Folia archeologica 30.
Attila Kiss: A Kölked-feketekapui avarkori germán temető és telep
KÖLKED—FEKETEKAPU 191 äologischen Quellen ergibt sich aber daraus, daß Ethnos und archäologische Kultur einander nicht völlig gleichzusetzen sind. Die auf dem Gebiet des awarischenStaates lebenden Völker verschiedenen Ursprungs, jeweils einem anderen Ethnikum angehörend, übernahmen dadurch, daß sie in einer gemeinsamen Machtspähre, in einem gemeinsamen Produktions- und Verbraucherkreis lebten, die materielle Kultur der die Mehrheit bildenden Awaren. Die Masse der awarenzeitlichen Kultur bedeutet also die archäologische Kultur der Völker des awarenzeitlichen Staates und nicht nur jene von einem Ethnos. Die im archäologischen Sinne zu verstehende kulturelle Assimilation war selbst noch am Ende der Awarenzeit nicht immer gleichbedeutend mit einer in sprachlichem und geistigem Sinne zu verstehende Assimilation. Der Widerspruch zwischen den beiden Quellengruppen wird durch die Analyse der Gräberfelder solcher Gemeinschaften konkret aufgelöst, wo die Bevölkerungsgruppe fremden Ursprungs lange Zeit an ein und demselben Ort lebte, wobei man den Trend zur archäologischen Assimilation verfolgen kann. Ein solcher Fundort scheint aber die Siedlung Kölked-Feketekapu zu sein, wo man allen Anzeichnen nach die Spuren einer materiellen und kulturellen Assimilation der ursprünglich germanischen Gemeinschaft verfolgen kann. 9 9 Dieser Text wurde am 14. Dez. 1976 im Novi Sad am Symposion „Probleme der Völkerwanderungszeit im Karpatenbecken (5.-8. Jh.)" der „Matica Srpska" als Vortrag vorgelesen und besprochen.