Folia archeologica 23.

Ilona L. Kovrig: Hunnischer Kessel aus der Umgebung von Várpalota

112 I. L. KOVRIG Hinsichtlich der Gebrauchsweise der Kessel können wir uns nicht der Meinung anschließen, wonach sie wegen ihres Gewichtes und wegen ihrer schlanken Form - vielleicht mit abmontiertem Fuß - an einer Stange oder auf einem Seil aufge­hängt gebraucht wurden und die Griffe auf diese Weise Hälter gewesen wären. 44 An den intakten Griffen der Kessel von Törtei und Kapos-völgy sind keinerlei Abnützungsspuren zu entdecken. Die Anwendung der Holzstange hätte - das große Gewicht der Kessel in Betracht gezogen - nicht ohne eine Spur zu hinter­lassen, geschehen können und selbst der Gebrauch des Seiles hätte die untere Kante des Griffes abpoliert. Insofern man dies nach den Photographien beurtei­len kann, ist auch auf den anderen Kesselgriffen die Griffkante über der Grifföf­nung nicht abgenützt und in der Literatur findet man keine diesbezüglichen Hin­weise. Wie bereits vorangehend gesagt wurde, waren die Füße der Kessel nicht abmontierbar. Sie waren statisch solid konstruiert und die Kessel standen sicher auf ihren Füßen, wie dies aus Kesseldarstellungen auf Felszeichnungen zu ent­nehmen ist. 4 5 Ihr Transport dürfte - wie dies auch Werner bemerkt - durch Be­festigung auf den Pferderücken 4 6 - keine große Sorge bereitet haben - insbeson­dere dann nicht, wenn wir daran denken - was die archäologische Forschung trotz der geschriebenen Quellen gerne außer acht läßt - daß der Gebrauch von Wagen zur hunnischen Lebensform ebenso gehörte (Amm. Marc. XXXI 2,10; lord. Get. XL 210), wie z;u der der übrigen Reiternomaden der Steppenwelt. Betreffs der Funktion der Kessel teilen sich die Meinungen. Nestor nimmt an - die Fundorte der Kessel an kleinen Flüßchen und in seereichen Gegenden in Betracht gezogen - daß man an diesen Stellen mit ihnen Kulthandlungen vollzo­gen hatte. 4 7 Auch die Fundumstände des Kessels von Várpalota entsprechen den von Nestor geschilderten Bedingungen. Fettich bezeichnet sie als Opferkessel. 48 László vergleicht ihre Verzierungen mit den bekränzten Totenurnen des Alter­tums und ist der Meinung, daß sie bei den Bestattungszeremonien gedient hätten. 49 Werner schließt sich der Argumentation von Nestor an und hält aufgrund der Dar­stellungen der Felszeichnungen von Kizil-Kaia (Süd-Sibirien) für annehmbar, daß diese Opfer-oder Kultkessel waren, verweist jedoch gleichzeitig darauf daß in An­betracht des Fundes von Höckricht sie auch bei profanen Zwecken verwendet wurden. 5 0 Nach Bernstam wurden sie zum Kochen gebraucht, aufgrund ihres Raumin­haltes konnte in ihnen die Speise einer größeren Gemeinschaft Zubereitet wer­den. 5 1 4 4 Werner, J., a.a.O. 60. 1 5 Appelgren-Kivalo, IL , Alt-Altaische Kunstdenkmäler. (Helsingfors 1931) Abb. 298-300.; Deblet, M. A., Bolschaja Bojarskaja pisaniza. Sow. Arch. 1965:3. i28ff., Abb. 3-6. 4 6 Auf den Pferderücken verpackte Kessel sind auf den beiden kleinen Reiterstatuetten des Gold Bell Tomb von Kyongju zu sehen (Masterpieces . . . 45-46., Nr. 17 a-b) ; es ist unwahr­scheinlich, daß man die hohen hunnischen Kessel auf diese Weise transportiert hätte. 4 7 Nestor, L-Nieolaeseu-Plopfor, C. S., a.a.O. 182. 4 8 Fettich, N., A hunok régészeti. . . 246. 4 9 Lás%ló, Gy., a.a.O. 351. so Werner, J., a.a.O. 60. 51 Bernstam, A. N., Otscherk istorii Gunnov. (Leningrad 1951) 201.

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