Folia archeologica 26.
Die Ausgrabungen des ungarischen Nationalmuseums im Jahre - Miklós Héjj: Ausgrabungsbericht über die Erschließung des königlichen Wohnpalastes zu Visegrád — Nord-und Donauflügelsektor
IV. AUSGRABUNGSBERICHT ÜBER DIE ERSCHLIESSUNG DES KÖNIGLICHEN WOHNPALASTES ZU V I S E G R A D —N О R D - U N D DONAUFLÜGELSEKTOR MIKLÓS HÉJJ Die historischen Quellen erwähnen den Wohnpalast unserer Könige zu Visegrád zuerst am 17. April 1330 in der Bilderchronik. Seine eingehende Vorführung ist uns aus dem Jahre 1536 aus der von Miklós Oláh, dem Sekretär der Königin Maria, der Witwe des Königs Ludwig II. in den Niederlanden geschriebenen geographischen Beschreibung Ungarns bekannt. Demnach bestand der Wohnpalast der Könige am Hang des Schloßberges aus mit Gärten umsäumten Gebäudegruppen, die mit ihren Fassaden der Donau zu blickten. Die an einer vorragenden Stelle erbaute Kapelle war von dem Palast des Königs und der Königin umfaßt. Die Gärten und die Palasthöfe waren mit künstlerisch verzierten Brunnen und Skulpturen geschmückt. Auch den zeitgenössischen Beschreibungen und der aufgrund dieser durchgeführten Erschließungen nach ging der monumentale Wohnpalast zu Beginn der Türkenkriege, um das Jahr 1540 zugrunde. Im Jahre 1573 findet Reinhold Lubenau gelegentlich seiner Durchreise in Visegrád nur mehr Ruinen vor und erwähnt das Gelände als eine Ziegenweide. Georgius Braun berichtet 1597 über Marmorställe des Palastes, 1817 erwähnt Pál Tóth in seinem Bericht über die Burg noch die Grundmauerreste des Königspalastes und des Gartens. Die vom 18. )ahrhundert an neu entstandene Siedlung dörflichen Charakters lag im Gebiete zwischen der Unteren Burg und der Pfarrkirche, wobei man von den Resten der königlichen Wohnpaläste Gebrauch machte. Auch beim Bau der königlichen Kammer wurden die damals noch bedeutenden Ruinenreste verwendet. Die Bauarbeiten des Krondominiums von Óbuda begannen in Visegrád nach 1756. Im Gebiet des einstigen königlichen Wohnpalastes wurden nebst bedeutender Verwendung der Ruinenreste die Schlachtbank und die Weinschenke (Fő u. 19), der Getreidespeicher und der Zehentkeller (Fő u. 25) sowie das Haus des Gespans (Fő u. 41) erbaut. Diese durch zwanzig Jahre der Forschung ausgebildeten Feststellungen wurden durch die neuen Forschungsergebnisse des Jahres 1972—73 unterstützt.