Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

88 L. BARKÓCZI Dem Stil und der Technik nach ist dieses Stück eines der spätesten Grab­denkmäler von Intercisa. Bedauerlich ist, daß das Haupt der Figuren fehlt, jedoch selbst auf diese Weise kann noch die Auflösung des plastischen Sinnes beobachtet werden. Diese primitive Verfassung der Kleiderfalten, ihre Markierung vielmehr nur mit gemeißelten Linien, statt der plastischen Ausarbeitung ist für die Er­zeugnisse dieser Periode charakteristisch. Die Bearbeitung der Kleiderfalten ist mit denen auf dem Grabdenkmal von Aelius Caesumarius Technik identisch, jedoch kann dasselbe auch auf dem Grabdenkmal von Cl. Antonius, Aurelius Marcus, oder sogar auf dem des Fl. Superianus von Szentendre beobachtet wer­den, das vom Beginn des 4. Jahrhunderts stammt. Die zwischen der Inschrift und dem Bildfeld eingemeißelte Opferszene weist ebenfalls auf die späte Zeit hin. Auch hier ist das Fehlen der Plastizität charakteristisch und das ganze Stück ist vielmehr nur eine aus gemeißelten Linien bestehende Komposition. Ausgespro­chen spätzeitig ist die Haartracht der Frauenfigur der Opferszene. 5 0 Im Zusam­menhang mit dem im Giebel untergebrachten Akanthusblatt müssen die Grab­tafel von Aurelius Marcus und drei Steindenkmäler von Brigetio erwähnt werden, die wir auf das Ende des 3. bzw. auf den Beginn des 4. Jahrhunderts bestimmt haben. Wie bereits erwähnt, kann das Grabdenkmal des Medomus Super - wie wir sehen werden - schon von mehreren Gesichtspunkten aus mit dem Grab­denkmal des Aristius Fortunatus in Verbindung gebracht werden und bedeutet, wenn auch nicht die gleiche Werkstätte oder ein und denselben Steinmetzen, dennoch die gleiche oder ungefähr gleiche Zeit. 5 1 Das Grabdenkmal des Centurio Aristius Fortunatus (Abb. 16) setzte die bisherige Forschung auf die zweite Hälfte des 3. Jahhunderts. 5 2 Es kann jedoch weder sein Stil, noch seine Ausarbeitung in die 3. Gruppe der pannonischen Steindenkmäler des 3. Jahrhunderts eingefügt werden. Das Grabdenkmal ist von kleinem Umfang, von traditionellem Aufbau, sein Giebel ist umrahmt, in seine Akroterien können tief eingemeißelte bogenförmige Linienverzierungen beobach­tet werden. Möglicherweise war für den Giebel ein Akanthusblatt vorgesehen, vielleicht wurde auch dieses, wie die Opferszene, nicht vollendet. Im glatt um­rahmten Bildfeld ist die Büste des Ehepaares eine kaum gegliederte Fläche. Das dicht gewellte Haar der Frau, das kurze Haar des Mannes und sein kurzer Bart sind charakteristische Merkmale so wie auch die eckigen Nasen, die stark betonten Augen und die nur mit gemeißelten Linien vorgenommene Markierung der Kleider­falten charakteristisch sind (Abb. 17). Keine der früheren Publikationen erwähnt, daß sich an der Schulter des Mannes eine Zwiebelkopffibel befindet, die nicht ein­mal zu den frühesten Typen gehört. Die Zwiebelkopffibel deutet schon im voraus darauf hin, daß das Steindenkmal nicht früher als das Ende des 3. Jahrhunderts ent­standen sein konnte. Ander Fibel sind die Knöpfe ziemlich groß, so kann sie auch ein späterer Typ sein und dann müssen wir bereits die ersten Jahrzehnten des 4. Jahr­hunderts in Betracht ziehen. Die Betontheit der Augen zeigt am frühesten auf die Tetrarchiezeit hin, 5 3 jedoch kann diese Art der Augenausbildung sowie die eckige 5 0 Ebd. 193. 5 1 Vgl. ebd. 5 2 Ebd. 193. Nr. 36., Taf. XU, 4. 8 3 Vgl. UOrange, H. P., loc. cit.

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