Folia archeologica 25.

Pavel J. Michna: Archäologische Nachweise der mährisch-ungarischen Beziehungen im 15. Jahrhundert

192 P. J. MICIINA mit einer dreieckigen Giebelkachel gefunden. 2 1 Sie ist aus ziegelrot gebranntem Ton hergestellt und mit grüner Glasur auf weißer Engobe überzogen. Die Mitte wird von einer fünfblättrigen Rosette ausgefüllt, um die sich ein tordierter Ast windet, vom dem nach allen drei Ecken große, gotisch stilisierte Blätter auslaufen, welche manchmal sogar die Randauskehlungen verdecken. Die Länge der Grund­linie beträgt 23,5 cm, die Seitenlänge 27 cm (Abb. 7). Einige Merkmale, nämlich die Struktur und die Färbung des Töpfertons (optisch beobachtet), die Technik und die Farbe der Glasur (grün auf weißer Engobe), weisen auf den Zusammenhang der beiden Kacheln aus Brünn, Nàmësti Svobody Nr. 25. Man kann voraussetzen, daß beide Exemplare Bestandteile eines geplanten Ofenbaues waren, der durch eine Kombination einiger Kachel­typen aus Ritterofen-Töpferwerkstätten entstanden haben würde. Wenn wir Holls Datierung für die Entstehung dieser Öfen annehmen (1455—1457), ist es wahrscheinlich, daß der Brünner Ofen in einem Hause stand, das damals den Herren von Kunstát auf dem Hauptplatz (heute Nàmësti Svobody Nr. 25) gehörte. 2 2 Der mannigfaltige Fond bildnerisch wertvoller und entwickelter Ofenka­cheln gab einheimischen und ausländischen Meistern häufig zu Kopien Anlaß. Einer Reihe von Kopien und Nachbildungen begegnen wir im Falle der Kacheln mit dem Greifmotiv (Typ l). 2 3 Eine Kopie stammt aus Brünn (näherer Fundort unbekannt); sie ist aus hellbraunem Lehm gebrannt, ihre Stirnseite mit Glimmer bestreut. 2 4 Der Aststab mit der Blattranke entbehrt die Schärfe des Originals und das gesamte Relief weist unbedeutende Abweichungen von der Vorlage auf (linker Hinterfuß, Schweif, Flügel, vordere Pranke Abb. 8). Der Brünner Greif-Kachel entspricht eine gut erhaltene Ofenkachel aus Wischau (Vyskov) in Mähren. 2 5 Sie ist aus feinkörnigem, rosafarben gebranntem Ton hergestellt. Das Relief ist in den Einzelheiten mit der Brünner Kachel identisch, geglättet und an einigen Stellen — noch in feuchtem Zustand — be­schädigt. Br.: 21,5 cm, H.: 22 cm. Beide Kacheln wurden gebraucht, worüber die rußgeschwärzten Kehrseiten Aufschluß geben (Abb. 9). Eine wesentlich vereinfachte Zeichnung bietet das Greifrelief an einem Kachelbruchstück aus der Feste Koberice bei Wischau. Die beiliegende Zeich­nung ist heute schon die einzige Unterlage für unsere Untersuchung, da das Origi­nal nicht erhalten blieb. Statt des Aststabes mit Blattranken bemerken wir hier — sofern man der Zeichnung Glauben schenken darf — eine Einrahmung, die aus einer Reihe von Leisten besteht. 2 6 Das Greifrelief steht jedoch der Budaer Originalauffassung näher als bei den Exemplaren aus Wischau und Brünn (Abb. 10). 2 1 Museum der Stadt Brünn, Inv. —Nr. 6 490. 2 2 Ein Glied des Geschlechtes der Herren von Kunstát war auch der späteren böhmische König Georg von Podëbrad. Eine Reihe seiner Verwandten stand in den Diensten des Ladis­laus Posthumus und zählte zu den Günstligen des Königs. Siehe in: Michna, Р., а. а. О. 264—271. 2 3 Но//, I., BpR 18(1958) 254., Abb. 74. 2 4 Mährisches Museum in Brünn, historische Abteilung, Inv.' —Nr. 39 498. 2 6 Museum der Region Wischau in Wischau, Mähren. Inv. —Nr. 5 409. Gleichzeitig danke ich Herrn Dir. PhDr. Frantisek Jordán, daß er mir die Kachel zugänglich machte und ihre Veröffentlichung ermöglichte. 2 6 Prochá?ka, A., Starobylé kachle. VSOV 17(1934) Abb. 17.

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