Folia archeologica 26.
Die Ausgrabungen des ungarischen Nationalmuseums im Jahre - Miklós Héjj: Ausgrabungsbericht über die Erschließung des königlichen Wohnpalastes zu Visegrád — Nord-und Donauflügelsektor
VISEGRÁD 197 steckung unserer Forschung. Aufgrund der von den in der Achsenlinie der Kapelle liegenden Stufensystemen bestimmten Hauptverkehrsstraße kann man die Stelle des Haupteinganges im Bereich des heurigen Einganges des Ruinenfeldes unter Fő u. 27—29 als wahrscheinlich betrachten. In seiner Nähe haben wir an der westlichen Hauptfassade in dem sich einer Mauer von 40 m 2-Grundfläche anschließenden unteren Teil die Reste eines mit drei massigen Stützpfeilern verstärkten, in beiden Etagen mit Gewölbedecken gebauten Turmes freigelegt. Laut Bezeugung der Forschung hat man den Turm, dessen Fassaden sehr reich verziert gestaltet waren, beim Verfall des Palastes voraussichtlich um seines wertvollen Stein materials halber abgetragen. Die Fläche zwischen den drei Strebepfeilern haben die Massen der herabgestürzten und zerbrochenen architektonischen Zierelemente fast aufgefüllt. Eine große Menge von Gewölberippen, Gewölbeschließsteinen, Hängerippen, Tragbögen, mit Rankenblättern reich verzierte Steinumrahmungen von eselsrückenförmigen Öffnungen, steinerne Tür- und Fensterrahmen, Konsolen zum Tragen von Statuen, Baldachinfragmente, mit Wappen verzierte Gesimse, wappentragende Herolde und Tiere sowie eine große Zahl von Wappenfragmenten zeugen von der sehr reichen Verzierung des Turmes (Abb. 2~ 4)Der Turm ist unserer Meinung nach ein Teil des Haupteinganges, sein sehr reicher Wappenschmuck diente dem Zweck der königlichen Repräsentation. Aufgrund der Struktur, des Stils der architektonischen Zierelemente, der Motive der Wappen müssen wir die Bauzeit auf die Herstellungszeit des mit Löwen verzierten Brunnens auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts setzen.