Folia archeologica 30.

Sándor Soproni: Municipium Halicanum

96 S. SOPRONI Bezüglich des Territoriums des neuen Munizipiums verfügen wir über keine konkreten Angaben. A. Mócsy hat in der jüngsten Vergangenheit im Zusammen­hang mit den Städtegründungen unter Hadrianus die Frage der Munizipalisation der peregrinen Gemeinden von neuem aufgeworfen. 2 1 An der Drau werden von Plinius vier Stämme aufgezählt 2 2 und aus den civitates dieser Stämme bildeten sich die Siedlungen städtischen Ranges aus: im Gebiet des Stammes der Serretes Poe­tovio, im Gebiet der Serapilli Iovia, im Gebiet der Iasi Aquae Balizae = Muni­cipium Iasorum, während in jenem des Stammes der Andizetes Mursa und Mur­sella. 2 3 Das Bereich von Halicanum gehörte zum Territorium des östlich von Poeto­vio seßhaften Stammes der Serapilli 2 4 und so halten wir es für wahrscheinlicher, daß Halicanum als einstige civitas Serapillorum den Munizipialrang erhalten haben dürfte. 2 5 Das Territorium der neuen Stadt war im Norden von Salla, im Westen von Poetovio, im Süden von Audantonia und im Osten von Aquae Balizae = Muni­cipium Iasorum begrenzt. 2 6 Mit dem städtischen Rang von Halicanum im Zusammenhang müssen wir die Aufmerksamkeit noch auf eine augenfällige Tatsache lenken: auf die geogra­phische Verteilung der Siedlungen städtischen Ranges an der Bernsteinstraße ( Abb. 2). Die Strecke zwischen Poetovio und Carnuntum beträgt dem Itinerarium Antonini nach 164 MP. In dieser Entfernung sind uns aus Poetovio ausgehend fünf Siedlungen städtischen Ranges bekannt; die Entfernung zwischen ihnen be­trägt durchschnittlich 32-33 MP. Außer den drei älteren städtischen Siedlungen Savaria (colonia Claudia) , Scarabantia (municipium Flavium) und Poetovio (co/onia Ulpia Traiana) bildeten auch Carnuntum (municipium Aelium ), Salla (municipium Aelium) und Halicanum (vielleicht gleichfalls municipium Aelium) um großen und ganzen auf je eine Tagereise voneinander, an der während der ganzen rö­mischen Herrschaft so wichtigen Handels- und Heerstraße ein regelmäßiges Städtesystem. 2 7 Unter Beachtung der einheitlichen Anordnung der Städte halten wir es nicht für ausgeschlossen, daß diese Regelmäßigkeit mit der früheren militä­rischen Besetzung im 1. Jh., mit den an der Bernsteinstraße vorausgesetzten Mili­tärlagern in Verbindung gestanden haben dürfte. 2 8 2 1 Mócsy, A., Acta Arch. Hung. 21(1969) 349f.; Ders., Pannónia. 609.; Vgl. noch Nagy, T., Aspekte . . 93ff. 2 2 Plinius, Hist. nat. III 147: „Dravus per Serretes Serapillos Iasos Andizetes. . . " 2 3 Mócsy, A., Acta Arch. Hung. 21(1969) 349f. 2 4 Ders., Die Bevölkerung . . . 28ff. Vgl. noch Ders., Pannónia. 607 Kartenbeilage. 2 5 Über den von A. Mócsy vorausgesetzten [Acta Arch. Hung. 21(1969) 349f.] städtischen Rang - civitas - von Iovia steht uns erst aus einer späteren Zeit eine Angabe zur Verfügung. Es ist zu bezweifeln, ob die Siedlung selbst den städtischen Rang früher erhalten hätte. 2 6 Die vom nahen Varasdteplic (Varazdinske Toplice) stammende Inschrift dec. mun. [. . .] kann eventuell ebenfalls auf Halicanum bezogen werden. CIL III 10891 = AIJ 464. A. Mócsy [Acta Arch. Hung. 21(1969) 349. Anm. 93.] denkt an einen Dekurio aus Iovia. 2 7 Diese Tatsache wird schon von E. Tóth [Geschichte der Oberen Wart im ersten Jahrhun­dert. In: Die Obere Wart (Oberwart 1977) 79.] betont.; Zur Bedeutung der Bernsteinstraße: Mócsy, A., Die Bevölkerung . . . 97f. ; Ders.\ Pannónia. 659ff. ; Balla, L., Acta Classica Univ. Debreceniensis 2(1966) 89ff. ; Nagy, T., Aspekte . . . 93f. Vgl. noch Graf, A., a. a. 0. 42ff. und 59ff. ; Becker, A., Die Bersteinstraße in Niederdonau. (St. Pölten 1941) 2 8 Sasel, ]., Die Limes-Entwicklung in Illyricum. In: Actes du IX e Congres International d'Études sur les Frontières Romaines, Mamaia, 6-13 sept. 1972. (Bucureçti-Kôln 1974) 193ff.; Tóth, E., a. a. O.

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