Folia archeologica 23.

Ilona L. Kovrig: Hunnischer Kessel aus der Umgebung von Várpalota

Il6 I. L. KOVRIG Bei dem Kessel von Ó-Szőny-Brigetio, der eine vom behandelten Kesseltyp wesentlich abweichende frühere Form zeigt, tauchte der Gedanke auf, diesen ebenfalls in das Fundmaterial der Hunnen einzureihen. 5 8 Die Metallanalyse hat gezeigt, daß die Zusammensetzung seines Materials sich von den vier untersuch­ten ungarischen Kesseln in der Konzentration des Silbers (i %) und des Mangans (0,003%) unterscheidet und bezüglich des Arsen- (1%) und des Zinngehaltes (0,03 %) signifikant abweicht. 5 9 Der Kessel, dessen Fundort „angeblich Ó-Szőny", also nicht sicher ist, wurde vom Magyar Nemzeti Múzeum durch Kauf erwor­ben. Aus der Umgegend von Szönyist uns bislang kein einziger skythischer Fund bekannt, trotzdem ist die Frage m.E. nicht abgeschlossen. Die zur Rede stehende frühvölkerwanderungszeitliche Gruppe der auf zen­tralasiatischen Ursprung zurückführbaren Bronzekessel, kann trotz einiger auf­getauchter skeptischer Meinungen heute bereits mit voller Entschiedenheit mit den Hunnen verknüpft werden. Ihre Einteilung in vier Felder, ferner ihre Griffe mit Halbscheibenansätzen, ihrem im Aufbau und in der Verzierung sich zeigenden gemeinsamen charakteri­stischen Züge lassen darauf schließen, daß sie voneinander nicht durch eine große Zeitspanne getrennt sind. Ihr Erschsinen vom Don bis Gallien (Abb. 2) - mit Fundanhäufungen in Rumänien und Ungarn - hat sich im Laufe einer kurzen Zeit vollzogen. Zur feineren Chronologie der zylindrischen hunnischen Kessel stehen uns mit Ausnahme des Fundes von Höckricht keine charakteristischen Begleitfunde zur Verfügung. Ihre chronologische Einreihung auf Grund der Form und der Verzierungen stoßt besonders bei den Kesseln mit halbscheibenförmigen An­sätzen wegen der verwandten Züge auf Schwierigkeiten. Die Kessel von Desa und Schestatschi, sowie die Fragmente von Bennisch und lntercisa, eventuell auch die von Celei-Sucidava könnte man aufgrund der Gliederung der Rippen­verzierung als eine chronologische Gruppe auffassen. Dagegen spricht jedoch das Fransenornament, das nebst der Anwendung eines anderen Rhythmus der Rippen sowohl auf den Kesseln von Törtei und vom Kapos-völgy, wie auch auf denen von Desa und Schestatschi in ähnlicher Form erscheint. Wenn wir aber das Fransenornament - diese charakteristische Verzierung - in Betracht ziehen, so stellen die Kessel von Kapos-völgy, Törtei, Desa und Schestatschi eine Gruppe dar. Der Kessel von Törtei (der im Donau-Theiß-Zwischenstromgebiet, südlich von Szolnok, auf einem Gelände zwischen zwei Bächen, näher zur Gemeinde Köröstetétlen als zu Törtei zum Vorschein kam) ist das größte und am reichsten verzierte Exemplar der hunnischen Kessel. Seine an Zellenreihe erinnernde Orna­mentik erscheint auch auf dem Kessel vom Kapos-völgy; diese Ornamentik als Randverzierung ist nur auf diesen beiden ungarischen Kesseln zu finden. Der Kessel aus der Umgebung von Várpalota hebt sich auch aus dem Kreis der ver­wandten Exemplare dadurch hervor, daß sich neben seinen Griffen je zwei halb­scheibenförmige Ansätze befinden. Er steht dadurch dem Kessel von Törtei nahe, daß unter sämtlichen, mit Halbscheibenansätzen verzierten Kesseln bloß diese 58 Alföldi, A., a.a .O. 35-36., Taf. XVIII: 3.; Werner, J., a.a.O. 57-58. 5 9 Vgl. Anhang I.

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