Folia archeologica 49-50.
Zsolt Mráv: Egy litterae aureae felirat Intercisából
KINK LITTERAE AUREAK-INSC.HRIFT 229 handeln könnte. Das scheint auch die Position der drei davor gebohrten, sich mit einem E-Buchstaben deckenden Dübellöcher zu bekräftigen. Die beiden vor der Abkürzung EQ verbliebenen Dübellöcher schließlich dürften zur Abkürzung SAG des Wortes sag(gitariorum ) gehört haben. Hinzu kommt, dass sich der offizielle Name der ab 176 n. Chr. in Intercisa stationierten Einheit exakt in dieser letzten Zeile Unterbingen läßt: [coh(ors) I (milliaria ) Hemes(enorum) Aur(elia) Anton(iniana) sa]g(gitariorum) eq(uitata). 5 S Das zur offiziellen Form des Namens gehörende Sigle c(ivium) R(omanorum) wurde nicht — wie es den Vorschriften entsprochen hätte im Truppennamen angegeben. Sein Fehlen ist beispielsweise auch in der Bauinschrift des unter Caracalla erbauten Sol lìlagabalus-Tem pels nachweisbar. r> 9 Der Text der Steintafel mit litterae «Mraie-Inschrift von Intercisa läßt sich also in der in Form /Pro salute et victor]ia / [hnp(eratoris) Caes(aris) M(arci) Aur(elii) Antonini pii felicis] Aug(usti) / [et luliae Aug(ustae) matris Augusti nos]tri / [et senatus ac patriae] et / [imperi(i) et senatus populique Rom]ani / [coh(ors) I (milliaria) Hemes(enorum) Aur(elia) Anton(iniana) sa]g(gitariorum ) eq( aitata) ergänzen (Abb. 13-14). Ähnlich wie bei den aus Germania superior, Raetien und Noricum stammenden Ehreninschriften der Caracalla-Zeit hat man auch in der mit vergoldeten Bronzelettern geschriebenen Inschrift von Intercisa keine Interpunktionen verwendet. 7. Im Zusammenhang mit der Interpretierung der Inschrift nicht zu vernachlässigen ist der Umstand, das Intercisa - ebenso wie Augustiana (Traismauer) — an Caracallas Reiseroute lag, in deren Verlauf er der Reihe nach die Garnisonen an der Donau aufsuchte. 6 0 Spätestens am 17. Dezember des Jahres 213 n. Chr., d.h. knapp zwei Monate nach Beendigung seines siegreichen alamannischen Vergeltungszuges, war der Kaiser schon wieder in seinem Winterquartier Nicomedia in Kleinasien. 6 1 Den langen Weg zwischen dem Oberlauf der Donau und Nicomedia musste Caracalla möglichst schnell bewältigen, weshalb er zum Reisen das für sein Alter langfristig sicherlich schnellste und bequemste Verkehrsmittel wählte, und zwar vermutlich eine mit allem Komfort ausgestattete Galeere mit starkem Begleitschutz. Wegen der zahlreichen Biegungen, Felsen und Sandbänke der Donau war das Reisen nachts unmöglich. Doch am Tage konnte man in Stromrichtung und mit ausgeruhten Ruderern bequem 60 km zurücklegen. Das ist annähernd das Doppelte der Wegstrecke, die an einem Tag zu Lande zu schaffen ist. Auch Intercisa liegt stromabwärts 60 km von der Provinzhauptstadt Aquincum entfernt, wo der Kaiser seine Reise gewiss für einen kürzeren oder längeren Aufenthalt unterbrach. Nach Aquincum dürfte die strategisch wichtigste und durch seine Bewohner syrischer Abstammung reichste Siedlung des Limesabschnitts Caracallas erste Station gewesen sein, wo er anlegen ließ und mindesten eine Nacht verbracht haben mag. 6 2 (Vielleicht finden sich in den Festungen des norisch-pannonischen Grenzgebietes deshalb weniger litterae aureaew Zui" Geschichte der Truppe: Lőrincz 2001, 35—36. Zur Benutzung der Bezeichnung Antoniniana: Lőrincz. 1985. 5 9 Riti 1139. ™ Herod. IV. 8, 1; vgl. Fitz 1961, 11; Sasel Kos 1986, 386; Halfmann 1986, 223-226. 6 1 Scheid 1998, 445. Das Kastell Augustiana (Traismauer) liegt zwei Schilfstagereiseu (ca. 120 km) von Lauriacum (Lorch/Knns) entfernt. Die Inschrift mit Goldlettern wurde also nicht zufällig gerade in dieser Festung gefunden.