Folia archeologica 51.
István Fodor: Szent István kardja
162 IS IVÁN FODOR Forschung geweckt. Die Untersuchungen erschwert allerdings auch hier vor allem dasselbe wie im Falle des Wiener Säbels: Diese besonderen Waffen waren zu ihrer Zeit keine Dutzendware, deshalb kennen wir keine genauen Parallelen, und es gibt auch keine eindeutigen schriftlichen Quellen über ihre Herstellung und ihr Schicksal. So verhält es sich übrigens auch mit allen anderen individuellen Kunstgegenständen herausragender Bedeutung - erinnert sei an die Polemiken um die Herkunft der ungarischen Krönungsinsignien. Als Erster von den ungarischen Forschern hat Géza Nagy, der hervorragende Archäologe und Waffenhistoriker seiner Zeit, das Prager Schwert in seinem dem Gedächtnis König Bêlas III. gewidmeten Prachtalbum von 1900 eingehend analysiert. 6 Der drucktechnisch prachtvoll gestaltete Band enthält auch farbige Fotografien hervorragender Qualität vom ganzen Schwert und beiden Seiten des Griffes. Die stark verwaschene Inschrift auf der Klinge konnte - wie seine Zeitgenossen - auch Géza Nagy nicht erkennen, aber er sprach der Parierstange eine auch für die Datierung wichtige Rolle zu: „Vorzüglich interessant ist die breite Elfenbeinschnitzerei, die unten am Griff das Kreuzeisen oder die Griffparierstange vertritt. Auf der hier beigefügten Abbildung ist in natürlicher Größe der Schwertgriff zusammen mit einem Teil der Klinge zu sehen, dies zeigt auffälliger als auf der vorigen Abbildung die mit grotesken Tieren (...) durchwobene geflochtene Verzierung besonderer Art, wie sie auf angelsächsischen Gegenständen aus dem X.-XIV. Jahrhundert vorzukommen pflegte ... Auch auf dem Elfenbeinknauf des Griffkopfes ist, wenn auch abgenutzt, eine frühromanische Laubverzierung zu erkennen, die den Anfang des XI. Jahrhunderts charakterisiert." 7 Über die Herkunft und Funktion des Schwertes kommt Géza Nag)' zu der Folgerung: „... das Schwert gehört noch zum karolingerzeitlichen Typ, darauf verweist auch die Laubgliederung auf dem Griffkopfknauf. Dagegen dient die Knaufform bereits als Übergang zum Typ des XI.-XII. Jahrhunderts. Die zeittypische Eigenart der verflochtenen Bandverzierung der Elfenbeinschnitzerei der Griffparierstange, die bis ins IX. Jahrhundert zurückgeht und bis ins XI. Jahrhundert reicht, hat auch Bock recht hervorgehoben; die mit solchen Verzierungen verflochtenen grotesken Tiergestalten sind allerdings auf diesem Schwert bis zur Unkenntlichkeit stilisiert. Alle typischen Eigenarten des Schwertes zeugen also davon, class wir die Tradition für echt halten und diese wertvolle Reliquie des Prager Domes für das Schwert unseres ersten heiligen Königs halten können." 8 Auf die vorzügliche Argumentation Géza Nagys hinsichtlich des historischen Schicksals des Schwertes wird weiter unten noch kurz eingegangen. Aus seiner Arbeit geht jedoch nicht hervor, ob er die Waffe selbst im Original gründlich untersucht hat oder sich vor allem in der früheren Fachliteratur informierte. Nach ihm hat auch die zweite große Gestalt der damaligen ungarischen Archäologie, József Hampel, der prächtigen Waffe Aufmerksamkeit gewidmet. In seinem 1907 erschienenen Buch gibt er vor allem eine detaillierte Beschreibung des Musters auf der Parierstange, aus der folgendes Detail stammt: „Den geometrischen Formen gesellen sich andere bei, die einmal an tierische, ein andermal an pflanzliche Formen erinnern. So zeigen sich im von den beiden größten Streifen begrenzten Raum flügelähnliche Formen, in der Mitte des Raumes zum Griff hin befindet sich ein an ein nach links weisendes geflügeltes e Nagy 1900, 234-239. ? Nagy 1900, 235-236. » Nagy 1900, 238-239.