Folia archeologica 25.

Pavel J. Michna: Archäologische Nachweise der mährisch-ungarischen Beziehungen im 15. Jahrhundert

MÄHRISCH-UNGARISCHE BEZIEHUNGEN 199 (Seitenlänge 22,5 cm) (Abb. 15). Der Verfasser des Forschungsberichtes nannte das Motiv „der schlaffe Löwe". 3 8 (Variationen in der Ausfüllung des Zentral­medaillons finden wir übrigens auch in Buda: die auf Abb. 155 wiedergegebene Kachel 3'­1 trägt im Medaillon einen Pelikan, der im Nest sitzende Jungvögel füt­tert). Das Relief der Kacheln aus dem Kapuzinerkloster stimmt bis in die Einzel­heiten mit den früher erwähnten Exemplaren aus Brünn, Radnická-Gasse, Zá­mecnická-Gasse und aus Kunstát überein. Die Zeichnung ist stark und ausdrucks­voll. Auch diese Fragmente sind nicht mit Glasur bedeckt. Der Fund der Brünner Töpferöfen bietet den ersten direkten Beleg für die Herstellung dieser Varianten von Budaer Ofenkacheln in Mähren. Der Wert dieser Feststellung wird durch die Datierung des Ofens in das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts erhöht. Mit kleineren Abänderungen und Ergänzungen wurde dieser ursprüngliche Typ mit der Rosette 30 bis 50 Jahre lang hergestellt und verbreitete sich auch außerhalb des unmittelbaren Absatzgebietes der Töpfer von Buda. Die künstlerische und technische Bearbeitung ist schon unvergleich­lich primitiver und läßt nur entfernt die echt königlichen Vorbilder ahnen, die ihre modische Aktualität mehr als 30 Jahre beibehalten hatten. Die Erforschung der Öfen aus dem Hof des Kapuzinerklosters brachte noch die Fragmente einer weiteren Kachel zum Vorschein, deren Vorbild im Material der Burg von Buda zu finden ist (Typ II) 4 0 (Abb. 3). Das Brünner Exemplar ist beinahe quadratisch (Seitenlänge 22 cm), aus ziegelrot gebranntem, grobem Ton hergestellt und nicht glasiert (Abb. 16). Im Vergleich mit der Vor­lage aus Buda ist ein großer Unterschied in der technischen Bearbeitung und der thematischen Gestaltung zu bemerken. Die Szene mit den Löwen ist primitiv dargestellt, namentlich die Körper der jungen Löwen wurden ohne Rücksicht auf das ursprüngliche Bild durch schematisierte Köpfe ersetzt. Das flache, leblose Relief ist rechts mit einem Pflanzenmotiv und am oberen Rande mit einem spitz­bogenförmigen Fries ergänzt worden. Die ganze Behandlung bezeugt, daß diese Kachel nicht als ein Bestandteil einer umfangreichen Serie künstlerisch und technisch verwandter Exemplare, sondern als ein Einzelstück ohne engere Bezie­hung zu den benachbarten Kacheln gedacht war. Ähnlich wie bei der Kachel mit dem Greif wurde bei der Herstellung des Modells die Originalvorlage aus Buda nicht unmittelbar verwendet. Es handelt sich abermals eher um eine ent­fernte, von dem ausländischen Erzeugnis inspirierte Reminiszenz. Wie aus der angeführten Analyse hervorgeht, hatte die Produktion der königlichen Werkstätten von Buda für eine lange Zeit auch die Arbeit einiger mährischer Töpfermeister beeinflußt. Es ist bemerkenswert, daß der Einfluß ledig­lich auf dem Gebiet der Thematik zum Ausdruck kam, während die Herstellungs­technik unverändert blieb. Wir vermissen die Veredelung der Kacheloberfläche durch Glasur und finden nicht einmal die formvollendeten Durchbrechungen der Originale aus Buda. Im allgemeinen überwiegt die unbearbeitete rohe Ober­fläche, wovon sich ein eventuell mit Glimmer bestreutes Relief abhebt. Die ganze Ausführung des Reliefs verrät die Vergröberung der Formen (oder Modelle), was auf die Ungeschicktlichkeit der Hersteller zurückzuführen ist. Der lokale 3 8 Ebd. 73. 3 9 Holl, I., BpR 22(1971) 180., Abb. 155. wDers., BpR 18(1958) 268., Abb. 92.

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