlebende dritte Hypothese. Gemäß dieser habe Wenzel (1301-1305), der ungarische König aus der Premysliden-Dynastie, das Schwert nach Prag gebracht. Wie bekannt, bestieg der in Ungarn nur Ladislaus genannte böhmische Thronfolger im August 1301 den ungarischen Thron, in der turbulenten Periode nach dem Tode des letzten Herrschers aus dem Arpadenhaus, Andreas' III. Im August 1304 kam jedoch sein Vater, der böhmische König Wenzel II. nach Ungarn und nahm seinen Sohn mit nach Prag, zusammen mit der Heiligen Krone und den übrigen Krönungsinsignien. Nach dem Iode seines Vaters im Januar 1305 fiel der böhmische Thron an Wenzel-Ladislaus, der unter dem Namen Wenzel III. regierte. Im Oktober desselben Jahres verzichtete er in Brünn auf den ungarischen Thron und übergab die Krönungsinsignien dem bayrischen Herzog Otto III., der am 6. Dezember 1305 zum ungarischen König gekrönt wurde. Seine Herrschaft war jedoch nicht von langer Dauer, im Sommer 1307 musste er aus dem Land fliehen. In Siebenbürgen nahm ihn der Woiwode László Kán gefangen, zusammen mit den Krönungsinsignien. Im Herbst jenes Jahres floh Otto aus der Haft, die Krönungsinsignien beim Woiwoden Siebenbürgens zurücklassend. 3 3 Meiner Ansicht nach ist es nicht schwer, die wahrscheinlichste der drei Hypothesen auszuwählen, und diese ist auf jeden Fall die mit dem Jahr 1270 in Verbindung stehende. Dies ist nämlich das einzige Ereignis, bei dem mit Quellen zu beweisen ist, dass aus der ungarischen königlichen Schatzkammer ein Schwert nach Prag gebracht wurde, das von dort nicht zurückkehrte. Die Wahrscheinlichkeit der Jahreszahl 1304 schwächt vor allem, class die Quelle eindeutig besagt: Wenzel hat die Krone und die Krönungsinsignien zurückgegeben. Und wiederum keine einzige Quelle bezeugt, dass der ungarische König Ludwig der Große mit den Reliquien des hl. Stephan dem böhmischen Herrscher auch ein Schwert geschenkt hätte. Was zuverlässige Quellen betrifft, ist die Lage auch nicht besser, wenn es um die Frage geht, ob die Tradition des Arpadenhauses eine echte Tatsache bewahrt und das Schwert wirklich Stephan dem Heiligen gehörte. Die Herstellungszeit des Schwertes schließt - wie gesehen - diese Möglichkeit nicht aus. Die Wiener Bilderchronik aus dem 14. Jahrhundert erzählt, der junge Stephan sei 997, vor dem Kampf gegen Koppány „am Fluss Gran erstmals mit einem Schwert gegürtet worden". 3 4 Zwar wurde die Chronik mehrere Jahrhunderte nach den Ereignissen geschrieben, doch ist es nicht unmöglich, dass ihr Verfasser aus einer glaubwürdigen früheren Quelle schöpfte. In diesem Fall ist es überaus wahrscheinlich, dass Stephans Ehefrau, Gisela, das Schwert aus Bayern dem jungen Großfürsten als Geschenk mitbrachte und die mit ihr gekommenen deutschen Ritter - Hont und Pázmány - ihn damit vor der schicksalsentscheidenden Schlacht umgürteten. Vorher mag das Schwert irgendeinem vornehmen bayrischen Herzog oder Herrscher gehört haben. Daraufweist auch die zitierte Argumentation von Gyula László hin, der in der Zeichnung von der Parierstange zwei Drachenfiguren erkannt zu haben glaubte. Denn die sagenhaften Helden stellen ihre Kraft immer durch ihre Drachenbesiegung auf die Probe. Mit Drachenfiguren verzierte Waffen waren 32 Bòna 1993, 10; Kristó 1983, 313-329. 33 Engel-Kristó-Kubinyi 1998, 48. 3 4 Képes Krónika 42.