Folia archeologica 25.

Pavel J. Michna: Archäologische Nachweise der mährisch-ungarischen Beziehungen im 15. Jahrhundert

202 P. J. MICIINA Meister ergänzte das Relief mit bekannten Motiven (spitzbogenförmiger Fries) und ließ anspruchsvolle Details — wie z. B. Aststab mit Blättern — gänzlich weg. Was die Provenienz der Vorlagen anbelangt, kann man einen direkten Kon­takt mit Buda, oder eine Vermittlung durch andere Städte von Ungarn oder Österreich in Erwägung ziehen. In diesem Zusammenhang rückt die Frage der von I. Holl vorausgesetzten Priorität der Budaer Ofenkacheln mit dem Rosetten­motiv in den Vordergrund. Der slowakische Forscher S. Holcik bestreitet dies mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, den Ursprung der Rosettenkacheln — im Einklang mit Walcher von Molthein und K. Strauss — in der Schweiz oder in Südostdeutschland zu suchen. Die Werkstätte sucht er in Stein am Rhein; von dort konnten die Kacheln über die Donau nach Ungarn transportiert worden sein. Ein Original der Rosettenkacheln — identisch mit Funden aus Deutschland — wurde jüngst auf der Burg von Preßburg entdeckt, wo sie um die Mitte des 15. Jhs. zur Erbauung eines Ofens verwendet worden ist 4 1 (Abb. 17). Ein Ver­gleich der Giebelkacheln aus Brünn, Náméstí Svobody und aus Buda unterstützt bis zu einem gewissen Grade die Ansicht Holciks. Makroskopische Beobachtun­gen erlauben uns beide Kacheln aus Brünn, Náméstí Svobody (Giebelkachel und Eckkachel), als gleichzeitige Erzeugnisse anzusehen, die wahrscheinlich einer Werkstätte, vielleicht auch einem und demselben Töpferofen gehörten. (Struktur und Tonfarbe sind gleich, Technik und Farbe der Glasur stimmen überein, die Grundlinie der Giebelkachel mißt 23,5 cm, die Länge der Kachelseite des Typs 1 beträgt 23 cm.) Wenn wir die Brünner Giebelkachel für ein Originalerzeugnis der Werkstätten von Buda ansehen, vermissen wir sie im dortigen, bis jetzt zum Vorschein gekommenen Kachelmaterial. Die Giebelkachel aus Buda (Abb. 5) kann man aus technischen und künstlerischen Gründen nicht für einen Prototyp der Brünner Rosettenkachel halten. Sowohl die Brünner, wie auch die Budaer Kachel wurde offensichtlich nach einem gemeinsamen Muster hergestellt, das man unter den Rosettenkacheln der Werkstätten am oberen Rhein suchen dürfte. Falls sich diese Hypothese einmal bestätigen sollte, wird man Buda nur als Ver­mittler zwischen Mähren und Deutschland betrachten müssen. Diese Beziehung wäre übrigens — wie schon in der Einleitung erwähnt — durch die politischen Verhältnisse von Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. erklärbar. Die Kopien und Nachahmungen der ungarischen Kacheln wurden in Mäh­ren während der ganzen zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, vielleicht noch län­ger, erzeugt. Das kann man allerdings nur im Fall des Brünner Töpferofenfundes belegen. Abgesehen von den beiden Originalerzeugnissen der Werkstätten von Buda läßt sich die Zeit, in der die ungarischen Muster nach Mähren kamen, nicht genau bestimmen, doch bietet sich eine Möglichkeit, die mährischen Nachbil­dungen von den Originalkacheln der Brünner Ritterofenversion abzuleiten. Um diese Vermutung beweisen zu können, fehlen uns leider hinreichende Original­funde aus Mähren. Es scheint eher, als wären die Vorlagen nur nach und nach, 4 1 Holöík, S., Kachlová pec z 15. storocia na Bratislavskom hrade. Zbomik Slov. Nár. Múz., Hist. 66(1972) 101—116. Bemerkung: Für die Leihgabe der Fotografien Nr. 2 und 3 danke ich Frau Dr. H. Ber­talan vom Budapesti Történeti Múzeum in Budapest bestens.

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