Folia archeologica 20.
Sándor Soproni: Über den Münzumlauf in Pannonién zu Ende des 4. Jahrhunderts
7° S. SOPRONI gestellte Tabelle, 5 8 so sehen wir, daß bei den ersten fünf, aus Pannonién stammen-» den Schatzfunden die letzten Valentinianischen Typen, die Serien Q, F, S in den Funden ziemlich unregelmäßig vorkommen. Wie gesehen, hat die Zuströmung der Neuprägungen in die Limesgegend vom Jahre 370 an abgenommen, so dürfte das Vorkommen der Neuprägungen in den Schatzfunden nur zufällig gewesen sein. Wir sind der Meinung, daß wir bei der Datierung der aus den letzten Jahrzehnten des 4. Jahrhunderts stammenden Schatzfunde vorsichtig verfahren müssen . Besonders bei der Datierung jener Funde, die auch Prägungen aus der Zeit nach 375 enthalten, müssen wir sehr acht geben. Der Umstand, daß ein mit S-Serie schließender Schatzfund beispielsweise keine Prägungen aus der Zeit nach 375 enthält, schließt nicht die Möglichkeit aus, daß der Schatz erst viele Jahre nach 375 verborgen worden ist. Der Veszprémer Fund, der eine Prägung aus dem Jahre 387 enthält, dürfte auch um ein oder zwei Jahrzehnten später verborgen worden sein. Mit dieser Möglichkeit muß fast bei jedem vom Ende des 4. Jahrhunderts stammenden Schatzfunde gerechnet werden. Diese Annahme wird auch von dem Zustand einzelner Stücke der vom Ende des 4. Jahrhunderts stammenden Schatzfunden unterstützt. Aus den nach 375 verborgenen Schatzfunden kommen zuweilen derart abgenützte Prägungen — aus der Valentinianischen Zeit oder auch spätere Stücke - zum Vorschein, daß ihre Bestimmung auf ernste Schwierigkeiten stößt. Eine derartige Abnützung präjudiziert einen mehrere Jahrzehnte lang andauernden regelmäßigen Gebrauch. Im Zeitalter zwischen dem Tod Valentinians und der Räumung der Provinz wurde der Münzumlauf in überwiegender Weise mit den vor 375 geprägten Münzen abgewickelt, der Münzumlauf hörte auch zu dieser Zeit nicht auf und das Jahr 375 führte - den Anzeichen nach -auch auf diesem Gebiete keine wesentliche Änderung herbei. Der Unterschied kann im späteren Münzumlauf insofern beobachtet werden, daß infolge der historischen, wirtschaftlichen Lage der zwischen stets engere Rahmen gedrängte Münzumlauf die Emission von Neuprägungen nicht nötig gemacht hat, da sich die vorhandene und in Umlauf befindliche Münzmenge zur Befriedigung der Bedürfe als genügend erwiesen hat. In der Zeit nach dem Tode Valentinians können wir also im Gebiet Valeria auf diese Weise von keiner Stillegung des Münzumlaufes sprechen und wir müssen die frühere Auffassung, die über das Aufhören des Münzumlaufes nach 375 bzw. 395 spricht, im weiteren auf Grund der obigen Gesichtspunkte modifizieren. Ob dieser früher angedeutete Münzumlauf mit der Räumung der Provinz aufgehört oder bis zu einem gewissen Maße eingeengt auch weiterhin bestanden hat, können nur die weiteren Forschungen entscheiden. 5 9 Jedenfalls müssen wir bis zum Zeitpunkt der Räumung der Provinz im Gebiete von Valeria mit einem regelmäßigen Münzumlauf rechnen. SÁNDOR SOPRONI s» R. Alföldi, M., a. a. O. 87. 5 9 Aus der auf Grund der letzten Zusammenstellung von L. Hussar [Acta Arch. Hung, 5(1955) 61.-] gefertigten Fundstatistik können wir feststellen, daß aus den germanischen, sodann awarischen Gräbern gerade diejenigen, aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stammenden Centenionales - im allgemeinen in sehr abgenütztem Zustande - zum Vorschein gekommen sind, die gegen Ende der pannonischcn Römerherrschaft in der Provinz in Gebrauch waren. Wir halten es für möglich, daß die römischen Centenionales im Laufe der Völkerwanderung im Gebiete des heutigen Ungarns auch weiterhin im alltäglichen Umlauf geblieben sind. Mit der Frage wünschen wir uns an einer anderen Stelle zu befassen.