Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

74 L. BARKÓCZI umgemeißelt und der Stil der Meißelung steht mit dem Alter der Inschrift nicht in Einklang. Oben kann die kurze Anordnung der Haartracht der drei Hauptfiguren mit dem Haar des an einem der spätesten Grabdenkmäler von Intercisa sichtbaren Porträts in Verbindung gebracht werden und dieser Grabstein dürfte nicht früher als in der Zeit der konstantinischen Dynastie hergestellt worden sein (Abb. 22). Auf die späte Zeit verweist die flächenhafte Bearbeitung der Figuren, die eine geringen Plastizität zeigenden Gesichter, doch sind die betonten Augen trotz alledem noch hervorzuheben. Charakteristisch sind die unproportionierten Figu­ren, die bloß mit eingemeißelten Linien angedeuteten Kleiderfalten und die an der linksstehenden Gestalt beobachtbare große runde Schnalle. Diese Bearbeitungsart ist an dem Grabdenkmal von Szentendre und die Einzelheiten betreffend auch an mehreren Grabtafeln von Intercisa zu beobachten (Abb. 7, 11, 14, 16). Ein besonderes Interesse verleiht der Darstellung das am unteren Teil des Bildfeldes, zwischen den Brustbildern von zwei kleineren, grob bearbeiteten Figuren auf drei Füssen stehende Opfertischlein mit nach außen gewendeter Platte. Dieses in das Bildfeld komponierte Detail von einer Opferszene kann an der im weiteren an die Reihe kommenden Grabstelen von Szentendre aus der konstantinischen Zeit und an zwei gleichen Denkmälern aus Intercisa beobachtet werden, wo die verschiedenen Stilmerkmale ebenfalls auf den Beginn des 4. Jahrhunderts verweisen (Abb. 7, 20, 29). Aus Brigetio sind noch zwei, den vorangehenden gleichaltrige fragmentierte Grabtafeln zu erwähnen. Die eine stellt drei Figuren dar (Abb. 5) und trägt im Giebel ein Akanthusblatt, 1 6 die andere zeigt zwei Figuren, doch ist auch hier im Giebel ein vereinfachtes Akanthusblatt zu sehen. 1 7 Für beide Stücke sind, geradeso wie bei den vorangehenden, die flache Bearbeitung der Figuren, die eckigen Nasen und die betonten Augen charakteristisch. Das Akanthusblatt im Giebel scheint in dieser späten Zeit vorherrschend zu sein, da es auch in Intercisa ver­treten ist. Ein gutes Beispiel für die späte Steinmetzarbeit in Brigetio ist ein großes Kapitell. 1 8 Das Haupt auf dem Kapitell (Abb. 6) trägt Stilmerkmale, die auch für die Großplastik vom Ende des 3. und Beginn des 4. Jahrhunderts charakteristisch sind. Sehr kennzeichnend ist die Bearbeitung der Augen, was schon in sich darauf verweist, daß das Kapitell nicht früher, als die Tetrarchie- oder die konstantinische Zeit entstanden sein konnte. 1 9 Das Kapitell ist bestimmt kein in sich stehendes Stück, da es ja zu einem großen Gebäude gehört haben dürfte. Dies spricht zugleich auch für die großen Bauarbeiten allgemeine Bautätigkeit am ganzen Limes in Betracht gezogen, muß dies mit der Zeit des Konstantins in Verbindung gebracht werden. 2 0 Die Stein­1 B Barkóczi, L., Brigetio. Taf. XLIX, 2. 1 7 Ebd. Taf. XLIX, 4. 1 8 Gosztonyi, Gy., Kapitelle und Pfeilerkapitelle aus Aquincum und seiner Umgebung. LA II. DissPann II: 11. (Bp. 1941) 247., 258. No. 16.; Barkóczi, L., Brigetio. Taf. LX, 2. 1 9 L'Orange, H. P., Studien zur Geschichte des spätantiken Porträts. (Roma 1965) Abb. 32ff. 2 0 Vgl. Barkóczi , L., Intercisa I. AH 33 (Bp. 1954) 50., 56.; F. Fülep ist in den vergangenen Jahren in der Nachbarschaft von Brigetio, im Laufe der im Kastell von Almásfüzitő durch­geführten Ausgrabungen auf die Bauperiode der Konstantinzeit gestoßen. Freundliche münd­liche Mitteilung von F. Fülep.

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