Folia archeologica 47.
Endre Tóth: Pogány vagy keresztény?
128 ENDRE TÓTH übereinstimmt, die spätrömische graue, rauhe Keramik herstellte. Vera Lányi 6 5, die das Material veröffentlichte, konnte aber die Frage nicht beantworten, in welche Zeit diese Keramik - unabhängig von der Verzierung - zu datieren sei. Die Schalen datierte sie aufgrund der Kreuzdarstellung mit Hilfe der afrikanischen Sigillata chiara ins 5. Jahrhundert. 6 6 Ein heute noch unlösbares Problem verursacht, daß die Funde aus dem Tokoder Friedhof kaum später als in die ersten Jahrzehnte des 5. Jahrhunderts zu datieren sind. Deshalb können wir nicht wissen, wann diese mit Kreuzen verzierten Stücke aus dem 5. Jahrhundert gefertigt wurden und wer sie benutzte. Die Lösung wird noch dadurch erschwert, daß aie Römer in den 430er Jahren Osttransdanubien an die Hunnen übergaben und das Gebiet räumten. 6' Die Frage ist, ob danach - teils wegen der Räumung, teils aus Angst vor den Hunnen - eine romanisierte christliche Bevölkerung entlang der Donaugrenze geblieben sein konnte. Allerdings wird die Räumung Osttransdanubiens, der Provinz Valeria, um 430 kaum unter so geordneten Umständen erfolgt sein wie die Dacias unter Trajan. Auch die Form der Kreuze auf den provinzialen Spiegeln weist darauf hin, daß die Kreuze nicht als christliches Symbol beabsichtigt waren. Ihre Gestalt ist nämlich sehr charakteristisch: An die Enden der Balken schließt sich ein betonter, langer Fuß an. Ein sog. "Jerusalemer Kreuz" solcher Form kommt aber weder im 4. noch im 5. Jahrhundert vor. Ein der kreuzförmigen Verzierung der Spiegelrückseiten ähnliches Kreuz mit Füßen an den Balken erscheint in Wirklichkeit erst auf den Münzen von Tiberius II. (558-582) als christliches Symbol. Infolge obiger Ausführungen ist die kreuzförmige Verzierung auf der Rückseite spätrömischer Spiegel niclit als christliches Symbol gedacht gewesen. Es läßt sich allerdings nicht ausschließen, ja ist sogar wahrscheinlich, daß der Spiegel von Intercisa in einen Kästchenbeschlag eingefaßt wurde, weil man damals das Kreuz bereits als christliches Symbol verstand. Auch sonst kommt die sekundäre Verwendung früherer Gegenstände oder Gegenstanddetails im Kästchenbeschlag vor. 68 Vermutlich spielte der gleiche Umstand auch dabei eine Rolle, daß das Stück aus Emona in ein Grab des 5. Jahrhunderts gelangte. Diese Spiegel wurden aber nicht mit einem an ein Kreuz erinnerndes Muster verziert, weil man dem Zeichen einen christlichen Sinn gab. Zusammenfassend: Der Ring mit Inschrift aus Tata kann nicht ins 4. Jahrhundert, sondern nur auf später datiert werden: möglicherweise in die Völkerwanderungszeit, er kann aber auch aus dem ungarischen Mittelalter stammen. In Pannonién gefundene, mit Kreuz verzierte Spiegel und ihre Nachahmungen aus einem Grab von Mende-Bille puszta wurden zwar im 4. Jahrhundert gefertigt, doch sind die Kreuze nicht als christliches Symbol, sondern als einfache Verzierung verwendet worden. Das Kreuz als christliches Symbol erscheint erst um die 400er Jahre herum auf kunstgewerblichen Gegenständen, und die Form des die Spiegel zierenden Kreuzes stimmt nicht mit der Gestalt der frühesten als christliches Symbol zu verstehenden Kreuze überein. Da diese Spiegel im Laufe des 4. Jahrhunderts in Gebrauch waren, ist ihre späte Nutzung als Kästchenverzierung möglich. An der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert oder später wurden sie ins Grab beigegeben, weil die Kreuze bereits als christliches Symbol aufgefaßt wurden. 6 5 Lányi 1981, 86. 6 6 Eine mit Kreuz verzierte Schale - ohne genauere Datierung - ist aus Mursa bekannt: Bulat M., Nalazi terra sigillate na donjogradskom pristanistu u Osijeku 1961 godine (Terra sigillata findings of 1961 in the Warf of Donji grad in the Osijek City), OZ 18-19, 1987, 37-76, 1987, 56 Nr. 2. 6 7 Tóth E., Provincia Valeria Media, ActaArch. 41, 1989, 197-216; Bóna I., Das Hunnenreich, Budapest 1991, 217. 6 8 Gáspár 1986 Nr. 453, ebenfalls ein Fund aus Dunaújváros.