Folia archeologica 28.

József Korek: Die Ausgrabungstätigkeit des Ungarischen Nationalmuseums im Jahre 1975

AUSGRABUNGSTÄTIGKEIT 215 jüngste auf die Árpádenzeit datiert werden. Die Zahl der erschlossenen Gräber erreichte im Jahre 1975 schon die 80. Für die Siedlungsreste - ein Teil derer auf das 9. Jahrhundert fällt — sind vor allem die Arbeitsgruben charakteristisch. Im Laufe der Ausgrabung entfaltet sich ein aus mehreren Perioden bestehendes und auch terrainmäßig zergliedertes Festigungssystem, daß nur in einem gewissen Abschnitt den Rand der Insel begleitet. Die Ausgrabungen im Jahre 1975 liefer­ten zum Uferbefestigungssystem des nördlichen Randes der Insel wichtige Daten. Die Grabungsleiterin Á. Cs. Sós hat ein in etwa 30 m breitem Streifen angewand­tes Flechtwerk system freigelegt. Die nächste Analogie dieses Systems liefert die Periode der slawischen Wallburg von Berlin-Spandau aus dem 8.-9. Jahrhundert. Die Reste des in Zalavár erschlossenen Systems können auf das 9. Jahrhundert datiert werden und sind gleichaltrig mit dem einen, im nördlichen Teil der Insel unter Erschließung stehenden Palisadensystems. Die Größe des Areals und die sich stellenden Probleme machen es notwendig, die Ausgrabung in nördlicher und westlicher Richtung fortzusetzen. Zwei-drei Forschungskampagnen werden noch nötig sein, um durch das völlige Erschließen des Gebietes alle Einzelheiten der Siedlung zu klären. In der Einrichtung des ungarischen Feudalismus im 11. Jahrhundert fiel den Gespanschaftszentren eine bedeutende Rolle zu. Die Erforschung dieser mit Hilfe archäologischer Methoden war eine der hervorragendsten Aufgaben des vergangenen Planzyklus. Die größte Arbeit richtete sich auf die Freilegung der Erdburg von Szabolcs im Dorfgebiet bzw. der in den Anziehungskreis des Stammsitzes gehörenden dienstleistenden Siedlungen. Diese Ziele steckte sich I. Fodor seit 1971 bei der Freilegung der Siedlung von Szabolcs-Kisfalud vor. Über die ersten Ergebnisse von 3 Jahren hat der Ausgräber in seinem Vorbericht be­reits in der vorangehenden Nummer der vorliegenden Zeitschrift (FA 26.1975. 171-182) Rechenschaft abgelegt. 1975 wurde die Erschließung des aus dem 11.-13. Jahrhundert stammenden Siedlung in kleinerem Tempo fortgesetzt und es kamen von etwa 350 m 2 Abfall­gruben und durch das Pflügen beschädigte Teile von frei stehenden Backöfen zum Vorschein. Neben den ausgiebigen árpádenzeitlichen Keramikfunden kann zur genaueren Datierung der an das 12. Jahrhundert knüpfbare Haarring beitragen. Auch die Namen der Siedlungen in der Umgebung der Burg Szabolcs (Timár = Gerber, Halász = Fischer) weisen auf den dienstleistenden Charakter der Dörfer hin. Die Bestrebung der Ausgrabung, die Stelle des einst zwischen Szabolcs und Balsa gelegenen Dorfes Halász an der Theiß aufgrund der Ober­flächenspuren zu entdecken, war erfolglos. Eine andere wichtige Stelle der Erforschung der Gespanschaftszentren bil­det \ /isegrád. Die Ausgrabungen wurden in einem gefährdeten Gebiet im unmittel­baren Bereich des Zentrums, in der Flur Várkertdűlő begonnen und als deren Ergebnis die dort gewesenen Gräberfelder und Siedlungen aus dem 10.-11. Jahrhundert erschlossen. Das Zentrum stand auf dem Hügel Sibrik-domb und wurde auf ein römisches Lager errichtet. Im Jahre 1975 wurden unter der Leitung von S. Soproni und M. Szőke in diesem Abschnitt die Forschungen durchge­führt. Es wurde die Freilegung des im Anfang des 11. Jahrhunderts erbauten, großen, zweiteiligen Wohnhauses beendet, das seinen Maßen nach der Flerrenhof eines Gespans gewesen sein dürfte. Mit seiner 16,5 m-Länge und 9-10 m-Breite ist das Objekt unter den árpádenzeitlichen Wohngebäuden einzig in seiner Art.

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