Folia archeologica 24.
László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts
70 L. BARKÓCZI Die Ausarbeitung und die Struktur des Grabdenkmales, sei es auch noch so geteilt, ist dennoch plump und kann nicht in die Reihe der aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts stammenden Steindenkmäler eingefügt werden. 6 Bei der Darstellung der Kleider kommen augenfällig die flächenhaften Bearbeitungen zur Geltung und die Plastizität kann nur bei den Köpfen wahrgenommen werden. Die starre Formung der Gesichter, die in großen Flächen geschnitzen Kleider, ferner stellenweise die Markierung der Falten nur durch eingemeißelte Linien und die an der linksseitigen Gestalt wahrnehmbare große runde Schnalle setzen die Entstehungszeit des Grabsteines schon eher in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts. Das Grabdenkmals von Aur. Ianuarius ist für uns deshalb wichtig, da es in einigen Beziehungen, wie wir sehen werden, bestimmt mit einem solchen Grabdenkmal aus Brigetio in Verbindung gebracht werden kann, das gewiß zu Beginn des 4. Jahrhunderts gefertigt worden ist. Auf dem aus Brigetio stammenden Grabdenkmal der Aelia Messorina 7 weist die Inschrift auf keine genauere Zeitbestimmung, jedoch können bei der Bearbeitung des Bildfeldes die späten Stilmerkmale eindeutig beobachtet werden (Abb. 2). Die flächenhafte Lösung der Büste der Frau, des Mannes und des Kindes, die Betonung der eckigen Nasen und der Augen kann mit der Steinmetzart der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts in keine Verbindung gebracht werden. Die ungeübte und unsichere Andeutung der Kleiderfalten, ihre stellenweise nur mit eingemeißelten Linien erfolgte Andeutung weist auf noch ältere Zeiten, als die des Grabdenkmales von Aur. Ianuarius hin. Diese Merkmale zeigen schon eher eine Verbindung zu den in Szentendre gewiß aus der Konstantinischen Zeit und aus Intercisa stammenden, einen ähnlichen Stil aufweusenden Grabdenkmälern (Abb. 7, 11, 14). Bei der in dichten Wellen geordneten Haartracht der Frauenporträts muß nicht unbedingt an Iulia Mammea gedacht werden, eine solche Haartracht läßt sich auch an den Darstellungen der Fausta und der Helena vom Beginn des 4. Jahrhunderts beobachten. 8 Das Kind zeigt eine Verbindung auch zu der ebenfalls aus Brigetio stammenden Kinderdarstellung des Grabsteines von Ursinus ducennarius vom Beginn des 4. Jahrhunderts (Abb. 3). Das Akanthusblatt im Giebel erscheint auch öfters auf den spätesten Grabdenkmälern in dieser vereinfachten Form selbst in Brigetio, es kann außerdem noch in zwei Fällen beobachtet werden. In Brigetio läßt sich bezüglich der Inschrift und der Meißelung am besten das Grabdenkmal von Ursinus ducennarius chronologisch umgrenzen 9 (Abb. 3). 6 Vgl. Barkóczi, L., Brigetio. 34ff. und die Tafeln. 7 CIL III 3531.; Barkóczi, L., Brigetio. 38. F. 21. Taf. VIII, 1. Die mit dem Fundort im Zusammenhang stehenden Bemerkungen: ebd. s Delbrueck, R., Spätantike Kaiserporträts von Constantinus bis zum Ende des Westreiches. (Berlin-Leipzig 1933) 46fT. Außer den angeführten Porträts wird die Haartracht von den Münzenbildcrn gut veranschaulicht: Taf. XI. "CIL III 11036.; Barkóczi, L., Brigetio. F. 85.