Folia archeologica 36.
Parádi Nándor: A sály-latori palmettás zablapálca
DER PALMETTENVERZIERTE TRENSEKNEBEL AUS SÁLY-LATOR In Latorpuszta (Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén) nördlich von der Gemeinde Sály, unter der W-Seite des Burgberges, wurden mit einem Wasserleitungsgraben die Überreste einer mittelalterlichen Siedlung und die Steinmauer eines spätmittelalterlichen Kellers durchgeschnitten. Bei der Aushebung eines Teils des Kellers kam im steinvermischten Grus die untere Partie eines palmettenverzierten Trenseknebels aus Hirschgeweih zum Vorschein (Abb. 1 — 3). In diesem Bereich kamen bereits vor einigen Jahren Überreste einer landnahmeund arpadenzeitlichen Siedlung zum Vorschein (in die Erde eingelassene Häuser, Öfen, etwas weiter die Fundierung einer Rotunde, die in die Siedlungsschicht eingegraben wurde, mit Gräbern eines Gräberfeldes, das diese Rotunde umgab). Das Trenseknebelfragment gehörte zu der landnahmezeitlichen Siedlungsschicht. Aus Gräbern der landnahmezeitlichen Gräberfelder sind nur wenige Trenseknebel bekannt, die aus Hirschgeweih angefertigt wurden. Die meisten waren geschnitzt, aber es gab auch einige, die mit Einritzung verziert waren. Das Fragment von Sály-Lator sieht am meisten der unteren Partie des palmettenverzierten Knebels aus Hirschgeweih ähnlich, die in Grab 30 des Gräberfeldes E von Kiszombor (Komitat Csongrád) freigelegt wurde. Die Struktur dieses Fundes war mit dem der übrigen Trenseknebel aus Hirschgeweih identisch, bei denen das Backenstück in die an dem Knebel befestigte Öse und der Handzügel in den äußeren Ring des Mundstücks geleitet waren. Zwischen dem Fund von Sály-Lator und den übrigen Trenseknebeln sowie zwischen ihren Fundorten sind zwei bedeutende Unterschiede festzustellen: Der eine ist, daß dieser Fund nicht in einem Grab als Grabbeigabe, sondern im Bereich einer Siedlung freigelegt wurde. Die Erdhäuser, die Öfen und ihr Fundstoff belegen, daß die Siedlung im 10. Jahrhundert, während der ungarischen Landnahme bestand. Der andere Unterschied ist, daß auf diesem Knebel keine Abnützungs-, Gebrauchsspuren zu erkennen sind, auch die Spuren des Eisenzubehörs und von Eisenrost von der Trense fehlen völlig. Dies beweist, daß der Knebel vor seiner Befestigung an der Trense, bei der Durchbohrung des oberen Loches für die Befestigung der Öse auseinanderbrach, weshalb er als unbenutzbares Stück weggeworfen wurde. Historische Quellen belegen, daß die S-Seite des Bükk-Gebirges während der ungarischen Landnahme von der Sippe Örsur in Besitz genommen wurde. Das Zentrum des Örsur-Sippe kann mit der Erdburg mit gebranntem Wall auf dem Plateau des Burgberges identifiziert werden, wo aus dem durchgeschnittenen Wall Scherben zum Vorschein kamen, die ins 10. Jahrhundert datiert werden konnten, und so fällt die Errichtung des Walls in die Zeit der ungarischen Landnahme. Der Trenseknebel, der während der Durchbohrung auseinanderbrach, verweist darauf, daß er in der Siedlung unter dem Burgberg, die in den Urkunden als „Váralja" (Schlossgrund, suburbium) bezeichnet wurde, hergestellt war. Die zu dem Geschlechtszentrum gehörenden Handwerker arbeiteten wahrscheinlich hier, und der reich verzierte, geschnitzte Knebel konnte wahrscheinlich für ein Mitglied von höherem Rang der Örsur-Geschlechts hergestellt gewesen sein.