Folia archeologica 23.
Endre Tóth: Figürlich verzierte Loculus-Platte aus Savaria
LOCULUS-PLATTE 67 jedoch können diese (vielleicht den Mosaikfußboden des südlichen Kultsaales, dessen Bestimmung bestritten ist, nicht gerechnet) keineswegs als von christlichem Charakter, 4 0 noch die zum Mosaikbelag gehörenden Räume als Oratorien, altchristliche Kultstätten betrachtet werden. In Aquileia kam auch ein Grabplattenfragment mit der Darstellung eines Schafträgers hervor, 4 1 jedoch weist auch dieses keine gemeißelte, sondern eine eingeritzte Verzierung auf. Wegen seiner Fragmentiertheit konnte auch bei diesem der christliche Charakter nicht entschieden werden. Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, daß der Besteller der Loculus-Platte von Savaria die Grabplatte direkt aus Rom holen ließ. Handelt es sich tatsächlich um ein Importstück, so gibt dieser Umstand Anlaß zu neueren Folgerungen. Bei einem solchen, aus dem 4. Jahrhundert stammenden Importstein kann berechtigterweise angenommen werden, daß sein Errichter eine reiche Persönlichkeit bzw. ein Beamter von hohem Stand war, der den stadtrömischen Typ gekannt hat und aller Wahrscheinlichkeit nach selbst aus Mittelitalien, eventuell aus Rom hergestammt ist. Diese Annahme ist um so mehr berechtigt, da Savaria im 4. Jahrhundert ein Statthaltersitz, 4 2 der Sitz praepositi thesaurorum Sabariensium von Pannónia prima war 4 3 später Aufenthaltsplatz des Kaisers, 4 4 mit einem kaiserlichen Palast. 4 5 Dennoch ist für wahrscheinlichst anzunehmen, daß irgendein Staatsbeamter hohen Standes den Grabstein stellen ließ. Vielleicht können wir darauf auch aus der Tatsache schließen, daß der auf der Inschrift vorkommende Name UlpiusUlpianus bzw. Sulpicius-Sulpicianus in Pannonién äußerst selten vorkommt. Leider ist der genauere Fundort der Loculus-Platte unbekannt. Würden wir den Fundort innerhalb der Stadt kennen, so könnten ihr christlicher oder heidnischer Charakter mit größerer Sicherheit festgestellt werden, da der Platz des altchristlichen Friedhofes bekannt ist. 4 6 Da wir aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts keine Inschriften aus Savaria kennen, ist es anzunehmen, daß unser Stein aus dem 4. Jahrhundert stammt. Hingegen tragen sämtliche Grabinschriften in Savaria im 4. Jahrhundert bestimmt einen altchristlichen Charakter. So kann man es für wahrscheinlicher halten, daß in das über eine bedeutende christliche Gemeinschaft verfügende Savaria vielmehr eine christliche Darstellung des Guten Hirten, als die eines Schafträgers heidnischen Charakters gelangt ist. 4 0 Nach Th. Klauser. Klauser hält auch den Schafträger auf dem Mosaikbelag des südlichen Kultsaales nicht für eine Darstellung christlichen Charakters : JbAC 1967. 107. il Wilpert,]., a.a.O. 53., Nr. 18. 4 2 Vgl. Mommsen, Th., CiL III S.525. ; Nag)/, T., a.a.O. 202-203., Anm. 29. ; Alocsy, A., Pannónia. PWRE Suppl. IX. (Stuttgart 1962) 611. 4 3 Not. dig. occ. XI. 25. Ed. O. Seeck. (Frankfurt a.M. 1871) 149. 4 4 26. Juli 322: CTh I.i.i.; 6. April 339 CTh X.10.6. 4 5 Vgl. Amm. Marc. XXX. 5.16. ; Siehe noch: Anm. 35. 4 6 Р. Внос?, T., Savaria topográfiája. (Szombathely 1967) 26.