Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

108 L. BARKÓCZI wesentlichen mit dem Grabdenkmal des Aur. Valens und mit der Figur der einen Tischplatte von Intercisa eine Verbindung. 7 8 * In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts kann der große Aufschwung unter den Severern die Verbreitung des Steinmetzhandwerkes und der sonstigen Ge­werbe in der ganzen Provinz beobachtet werden. Insbesondere ist dies dem Limes entlang wahrzunehmen. Mit weitem Wirkungskreis arbeitenden Steinmetzwerk­stätten waren in einzelnen größeren Städten und Lagern tätig, jedoch kann auch die Spur der Tätigkeit von Gelegenheitssteinmetzen in der Provinz aufgefunden werden. Aufgrund des mit der Zeit der Severer im Zusammenhang stehenden wirtschaftlichen Aufschwunges, der Geschichte der Truppen und sonstiger epi­graphischer Bedenken sowie der auf Identität hinweisenden Stilmerkmale scheint es handgreiflich zu sein, den Großteil der Steindenkmäler auf die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts zu datieren. Mitgewirkt in dieser Datierung hat auch die sich in Pannonién in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ausgebildete schwere politische Lage. Auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts lassen sich nur die jenigen Denk­mäler versetzen, wo die Inschrift konkret auf diese Zeit hinweist. Wenn auch die gemeißelten Denkmälern ortsweise auch bearbeitet oder über­blickt worden sind, kam es nur selten zu einer zusammenhängenden Stil analyse. Innerhalb der Provinz wurden in den einzelnen Publikationen die regionalen Ver­hältnisse nicht genügend betont. Über die Steindenkmäler hinaus ist das innere Leben der Provinz sowie ihre Geschichte in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhun­derts nicht genügenderweise beleuchtet. Das eine Hindernis hierfür ist, daß mit den Zeiten um Traianus Decius in den Gräberfeldern der Münzumlauf aufhört und in Ermangelung eines datierenden Materials auf diese Weise die Gräber aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts kaum datiert werden können. Gleichzeitig stehen uns keine solchen Gräberfeldpublikationen zur Verfügung, die die Fort­setzung der in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts oder noch früher angelegten Gräberfelder verfolgen, die Periode der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ent­sprechend bestimmen und die eventuelle Unterbrechung der Bestattungen oder die verschiedenen Eigenarten festgelegt hätten. Obwohl uns solche Gräberfeld­abschnitte zur Verfügung stehen, wurden jedoch diese in Ermangelung von Münzfunden chronologisch nicht genügend ausgewertet und zum Teil noch gar nicht publiziert. Die Kenntnis der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde von den vielen, in der Provinz unter Gallienus verborgenen Münzschätzen erschwert, woraus man den Schluß ziehen kann, daß diese Provinz durch den Einzug der Roxolanen eine sehr schwere Erschütterung erlitten hat. 7 9 Es ist nicht zu bezweifeln, daß in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts die die Kämpfe um Dazien, die Kämpfe der pannonischen Gegenkaiser oder aber der Einzug der Roxolanen auf die Provinz eine ernste Wirkung ausgeübt haben. Der überwiegende Teil der unter Gallienus verborgenen Münzschätze ist im Inneren 7 8 Erdélyi, G., Intercisa I. Nr. 126., Taf. L, 2. 7 9 Barkóca, L., Intercisa II. 527., 529.

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