Folia archeologica 51.
István Fodor: Szent István kardja
164 IS IVÁN FODOR Tier erinnerndes Bild, und die Formen mit gebogener, abgeschliffener Oberfläche an den beiden schmalen Rändern des Feldes erinnern auch an Tierschädel, am ehesten noch ungefähr an Elefantenköpfe; unten entsprießen ihnen schmaler werdende, kreisbogenförmig wellige Blätter zum zur Klinge weisenden Rand hin, diese stilisierten Blätter geben vielleicht den Doppelrüssel des Elefanten an. Auf einer Seite kann man sich im Mittelraum zum Griff hin Schlangenköpfe vorstellen, die sich dem streifigen Ring zuwenden, hinter ihnen wiederholen sich ähnliche Köpfe, es lassen sich sogar die wellenförmigen Schlangenkörper verfolgen und solche füllen den sich dort anbietenden dreieckigen Raum aus." 9 Hampel illustriert seinen Text mit Zeichnungen nach den von Géza Nagy veröffentlichten Fotos. 1 0 Es kann nur vermutet werden, dass die genauen und schönen Zeichnungen der hervorragende Grafiker Odön Passuth (1860-1925) verfertigte, der regelmäßig Hampels Bücher und Studien sowie die Zeitschrift Arcliaeologiai Értesítő illustrierte." Bei den Zeichnungen fehl! allerdings seine charakteristische Signatur, so dass diese Hypothese nicht völlig gesichert ist. Die bis dahin - und vielleicht bis heute - allergründlichste Analyse hat Nándor Fettich vorgenommen, für das dreibändige St. Stephan-Gedenkbuch zu Ehren des 900. Todestages des ersten ungarischen Königs. 1 2 Fettich untersuchte den Gegenstand mit der für ihn bezeichnenden Gründlichkeit, sammelte die früher erschienene Fachliteratur und machte viele neue Beobachtungen. Vor allem begutachtete er gründlich die am Schwert sichtbaren starken Abnutzungsspuren, aus denen er die richtige Folgerung zog, dass man diese Waffe bei weitem nicht nur als Herrschaftssymbol vemendet hatte, wie vor ihm so viele Forscher annahmen, sondern lange Zeit auch als richtige Waffe. Er schreibt darüber: „Diese objektiven Umstände widerlegen die einhellige Ansicht sämtlicher Verfasser, das Schwert sei kein Gebrauchs-, sondern ein Zierschwert, ein Insignium gewesen. Wäre es schon Stephans des I leiligcn Krönungsinsignie gewesen, wie Géza Nagy glaubte, dann wäre es unwahrscheinlich, dass er oder seine Nachfolger es längere Zeit getragen hätten. ... Ich kann den eindeutigen Irrtum der Fachleute kaum anders erklären als mit dem Fehlen eingehender Untersuchung der Originalgegenstände im Allgemeinen, mit Oberflächlichkeit und Uninformiertheit." 1 3 Uber das Muster auf der Parierstange, das im Mittelpunkt aller Untersuchungen gestanden hatte, stellt er fest, dass es aus miteinander verflochtenen Tierfiguren ohne Kopf im germanischen Stil und einer pflanzlichen Palmettenkomposition bestehe. Seine Folgerung: „Die Komposition der Parierstange des St. Stephan-Schwertes ist der Ubergang vom jeliinge- zum Ringerike-Stil. Das Tiermotiv ist ein vierfüßiges Raubtier im Profil, das seit urdenklichen Zeiten eines der wichtigsten Motive osteuropäischer Steppenvölker war ... Die beigefügten Elemente stammen aus dem das gesamte X. Jahrhundert ausfüllenden Jelinge-Stil. Der vom Bündel ausgehende palmettenartige Aufbau ist dagegen ein Zug des Ringerike-Stils. Dieser Aufbau ist zweifelsohne unter dem Einfluss der bei den landnehmenden Ungarn herrschenden Palmette persischer Herkunft entstanden." 1 4 Fettich glaubte, den Schauplatz der Wechselwirkung von nordgermanischem (Wikinger-) und ungarischem Kunststil in Osteuropa, im Umkreis des einstigen Levedien entdeckt zu haben. Seine Schlussfolgerung: „Da die » Hampel 1907, 221. I" Hampel 1907, 91, Taf. C/93. i' Fndnr 1983, 103. Fettich 1938, 473-516. is Fettich 1938, 484. Ii Fettich 1938, 504.