Folia archeologica 49-50.

Zsolt Mráv: Egy litterae aureae felirat Intercisából

210 ZSOLT MRÁV Auge fallendes Phänomen entgangen war. In dem unten und oben von einem profilierten Leistenrahmen bzw. am linken Rand einem komplizierten Volutenmotiv begrenzten, mangels eingemeißelter Buchstaben für leer gehal­tenen Inschriftfeld befinden sich eine ganze Reihe (genau 42) in geraden Zeilen angeordnete, gebohrte Löcher. (Auf dem 1912 von A. Hekler publizierten Foto kann man sie ebenfalls gut erkennen.) Bei diesen Löchern handelt es sicher nicht um die für das poröse Gefüge des Kalksteins typischen natürlichen Gebilde, denn sie haben einen regelmäßig kreisförmigen Querschnitt, ihr Durchmesser beträgt einheitlich 0,9 cm und sie wurden rechtwinklig zur Oberfläche der Tafel eingebohrt. Die Tiefe der konisch endenden Löcher schwankt zwischen 1,8 und 2,2 cm, sie verlaufen in geraden Reihen paralell zum oberen und unteren Leistenrahmen. All das weist eindeutig darauf hin, dass die Löcher nach einem bestimmten, am Rand des Steindenkmals ausgerichteten System und mit einem Bohrer gebohrt wurden. (Wegen der Kalksteinbeschaffenheit versuchte man einige Löcher mehrmals zu bohren. In diesen Fällen liegen direkt nebeneinander zwei sich berührende Bohrungen, wovon die eine wesentlich flacher ist.) Unter den Forschern, die sich mit der römerzeitlichen lateinischen Epigraphie befassen, ist dieses System der auf römischen Steindenkmälern an der Stelle der Inschriften zu findenden, in geraden Reihen verlaufenden Löcher nicht unbekannt. Bei einem Typ der im Allgemeinen mit vergoldeten Bronzelettern (litterae aureae) geschriebenen luxuriösen Inschriften - im Falle der aus nicht eingebetteten, frei befestigten Lettern bestehenden Inschriften (sog. scrittura a caratteri applicati) - blieb nämlich nach dem Entfernen der wertvollen Bronzelettern keine andere Spur von der ursprünglichen Inschrift als die zum Befestigen der Bronzebuchstaben dienenden Dübellöcher. 4 Diese Dübellöcher bilden, übereinstimmend mit der Platzierung der Bohrungen auf der Steintafel von Intercisa, parallel zu den Rändern des Inschriftfeldes verlaufende Reihen. Nachdem es gelungen ist, den Typ des Steindenkmals von Intercisa (Inschrifttafel) sowie die Platzierung der in das Inschriftfeld gebohrten Löcher zu klären und diese als Dübellöcher zu identifizieren, darf man daraus schließen, dass die Löcher zum Befestigen von aus einige Millimeter dickem Metallblech ausgeschnittenen Lettern dienten. (Am oberen Abschluss der ersten Zeile ist sogar die eingeritzte Linienmarkierung erkennbar.) Die Steintafel hat also mit Sicherheit eine litterae awrrae-Inschrift getragen. Mit Metallbuchstaben geschriebene Inschriften können vereinzelt auch schon im Zeitalter der Republik vorkommen 5, aber zu ihrer häufigen Verwendung kommt es erst ab der Herrschaftzeit Augustus'. 6 Insbesondere nach dem Jahr 17 v. Chr., mit Beginn des neuen augusteischen aurea aetas, als eines seiner Symbole 7, verbreitet sich die Anwendung der Technik in Italien und einigen Provinzen (Hispanien, Gallien, Afrika) schnell. Die Mehrzahl der Inschriften mit litterae aureae stammt aus der frühen Kaiserzeit, und in den meisten Provinzen ist die Mode ihrer Verwendung über die traianisch-hadrianischen Zeiten hinaus nicht nachweisbar. Alle der in diesen Zeitraum zu datierenden bekannten Denkmäler sind in ziviler Umgebung, hauptsächlich in großen Städten, geschaffene Repräsentationsinschriften, die in erster Linie Tempel und andere öffentliche 4 Zur Befestigungstechnik der Bronzebuchstaben: Amy 1970, ; Amy 1979, 177; Di Stefano Manzell a 1987, 141-142; Alföldy 1990, 68-74; Alföldy 1995, 205-208-Alföldy 1997, 4-8. 5 Zusammenfassend über das Vorkommen von Inschriften mit Metallbuchstaben (z.B. in der Pflasterung der Foren von Asisium und Feretrium) siehe: Alföldy 1990, 68-70. 6 Alföldy 1990, 70-71. 7 Gros Í976, 411. mit Aura. 184; Alföldy 1990, 72-73; Alföldy 1992, 72; Alföldy 1997, 6.

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