Folia archeologica 47.

Endre Tóth: Pogány vagy keresztény?

HEIDNISCH ODER CHRISTLICH? 119 mige Verzierung der Spiegel: Sind diese Kreuze bloße Verzierungen oder inhalts­volle Zeichen? Auch wenn der Spiegel aus Intercisa in spätantike Zeit zu datieren ist, bleibt die Frage, ob der Spiegel aus der gleichen Zeit wie das Grab stammt, in dem er gefunden wurde, und nicht älter ist? Glaubwürdig könnten wir darauf nur antworten, wenn einerseits die Aufarbeitung der römischen Spiegel aus Pannonién geschehen wäre und wir andererseits das Erscheinen und die Verwendung des Kreu­zes als christliches Symbol berücksichtigen. Denn während das Christusmonogramm und das Staurogramm im 4. Jahrhundert erscheinen, läßt sich die Verwendung des allein stehenden kreuzförmigen Zeichens als christliches, religiöses Symbol erst seit den 400er Jahren beweisen, so daß jedes auf früheren Einzelstücken oder in Gruppen auftretende Kreuz für sich gesondert gedeutet werden muß. Man kann nicht von vorn herein behaupten, daß jede Geraß- und Steingravur, wie sie häufig vorkommen, ein christliches Symbol sei. Die christliche Deutung dieser Kreu­ze ist ebenso zweifelhaft, wie wenn wir den aus dem 4. Jahrhundert stammenden oder im 4. Jahrhundert häufigen guten Wünschen (vivas, utere felix) christlichen Sinn beilegen würden. Das kreuzörmige Zeichen kommt auch schon früher in nichtchristlicher Um­gebung vor. Auf einem Spielwürfel von unbekanntem Fundort, der sich im Unga­rischen Nationalmuseum befindet, gibt es außer den Inschriften auch ein kreuz­förmiges Zeichen, mit einem Rhombus in der Überschneidung der Kreuzlinien 16 (Inv.-Nr. 54. 66. 27). Drei Spielwürfel ebensolchen Typs mit gleicher Inschrift fan­den sich in Autun. 1 7 Auf einer Seite befindet sich ein Fußkreuz. Der Spielwürfel zeigt gut, daß das kreuzförmige Zeichen nicht nur im christlich-kultischen Bereich in der Kaiserzeit benutzt wurde. Ein gutes Beispiel für das pannonische, nicht als christliches Symbol benutzte Kreuz ist der silberne Gürtelbeschlag von Budaújlak. 18 Das geometrisch angeordnete Muster aus viereckigen Blechen wurde mit Metall­einlagen und in Niello-Technik gefertigt. In den Ecken der Bleche befinden sich Kreuze mit sich verbreiternden Balkenenden im Kreis. Früher nahm man einen christlichen Gebrauch dieser Stücke an. 1 9 Diese Deutung schließen aber die als Grabbeigaben gefundenen Münzen aus, die mit der Tetrarchie enden. Die Ver­wendung des aus zwei senkrecht zueinander stehenden Linien - wenn man so will, aus cardo und decumanus - gebildeten kreuzförmigen Zeichens war in der Kaiser­zeit viel allgemeiner und häufiger, als daß man diese Zeichen von vorn herein als christliches Symbol deuten könnte. Im großen Grabbau des Gräberfeldes der Fe­stung Alsóhetény kam eine viereckige Steinplatte zum Vorschein, auf der ein ein­graviertes kreuzförmiges Zeichen im Kreis zu sehen ist. Wenn sie nicht in situ ge­funden worden wäre, hätte man es auch für ein christliches Symbol halten können, denn der Friedhof stammt aus dem 4. Jahrhundert und der Grabbau aus seiner zweiten Hälfte. Die Fundstelle aber verriet, daß man mit seiner Hilfe die Säulen­reihe im Hof des Gebäudes vermessen hat: es fand sich nämlich an seinem origina­len Platz am ersten Pfeiler neben dem Gebäude, es war der richtungsanzeigende Fluchtpunkt. Kreuzförmige Zeichen - als einfaches Ziermotiv oder eben (nichtchristliches) Symbol - kommen auch in Zeiten weit vor dem 4. Jahrhundert vor. Um nur bei den Vorkommen aus der römischen Kaiserzeit zu bleiben, zeigen die punzierten 1 6 UNM Inv.-Nr. 54. 66. 27 1 7 Autun - Augustodurum, Capitale des Éduens. Autun 1987, 129, Nr. 207. _ 1 S Hekler A., Római ezüst övdíszek (Römische silberne Gürtelzierden), ArchÉrt 30, 1910, 242-249; В. Thomas, E., Spätantike und frühbyzantinische Silbergegenstände im mittleren Donaugebiet. In: Argenterie Romaine et Byzantine, Actes de la Table Ronde Paris 1983 (éd. Fr. Baratte), Pl. V; Burger A., Késő római sírok Aquincumban (Spätrömische Gräber in Aquincum), BudRég 14, 1984, 65-118; Fischer, T., Zur römischen Offizierrüstung im 3. Jahrhundert n. Chr. Bayerische Vorgeschichtsblätter 53, 1988, 167-198. 1 9 Nagy 1938, 64-66.

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