Folia archeologica 51.

István Fodor: Szent István kardja

160 IS IVÁN FODOR die späteren Säuberungen und Restaurierungen abgebraucht und wird ursprünglich länger und etwas breiter gewesen sein. In der Klingenmitte verläuft auf beiden Seiten eine schwach eingetiefte Blutrinne, in der heute nur noch schwer und zum Teil die Buchstaben ULFBERHT der Inschrift zu erkennen sind. Die Inschrift ist ein Personenname, der Name des Eigentümers einer der gut bekann­ten rheini-schen Waffenschmieden der Karolingerzeit, aus der mehrere hundert Schwertklingen in viele Gebiete des damaligen Europa gelangten. 3 (Abb. 1.) Griffknauf und Parierstange sind - gemäß der Prager Inventare und der tradi­tionellen Auffassung - aus Elfenbein, woran aber bereits früher Zweifel von den Forschern geäußert wurden. 4 Die Struktur des Knochens ist nämlich ­anscheinend — anders als die des Elfenbeins. Eine endgültige Antwort können jedoch erst naturwissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Vor allem der Griffknauf, aber auch die Parierstange zeigen starke Abnutzungserscheinungen, aber anders als an der Klinge können sie nicht von wiederholten Reinigungen oder der Restaurierung stammen, sondern sind ausschließlich die Folge des ein­stigen langen Gebrauchs. Den Knauf unterteilt ein umlaufender eingetiefter waagerechter Doppelgraben und zwei von ihm ausgehende Querlinien in ein unteres Kreissegment und einen in drei Felder gegliederten Oberteil, so dass er somit die Form des aus zwei Teilen bestehenden Metallknaufes der Schwerter jener Zeit imitiert. Die Oberfläche war einst mit einem geschnitzten Muster verziert, aber wegen der starken Abnutzung sind nur noch dessen Spuren zu erkennen. (Die Breite des Griffknaufes beträgt 6,3 cm, die Höhe 4,4 cm, die Dicke 1,9 cm.) Der Griff selbst ist aus Holz, das mit Eisen- und Kupferdraht umwickelt wurde. Der Griff ist sicher neuzeitlich und wurde anstelle des alten - wahrschein­lich schon beschädigten - zur selben Zeit gefertigt wie die samtbezogene Scheide mit Silberzubehör, auf der die Jahreszahl 1791 steht. (Abb. 1-3.) Der Griffteil zwischen Knauf und Parierstange ist im heutigen Zustand nur 7 cm lang, was selbst für eine mittelgroße Hand zu schmal zu sein scheint. Wahrscheinlich ist das Ende des Griffdorns irgendwann abgebrochen, vielleicht bei dei' Reparatur am Ende des 18. Jahrhunderts, als der auseinandergenommene Griff der schon längst nicht mehr gebrauchten Waffe mit dem verkürzten Dorn wieder zusammengesetzt wurde. Die an ein breites Band erinnernde Parierstange ist mit den Enden leicht zur Klinge hin gebogen. Ihre Breite beträgt 3,4 cm, die Länge 9,6 cm und die Dicke 1,9 cm. Oben und unten sind die Flächen unverziert, die beiden Seiten tragen das­selbe gravierte Muster, das oben von einer eingetieften Linie begrenzt wird. Aul der abgenutzten Fläche sind auch hier die Elemente des Musters nicht leicht genau zu ersehen. Peter Paulsen meinte, auf der in umgekehrter Stellung betrach­teten Parierstange zwei Vogelköpfe erkennen zu können. Seiner Ansicht nach war nämlich das Schwert von vornherein als Herrschaftssymbol gedacht, und auf Grund einer mittelalterlichen Kodexminiatur nahm er an, der auf dem Thron sitzende Herrscher habe die Waffe mit der dem Ort nach oben gehalten, weshalb auch das Muster der Parierstange dementsprechend gestaltet wurde. 5 Selbstverständlich hat die Prager Waffe - vor allem wegen ihrer historischen Bedeutung — seit langem auch schon die Aufmerksamkeit der ungarischen S Kirpicnikov 1966, 38-40; Paulsen 1933, 52; Bakay 1967, 169-172; Rattkay 1976, 270. 4 Paulsen 1933, 53. Ähnlicher Ansicht war auch Dr. István Vörös, der Archäozoologe des Ungarischen Nationalmuseums, als er anlässlich der Ausstellung im Jahre 2000 die Parierstange des Schwertes und das vergrößerte Foto von ihr betrachtete. Für seine freundliche Mitteilung danke ich ihm auch auf diesem Wege, s Paulsen 1933, 53-55.

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