Folia archeologica 27.
Endre Tóth: Savaria és környéke IV-IX. századi történeti problémáihoz
96 E. TÓTII Rolle der Verzweigung des Baches in zwei Arme, so finden wir auch den Grund für den Bau des künstlichen Kanals. Zur Zeit wird nämlich bei Gencsapáti, unmittelbar nach der östlichen künstlichen Abzweigung, also das heutige GyöngyösBett von einer Schleuse abgesperrt ( Abb. 3), die bei einem größeren Wasserstand nur eine bestimmte Wassermenge in den Kanal abläßt. 1 0 Das nicht durchgelassene Wasser fließt in den westlichen Arm, in die Perint über (Abb. 5). Bei höherem Wasserstand kann also die überflüssige Wassermenge in der Perint ablaufen und in den künstlichen Kanal floß nur die mit der Schleuse geregelte Wassermenge, was auch heute der Fall ist. Zahlenmäßig ausgedrückt: das auf 100 Jahre berechnete durchschnittliche Maximum der Gyöngyös beträgt nördlich von der Verteilung 120-130 m : !/sec. Diese Wassermenge kann das ungeteilte Bett noch fassen. Nach der Teilung werden in den künstlichen Kanal der Gyöngyös 5 m : l/sec durchgelassen; so gelangt also in den oberen Teil der als Hochwasserablaß bezeichneten Perint eine Wassermenge von 115—125 m 3/sec. Aus diesen Angaben geht auch hervor, daß der künstliche Teil des Bettes der Gyöngyös zum Durchfluß einer Wassermenge von 120-130 m ; !/sec keinesfalls geeignet sein konnte. In der Perint hat man anläßlich des Hochwassers im Jahre 1965 bei Szombathely 168 m 3/sec gemessen und der Bach trat auch aus seinen Ufern. Setzen wir fallweise eine solche Wassermenge voraus, so ist es offenkundig, daß das künstliche Bett der Gyöngyös mit 5 m : i/sec Durchlauf diese Wassermenge nicht bewältigen hätte können. 1 7 Folglich kann keine Rede davon sein, daß die abzweigende Perint ein Stück lang ein künstliches Bett hätte. Die Wassermenge von 168 m 3/sec beeinhaltet aber auch die Wasserzufuhr der nach der Abzweigung in die Perint sich ergießenden beiden Bäche. Es liegt also auch das auf der Hand, daß man zur Römerzeit, als das Bett der Perint noch nicht geregelt war, oft mit einem Hochwasser rechnen mußte, das die römische Stadt oder zumindest deren tiefer gelegenen Teile unter Wasser setzte. Selbst in den neuern Zeiten ist es ja in diesem Gebiet oft zu einer Überschwemmung gekommen. 1 8 Dies war also das Problem, was die Regulierung notwendig gemacht hatte, das man mit der Teilung des Wassers des Gyön1 G Für die bezüglich der hydrographischen Angaben geleistete Hilfe spreche ich auch an dieser Stelle M. Vargha (Direktion für Wasserwesen Westungarns, Szombathely) meinen Dank aus. 1 7 Es scheint, daß die Kapazität von 5 m ; i/sec zum Ableiten einer größeren Hochwasserquelle nicht geeignet war bzw. ist es fraglich, ob sie dazu genügte? Auch gegenwärtig sind gewisse Wasserregulierungsarbeiten notwendig geworden, da der künstliche Gyöngyös-Kanal nicht in jedem Falle zum Ableiten einer größeren Hochwasserwelle ausreichend war. Den Grund für die römerzeitliche Errichtung des künstlichen Kanals können wir nur darin suchen; sonstige Gesichtspunkte (über Bedeutung in der Verteidigung; über die Wassermühlen der Römerzeit stehen uns aus Savaria keine Angaben zur Verfügung) sind allerdings nur von sekundärer Bedeutung. Hat der Kanal zwar die periodischen, vermutlich häufigen Überschwemmungen der Perint auch nicht völlig eingedämmt, bewirkte er dennoch die Entwässerung der südlichen Teile der römischen Stadt. Ferner ist uns auch unbekannt, ob das Bett des künstlichen Kanals zur Römerzeit vielleicht doch dazu geeignet war, um eine größere Wassermenge als 5 m 3/sec abzuleiten: in der von der Römerzeit bis zum ungarischen Mittelalter verstrichenen Zeit können wir mit der teilweisen Auffüllung des Flußbettes rechnen; andrerseits ist uns das vorausgesetzte, zur Verteidigung dienende, mit Wasser gefüllte Grabensystem der mittelalterlichen Stadt und Burg, das das frühere hydrographische Bild gleichfalls modifizieren hätte können, noch nicht genau bekannt. Die in der Studie mitgeteilten hydrographischen Angaben stammen aus der Zeit vor der letzten Regulierung. 1 8 Schoenvisner, Л'., Antiquitatum et históriáé Sabariensis. (Pest 1791) 379.