Folia archeologica 31.

Fodor István: Honfoglalás kori korongjainak származásáról. A verseci és tiszasülyi korong

218 I. FODOR Die Ausbildung von Reiteranhängern ist wahrscheinlich auf kaukasische Traditionen zurückzuführen, hier hatte nämlich die Bronzeplastik zu dieser Zeit bereits eine Vergangenheit von mehreren Jahrtausenden. 11 9 Es waren aber die Alanen, die zuerst die Komposition in eine Scheibe (in einen Rahmen) gefaßt hatten. Durchbrochene radförmige Scheiben mit Speichen kommen in alanischen Gräbern gleichfalls häufig vor, 12 4 die frühesten Exemplare finden wir bereits bei ihren Vorgängern, den frühen Sarmaten. 12 3 Dieser Objekten­typ wurde wahrscheinlich durch die Sarmaten und Alanen bei den Bulgaro­Türken des Wolga­12 7 und Donau-Gebietes 12 8 verbreitet, ferner bei den finno­ugrischen Völkern der Kama­12 9 und Wolga-Gegend 13 0 und im Gebiet jenseits dem Ural, 15 3 bei den Samojeden, 13 2 und in geringerer Zahl auch bei andereu Völkern. 13 1- 13 3 Bei den Awaren des Karpatenbeckens können wir es höchst­wahrscheinlich mit den bulgaro-türkischen (evtl. alanischen) Völkerkompo­nenten verbinden. Zweifellos geht die Scheibe von Tiszasüly auf alanische Vorbilder (wahr­scheinlich auf Alanen der Saltowo-Kultur) zurück. Die Scheibentracht der Ungarn durfte in der Nachbarschaft der Saltowo-Kultur, im lewedischen Siedlungsgebiet ihren Anfang genommen haben. In ungarischen Gräbern des 10. jhs. findet man diese Scheiben immer einheitlich an der gleichen Stelle, sodaß ihre. Funktion als Zopfschmuck der Frauen zweifellos ist. Mangels genauer Daten der Ausgrabungsberichte ist uns die Trageweise der ähnlichen Scheiben in Osteuropa nicht genügend bekannt, wir können es aber für gewiß annehmen, daß sie als Talismane bzw. Amulette mit apotropäischen und glücks­bringenden Eigenschaften getragen wurden. In Gräbern kommen sie haupt­sächlich in der Gegend des Gürtels oder auf der Brust vor. 22, 13 e> 13 7 Bei finno­ugrischen Völkern, 14 2 bei Wolga-Bulgaren 14 0" 1 bzw. Donau-Bulgaren 138 kommt — ähnlich wie bei den Ungarn — gelegentlich ein Gebrauch als Zopf­schmuck vor. Das gleiche können wir von einzelnen Awarengräbern anneh­men, obwohl bei ihnen ähnliche Scheiben meistens am Gürtel oder auf Ta­schen getragen wurden. 14 5 Bei den Ungarn der Landnahmezeit durfte der Glaube vorherrschend sein, daß die weiblichen Zöpfe eine besondere Bedeu­ungt haben, da diese stets die reinsten Teile der Frauen sind. 15 1 Nach dem Glauben der mit den Ungarn verwandten Ob-Ugrier sitzt eine der Seelen der Frau auf ihrem Zopf. 15 2 Es könnte mit diesem Glauben zusammenhängen, daß die Ungarinnen ihre Zierscheiben — d.h. apotropäische, glückbringende Amulette — auf ihren Zöpfen trugen. (Bei einigen finno-ugrischen Völkern sind diese Zopfscheiben bis in unsere Tage erhalten geblieben. 14 7" 15 0) In Betracht der Scheibe von Tiszaszüly finden wir die Reiterfiguren auf sibirischen Schamanentrommeln 15 9" 16 0 und auf Darstellungen anderer Kult­gegenstände 15 8 bemerkenswert, welche stets die mit der Überwelt eine Ver­bindung aufrecht erhaltenden, die Mitglieder der Gemeinschaft und deren Schamanen behütenden, hilfreichen Geister verkörperlichten. U.E. sah die einstige Trägerin auch in der Scheibe von Tiszasüly den Sitz eines ähnlichen hilfreichen Geistes. Zwar sind ähnliche anthropomorphe Darstellungen in der Hinterlassenschaft der landnehmenden Ungarn sehr selten, doch nicht al­leinstehend. Nebst einigen, vermutlich anthropomorphen Beschlägen stellt der Beschlag von Bodrogszerdahely (Streda nad Bodrogom) zweifellos ein Menschengesicht dar, einen ähnlichen hilfreichen Geist symbolisierend (Abb.

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